10 Jahre Max Eberl – Für immer Borussia?

Am 19. Oktober 2008 übernahm Max Eberl den Sportdirektorposten der Borussia von Christian Ziege, der den entlassenen Jos Luhukay interimsweise ersetzt hatte und nun Co-Trainer an der Seite Hans Meyers wurde. Während die Namen Luhukay und Ziege wie aus einer anderen Epoche Borussias klingen und Hans Meyer im Präsidium Borussias nur noch repräsentative Aufgaben übernimmt, ist Max Eberl seitdem eine operative Konstante des Vereins. Nach zehn Jahren könnte er dem kleinen „Für immer“-Tattoo, das er am Handgelenk trägt, fast einen Borussia-Schriftzug hinzufügen. Einige Fans wünschen sich das vielleicht. Wir erklären zum Jubiläum, wieso Max Eberls Leistungen in zehn Jahren bundesligaweit ihresgleichen suchen.

In zehn Saisons, die Borussia mit dem Sportdirektor Max Eberl beendete, landete Borussia einmal auf Platz 16 und einmal auf dem dritten Rang – das war das jeweils beste respektive schlechteste Resultat. Klingt nach großer Schwankung, nach fehlender Konstanz. Das Gegenteil ist der Fall. Borussia verpasste es zuletzt vor mittlerweile sieben (!) Jahren, am Ende der Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz zu landen. Insgesamt kam das unter Max Eberl ohnehin nur dreimal vor. Davon einmal im Jahr 2009, als Max Eberl den Kader vor der Saison nicht zusammenstellen konnte. Die ersten Transfers unter dem Sportdirektor Eberl hießen im Winter 2008/09 Dante, Logan Bailly, Paul Stalteri und Tomas Galasek. Vier Spieler, die aus dem Stand maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatten. Ein direkter Wiederabstieg hätte Jahre gekostet. Seitdem gab es jedoch stattdessen viermal Europapokal – davon zweimal Königsklasse. In der besten Saison unter Eberl holte Borussia 66 Punkte und landete auf Platz drei – das war 2015. Nur sieben Jahre vorher hatte Borussia schon einmal 66 Punkte geholt. Allerdings in Liga zwei. Doch es sind nicht nur diese beeindruckenden Zahlen, die Eberls Arbeit so wertvoll machen.

Ewiges Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz

Das ewige Gerede des einstelligen Tabellenplatzes als Saisonziel Borussias. Es ist mittlerweile zu einem Mantra à la „von Spiel zu Spiel“ denken geworden. Wir geben gerne zu, dass auch wir an der einen oder anderen Stelle schon drüber schmunzelten. Es ist – das übersehen viele Fans – Max Eberl allerdings hoch anzurechnen. Was würde es denn bringen, Platz sechs als Ziel auszugeben?

Das ewige Gerede des einstelligen Tabellenplatzes als Saisonziel Borussias. Es ist mittlerweile zu einem Mantra à la „von Spiel zu Spiel“ denken geworden.

Wir können sicher sein, dass Eberl intern durchaus zu verstehen gibt, dass der Europapokal eine Reise wert ist. Wenn er das aber der Öffentlichkeit als ultimatives Saisonziel hinwirft, dann stürzt sie sich permanent darauf. Es würde den Druck auf den gesamten Verein enorm erhöhen. Für einen Verein, dessen DNA in der Entwicklung junger Talente liegt, wäre das hinderlich. Das weiß Eberl. Dass er trotz des Gemurmels von außen beharrlich bei seiner Zielvorgabe bleibt, ehrt ihn. Schließlich wird er so immer wieder zur Zielscheibe genervter Fans, die gerne ambitionierter in die Saison gehen würden. So kann er den ersten Druck in Stoßdämpfermanier von Mannschaft und Trainer nehmen.

Max Eberl lebt die Leidenschaft

Eberl kann mit der Kritik umgehen. Er hat in zwanzig Jahren Borussia als Spieler und Trainer alles gesehen und gehört. Wer allerdings glaubt, dass ihn Kritik nicht mehr anfeuert, der unterschätzt den ehemaligen Anti-Goalgetter aber ganz gewaltig. Das beweisen diverse verbale Gegenangriffe auch in Richtung der Fans, für deren Wortwahl er sich im Nachhinein entschuldigte. Das durften wir im Gespräch vor nunmehr knapp anderthalb Jahren hautnah erleben. Max konnte damals jeden seiner Schritte erklären. Er verteidigte seine Strategie, seine Spieler und den Kurs des Vereins auf eine Art und Weise, die deutlich machte, dass Max Eberl für die Raute brennt. Dabei verlor er allerdings nie den Kopf, sondern argumentierte sachlich. Ihm war daran gelegen, mit Fans wie uns ins Gespräch zu kommen und uns zu überzeugen. Naturgemäß ist es so, dass wir aus der Sicht der Fans nach einer Leistung uns an der einen oder anderen Stelle klare Worte wünschen würden. Eberl konnte aber überzeugend dafür plädieren, dass Fans auch immer die Empathie haben sollten, sich in die Rolle der Verantwortlichen zu denken. Das fällt nicht immer leicht.

Zehn Jahre Eberl – Zehn Jahre Fortschritt

An diesen Punkten gerät Eberl mit der Öffentlichkeit und den Fans regelmäßig aneinander. Doch objektiv betrachtet, hat Borussia unter ihm eine konstante und positive Entwicklung genommen. Auf den ersten Blick mag diese Einschätzung verwundern, weil es nach zwei Jahren Königsklasse nun zwei Mal nur für Platz neun reichte. Bei genauerer Betrachtung ist es aber so, dass es bei der Entwicklung eines Vereins um Nachhaltigkeit und Perspektive geht. Da müssen wir uns einerseits eingestehen, dass es nach zwei Jahren, in denen auch wir oft unzufrieden waren, keinesfalls den ganz großen Einbruch gab.

Objektiv betrachtet, hat Borussia unter ihm eine konstante und positive Entwicklung genommen.

In der aktuellen Situation ist es absolut im Bereich des Möglichen, dass wir am Ende der Saison im Europapokal landen. Sollte das misslingen, bräche der Verein dennoch nicht zusammen. Das ist auch ein Verdienst Eberls. Er hätte sich von den Champions League Millionen, den glanzvollen Abenden und der Euphorie um Borussia berauschen lassen können. Er hätte die eine oder andere Millionen zu viel ausgeben können. Herausgekommen wäre möglicherweise ein Kader, mit dem wir ein weiteres Mal in den europäischen Plätzen gelandet wären.

Aber Fußball ist eben bei aller Professionalisierung glücklicherweise noch immer nicht zu 100 Prozent planbar. Wenn es am Ende dann trotz des finanziellen Risikos nicht gereicht hätte,wäre Borussia in eine finanzielle Schieflage geraten, die den Verein um Jahre hätte zurückwerfen können. Möglicherweise wäre es gar nochmal in Liga zwei gegangen. Schaut doch mal nach Stuttgart oder Bremen. Auch sein Festhalten an Dieter Hecking könnte sich auszahlen: Während andere Bundesligisten in der Vor-Saison erfolgreiche Trainer schnell entlassen, versucht Max Eberl auf der so wichtigen Trainerposition Konstanz reinzubringen und nicht einfach nur populäre Entscheidungen zu treffen. Wir sind gespannt, ob sich dieses Vertrauen an Hecking auszahlt!

Eberls Schaffen ist einmalig

Eberl kennt diese Beispiele von anderen Vereinen, weil er das Geschäft kennt. Er hat seinen Beruf damals zwar relativ überraschen antreten dürfen, er war durch die Jahre als Jugendkoordinator allerdings bereits gut vorbereitet und vernetzt. Borussia und die Stadt Mönchengladbach kannte er ohnehin.

Was Max Eberl als eine der treibenden Kräfte hier geschafft hat, ist einmalig.

Als Max Eberl als Spieler an den Niederrhein kam, sah es finanziell und sportlich – gelinde gesagt – mau aus im Verein. Was Max Eberl als eine der treibenden Kräfte hier geschafft hat, ist einmalig. Dass sich Spitzenvereine wie Schalke oder Bayern die Finger nach Max lecken, das haben alle mitbekommen. Doch er ist geblieben. Das sagt eine Menge aus über den Mann, der aktuell zu den profiliertesten Managern im deutschen Fußball gehört.

Max Eberl ist auf dem besten Weg zur Vereinslegende. Es wird immer wieder Kritik an ihm geben. Jemand, der sich dermaßen aufreibt, keinen Konflikt scheut und sich immer vor seine Spieler stellt, hat es nicht immer leicht. Am langen Ende – wie Eberl selbst sagen würde – bringt solche Aufopferung aber Erfolg. Und am langen Ende ist aus dem Jungen aus Bayern ein Mann aus Mönchengladbach geworden. Danke, Max! Für immer Borussia?

Foto zu diesem Beitrag: Tim Siebmanns.

2 Gedanken zu „10 Jahre Max Eberl – Für immer Borussia?

  • 19. Oktober 2018 um 13:52
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    Gut geschrieben !

    Max Eberl = Bester Mann !!

    Antwort
  • 21. Oktober 2018 um 12:15
    Permalink

    Im Wesentlichen kann ich der Meinung klar zustimmen. In den letzten 2 Jahren unter Schubert und Hecking gab es aber sicherlich keinen kontinuierlichen Fortschritt mehr. Die Plätze 9 waren – bei aller Sympathie für Eberl – mit dem jeweils zur Verfügung stehenden Kader ein Rückschritt. Das hat Eberl offensichtlich auch so gesehen und aktuell glaubt man,, dass an den richtigen Stellschrauben gedreht wurde. Und so erarbeitet man sich auch wieder Spielglück. Denn die 14 Punkte sind ja nicht mit Überlegenheit zu Stande gekommen.
    All das muss man sich weiterhin erarbeiten und da ist Eberl sicher alternativlos.
    Ob es funktionieren wird? Die erste Antwort gibt es gleich gegen Mainz. Ich muss losfahren.

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