Alles für die Vermarktung?!

Heute Abend treten wir zum Auftakt des 19. Bundesliga-Spieltages beim FSV Mainz 05 an. Freitagabend, 20:30 Uhr. Es ist der Beginn zu fast schon beispiellosen Spielansetzungen in der Rückrunde. Es sind Terminierungen, die uns etwas fragend in die Runde schauen lassen: Wo sind noch Grenzen gesetzt? Unser Vorbericht für den ersten Gastauftritt in 2016.

Wenn gegen halb neun Schiedsrichter Benjamin Brand in seine Trillerpfeife pustet und der schrille Ton die Partie zwischen dem Achten und dem Vierten der Fußball-Bundesliga eröffnet, sind wieder über 30.000 Zuschauer vor Ort. Beide Fanlager werden aller Voraussicht nach wieder das auf den Rängen abbrennen, was die Bundesliga über die Landesgrenzen hinaus einzigartig macht: Aktive Fanszenen, organisierter Support, überdurchschnittlich ausgelastete Fußballstadien. Doch all jenes scheint der DFL nicht genug zu sein. Oder warum sollte der Verband allen Ernstes intensiv darüber nachdenken die Ansetzungen von Bundesliga-Partien weiter über das Wochenende zu strecken? Von Boxing-Day à la Premier League am zweiten Weihnachtstag bis zu regelmäßigen Partien am Montagabend scheint alles möglich.

Den absoluten Vogel schoss die Deutsche Fußball Liga schon mit der Ansetzung der Partien am 23. Spieltag dieser Saison ab. Dank insgesamt vier Mannschaften in der Europa League, kommt die Bundesliga in den Genuss von 4 (in Worten: VIER) Partien an einem Sonntag. Zu unserer Erheiterung dürfen wir dann glatt auch noch in die Fuggerstadt nach Augsburg reisen. Ein Spiel, das selbst an einem Samstagnachmittag eines der tristesten der Saison ist und bleibt. Übrigens wird der Spieltag abgerundet von der Begegnung zwischen der Frankfurter Eintracht und Schalke 04 – Anpfiff hier: 19:30 Uhr. Da muss der Tatort wohl auf einige Zuseher verzichten.

Grenzen der Vermarktung noch nicht erreicht

Wir stellen uns an dieser Stelle wieder einmal die Frage, wo führt das noch alles hin? Es scheinen keine Grenzen in der Vermarktungsmaschinerie „Fußball-Bundesliga“ gesetzt zu sein. Wir zitieren gerne noch einmal aus unserem Interview mit Lars Stindl, der medienwirksam erklärte: „Fußball ist für mich Samstag, 15:30 Uhr“. Eine schöne Aussage, die vielleicht bald überholt sein könnte. Dann gibt es nur noch für die letzten Exoten den Thrill am Samstagnachmittag. Die Bundesliga kann dann vielleicht Sonntagsfrüh zur besten Doppelpass-Zeit live ins asiatische TV übertragen werden – für das geeignete Fernseh-Geld eben. Und der amerikanische Raum wird eventuell noch mit einem von ESPN gesponserten „Sunday Night Soccer Game“ versorgt. Ach, wie gerne erinnern wir uns dann doch an die alten Zeiten von ran mit Lou Richter und Werner Hansch oder an die WDR2-Schlusskonferenz mit Manfred Breuckmann zurück. Damals, als meist sieben der neun Partien definitiv zur Prime Time der Fußballseele, um 15:30 Uhr, begannen…

Doch bei allem Sarkasmus sei an dieser Stelle die Ernsthaftigkeit der Diskussion unterstrichen. Natürlich schimpfen wir gerne über die DFL und es fällt uns bei einigen wenigen populären Themen auch sehr einfach, auf ein Boot der Kritik aufzuspringen. Gerne ist dabei das Thema der Fußballkulturen ein geeignetes. Aber Kultur hin oder her, man muss sich das in der Realität mal betrachten: wenn die Partie in Augsburg im Februar zu Ende ist, ist es bestenfalls 17:20 Uhr. Dann noch mit dem Zug nach Hause? Kann man vergessen, es ist Sonntag. Mit dem Bus? Nur, wenn ausreichend Plätze frei sind und man Bock auf ein solches 8-Stunden-Erlebnis hat. Mit dem Privat-PKW? Bis man an der eigenen Karre in Augsburg ist und auf die Autobahn auffährt, schreiben wir locker mal achtzehn Uhr.

Bei einer Fahrzeit von mehr als fünfeinhalb Stunden, kann sich jeder ausrechnen, wann der normale Fan Sonntagnacht im schönen Gladbach ankommt. Es kann nicht wirklich die Idee der DFL sein, mitten in der Nacht tausende Anhänger über die Autobahnen des Landes reisen zu sehen. All dies bietet in unseren Augen auch Sicherheitsrisiken – wie oft hören wir von Verkehrsunfällen im Rahmen von nächtlichen Heimfahrten nach Auswärtsspielen. Ausgerechnet im Hinspiel gegen Augsburg musste unser Gegner dies tragisch erleben. Es wird dabei seitens des Verbandes einfach nicht mit offenen Augen hingeschaut. Die Anliegen der Fans werden bei den Ansetzungen wohl kaum berücksichtigt. Da ist anscheinend der Knochen der Europa-League geschundenen Profis auf dem Rasen wichtiger als die Gesundheit der bundesweiten Fangruppen.

Richtungsweisende Partie für beide Truppen

Doch nun genug mit dem Geschimpfe und kommen wir zurück zum heutigen Spiel. Aus sportlicher Sicht treffen in der Coface-Arena im Mainzer Westen zwei Truppen aufeinander, die zum Rückrunden-Auftakt gepatzt haben. Mainz verlor – fast schon standesgemäß – mit 0:1 gegen die Minimalisten aus Ingolstadt. Und unsereins…ach lassen wir das. Jedenfalls ist es für beide eine gute Möglichkeit mit einem ersten Dreier im neuen Jahr die Wörter „Krise“ oder „Niederlagenserie“ gar nicht erst in die Gazetten des Landes zu locken.

Es wird interessant zu sehen sein, wie die Mannen von Andre Schubert gegen die gut sortierte und disziplinierte Mainzer Mannschaft agieren werden. Bleibt es beim Hau-Ruck Fußball der letzten Wochen? Dann, so fürchten wir, könnte es durchaus wieder einmal ein Spiel auf des Messers Schneide sein – und für den neutralen Zuschauer eine Partie zum Schwärmen. Wichtig sind heute in erster Linie die Punkte und überdies wäre ein Spiel mit einer sicheren Defensive einfach auch mal befreiend. Für unsere Nerven genauso wie die der Spieler. Machen wir es daher den 11 Freunden auf dem Platz so einfach wie möglich und schreien sie gemeinsam nach vorne. Für den Auswärtserfolg. Für den VFL. Und für ein gutes Gefühl auf dem „Nach-Hause-Weg“.

Es gibt aber einfach auch Wichtigeres als den runden Ball

Bei aller sportlichen Rivalität und bei aller Diskussion um Spielansetzungen, erreichte uns Anfang der Woche eine tragische Nachricht, die wir hier nicht unerwähnt lassen möchten. Etwas, dass auch uns in Gladbach wieder einmal fassungslos machte. Ein aktiver Ultrà der Szene Mainz verstarb am Samstag im Alter von 23 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Kein Alter, um den Planeten zu verlassen. Kein Alter, um zu versterben – schon gar nicht auf solch tragische Weise. Unsere, wie auch die Gedanken der gesamten Stadionbesucher, werden zu Spielbeginn bei Lukas sein.

Es zeigt sich wieder einmal, dass Fußball nicht alles ist…

Bild zum Beitrag: Nordkurvenfotos.de

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