Appell an die Intelligenz

Vor der Winterpause geht es für Borussia gegen den VfL Wolfsburg um mehr als drei Punkte. Die Fohlenelf muss gewinnen – sonst droht Platz 15. Warum jetzt vor allem die Nordkurve gefragt ist und was unser Ex-Trainer damit zu tun hat.

Es war Lucien Favre, der zu seiner Zeit als zwar eigenwilliger, aber erfolgreicher Coach in Bezug auf die Heimspiele im Borussia-Park zwei mittlerweile sehr populäre Sätze prägte: „Das Publikum ist sehr intelligent. Unsere Fans kennen Fußball.“ Der Schweizer bescheinigte dem Gladbacher Anhang mit diesen Worten ein besonderes Fingerspitzengefühl für im Fußball oft so komplizierte wie entscheidende Situationen und Fragen. Etwa wann muss und wann darf eine Mannschaft angefeuert, ein Spieler beklatscht oder das gesamte Team ausgepfiffen werden?

Von dieser Intelligenz – diese steile These stellen wir jetzt einfach mal ganz frech auf – schlummert auch heute noch eine Menge auf den Rängen im Borussia-Park. Sicher, Ausnahmen bestätigen die Regel: Wir denken da etwa an die spielelangen Pfiffe gegen Oscar Wendt vor einigen Jahren. Oder an die mit Buhrufen quittierten Auswechslungen von André Schubert gegen Hoffenheim. Wir denken aber auch an die aktuelle Stimmungslage rund um Borussia. Für nahezu alle Fans scheint klar: Es muss sich etwas ändern! Auch das macht Fußball-Intelligenz und das eben beschriebene Fingerspitzengefühl aus.

BORUSSIA DARF AUF KEINEN FALL VERLIEREN

Gegen Wolfsburg ist dieses allerdings auf andere Art gefordert. Das Spiel am Dienstagabend zählt in der aktuellen Situation wohl zur Marke „besonders wichtig“. Borussia, selbst in der Tabelle auf Rang 13, trifft auf einen direkten Konkurrenten. Wolfsburg steht auf Platz 15, nur drei Punkte hinter der Fohlenelf. Diese Gemengelage spricht eine eindeutige Sprache: Unsere Elf vom Niederrhein darf dieses Spiel unter keinen Umständen verlieren, will sie nicht vor Weihnachten oberschenkeltief in den Abstiegssumpf hineinrutschen.

An dieser Stelle kommt nun das Publikum ins Spiel. Natürlich ist jeder Fan momentan besonders frustriert. Nur ein (zugegebenermaßen überglücklicher) Sieg in den vergangenen zehn Bundesliga-Partien, kein Auswärts-Erfolg in dieser Saison. Dazu das katastrophale Spiel am Wochenende in Augsburg. Auch wir haben die Rückfahrt am Samstag nur mit besonders viel Alkohol ertragen. Wir verstehen jeden Fan, der es der Truppe auf dem Platz jetzt gerne mal so richtig zeigen will. Der seiner Wut einfach mal freien Lauf lassen will. Doch bringt das in der momentanen Situation und in so einem Spiel wirklich irgendetwas? Klare Antwort: Nein!

Wir werden die Saison mit einem Großteil dieser Spieler zu Ende spielen – damit gilt es sich zu arrangieren und das Beste draus zu machen. Alles andere wäre doch auch irgendwie eine verlogene Doppelmoral. Nach Dortmund lassen wir uns noch von den Medien für den „Schulterschluss“ feiern, jetzt scheißen wir drauf.

Zum aktiven Fansein von Borussia Mönchengladbach gehören Frust und Wut leider dazu wie unzählbare Meisterschaften zum Fansein vom FC Bayern. Es bleibt keine Phrase, sondern ist die Wahrheit: Wir haben schon wesentlich schlimmere Phasen erlebt. Über Jahre Klassenerhalt, keinen schönen Fußball, Chaos pur im Verein. Klar, in den vergangenen Jahren haben wir nun unseren persönlichen internationalen Traum gelebt. Auch wir würden am liebsten nur noch europäisch spielen. Dass das aber nicht geht, war wohl jedem klar. Nun geht es halt mal wieder um den Klassenerhalt. Und genauso sollten wir Fans auch auftreten.

Es macht keinen Sinn den Trainer oder die Spieler während der Partie auszupfeifen. Unser Vorsänger René hat es in Dortmund nach dem Spiel eindeutig gesagt: Wir werden die Saison mit einem Großteil dieser Spieler zu Ende spielen – damit gilt es sich zu arrangieren und das Beste draus zu machen. Alles andere wäre doch auch irgendwie eine verlogene Doppelmoral. Nach Dortmund lassen wir uns noch von den Medien für den „Schulterschluss“ feiern, jetzt scheißen wir drauf. Wer jetzt schon schnappatmig auf die Trainer-Position verweist: Hier sieht die Sache sicher anders aus – das bleibt aber Angelegenheit der sportlichen Leitung. Nach unseren Informationen sieht es auch so aus, als würde sich nach Wolfsburg etwas tun. Dennoch: Es obliegt nicht uns Fans bei einem so wichtigen Heimspiel den Richter zu geben.

GRABENKÄMPFE BRINGEN NICHTS!

Lasst uns daher weitsichtiger reagieren; oder intelligenter, wie es Lucien Favre nennen würde. Lasst uns voll hinter unserem geliebten Verein stehen. Und lasst uns der sicherlich angeschlagenen Mannschaft trotz aller Enttäuschung über die schwachen Auftritte zuletzt ein bisschen helfen, endlich wieder zu punkten. Den Jungs auf dem Platz legen wir im Gegenzug schwerstens an Herz, ebenfalls alles für unsere Borussia zu geben! Fahrt den Karren vor der Pause nicht vollends gegen die Wand!

An alle, die Borussia lieben – scheiß egal ob in der Nordkurve oder auf einer der Tribünen: Grabenkämpfe bringen uns eher dem Tabellenende näher als irgendwelchen Verbesserungen. Die Medien haben die große Krise bereits heraufbeschworen, der Boulevard feuert bereits eine Breitseite nach der nächsten heraus. Lasst uns vor der Winterpause noch einmal zeigen, dass wir Fans uns vor keinen Karren spannen lassen. Noch einmal 90 Minuten alles geben. Danach kann dann von uns an der Weihnachtstafel mit Freunden und Familie analysiert und gemeckert werden.

WIR SIND BORUSSIA! UND WIR WERDEN ES IMMER BLEIBEN! AUF GEHT’S, NORDKURVE!

Foto zu diesem Beitrag: Nordkurvenfotos.

15 Gedanken zu „Appell an die Intelligenz

  • 20. Dezember 2016 um 8:08
    Permalink

    Sehr gut geschrieben. Es bringt niemanden weiter wenn eine von den ständigen Umstellungen eh schon mehr als verunsicherte Mannschaft heute Abend ausgepfiffen und noch mehr verunsichert wird. Was heute zählt ist nur ein Sieg und sei es ein dreckiger, mit zehn gelben Karten erkämpften Sieg. Alles andere denke ich wird die Führungsetage in den nächsten Tagen klären. Es sitzen ja genügend Herren dort die sehr viel Ahnung von der Materie besitzen und die die Borussia dich viele gute Entscheidungen wieder nach Europa geführt haben. Da heißt es jetzt den Leuten zu vertrauen und abzuwarten. Ich bin davon überzeugt das sich etwas ändern wird denn so kann und wird es nicht weitergehen!

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 10:23
    Permalink

    Sehr gut und intelligent geschrieben.Heute nochmals alles für die Mannschaft geben.

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 10:29
    Permalink

    Lass unsere Mannschaft frei auflaufen ohne Pfiffe und Angst. Wir sind Fohlen und brauchen unsere drang nach vorne. Hört auf alles und jeden in der Defensive zu stellen das passt nicht zu uns. Wenn unsere Mannschaft frei spielen kann werden wir heute noch ein beschenkt. Wir haben gute Spieler aber mit Blei in der Knochen klappt das nicht. Die sollen raus kommen mit Herz und genau so spielen. Dann haben wir ein Party auf den Rängen. Die miese Stimmung darf wirklich daheim bleiben.

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 10:58
    Permalink

    Oh Mann. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Natürlich wäre es ganz wichtig, heute Abend drei Punkte einzufahren. Aber so einfach wird das nicht und realistisch ist das leider aktuell auch nicht. Gedanklich sollte man sich zumindest auch mal auf eine Niederlage einstellen. Das erspart einem den Frust vor Ort und damit auch das Pfeifen. Aber, wer weiß. Vielleicht kommen die Abgasschummler aus Wolfsburg gerade zur rechten Zeit. Und wir hauen sie weg. Na ja. Ein kleines mieses Törchen mehr würde mir schon reichen. Hauptsache, es gibt keine weiteren Verletzungen. Also Daumen drücken und Hoffen. Und dann abwarten, was die Clubweisen in der Winterpause entscheiden.

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 13:20
    Permalink

    Eberl weiß, dass Schubert weg muss. Auch ohne Schubert raus rufe. Also heute nochmal anfeuern, aber die Mannschaft muss auch willen zeigen, bis zum Schluss… Das muss sie sich auch ohne Schubert. Das wollen wir heute Abend sehen. Einer für alle, alle für einen.

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 13:33
    Permalink

    Sollte es zum Trainerwechsel kommen, was ich persönlich allerdings nicht gutheißen werde, dann bloß nicht den selbstverliebten Hecking.
    Wenn dann wäre für mich Breitenreiter der geeignete Mann. Er hat in Paderborn und auf Schalke meines Erachtens gute Arbeit abgeliefert.
    Für heute gilt, im Stadion oder TV anfeuern und Daumen drücken

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 14:58
    Permalink

    Egal, wie es heute ausgeht. Der Trainer hängt nicht an einem Sieg oder einer Niederlage. Und wird nicht gehandelt im Winter, stellen sich ganz andere Fragen. Wir verdanken Eberl viel, aber …

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 22:15
    Permalink

    Hallo, Niederlage ?
    Diese Mannschaft ist so was von Tot. Das ist Schuberts Werk !
    Da können sich die Fans die Lunge aus der Seele schreiben. Sie können es momentan nicht besser.
    Hoffentlich geht ME bei der kommenden Trainersuche mit mehr Verstand vor.
    Bleibe auch nach 49 Jahren weiterhin Borusse. Da gab es schon schlimmeres. Frohes Fest und alles gute für 2017 !!

    Antwort
  • 20. Dezember 2016 um 23:06
    Permalink

    Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Keine Chance gegen souveräne Wolfsburger, die bis dato in der Tabelle schlechter standen. Und dennoch so cool auswärts auftreten. Hut ab.
    Schubert ist Mittwoch Geschichte. Garantiert!!

    Aber, ich sage nur Strobl, Wendt, Elvedi. Und Hahn. Heute Abend ‚ mal kurz nach Frankfurt geschaut? „Vergesst mir den Hrgota nicht “ gesehen? Der durfte gehen und Hahn bleiben. Wer entscheidet eigentlich so etwas?

    Egal, wie der nächste Trainer heißen wird. Wir haben heute Abend nicht nur Schubert das letzte mal als Trainer der Borussia gesehen, sondern auch Strobl, Wendt und Elvedi das allerletzte Mal in der Startelf. Wetten werden gerne angenommen.

    Antwort
  • 21. Dezember 2016 um 6:13
    Permalink

    Ich glaube, jetzt haben es sogar die ganz Dummen begriffen, was ich seit Woche predige: Schubert ist der Untergang für jeden Spieler und die Borussia.
    Vielen Dank an diejenigen, die trotz offensichtlicher und nachgewissener Unfähigkeit von Andre Schubert, sich für dessen Verbleib ausgesprochen haben.
    Der Absturz ist auch ein Werk der Schubert-Jünger.
    Gladbach steht derzeit mit anderthalb Beinen in der Zweiten Liga. Eberl muss Spieler und Trainer holen, die den Karren aus dem Dreck ziehen.

    Antwort
  • 21. Dezember 2016 um 7:56
    Permalink

    Die Überschrift ist gut!!!!
    Hier erinnert viel an Schalke und Jens Keller! Am besten jetzt noch Breitenreiter holen. Der kann Abstieg! Denn mehr ist bei der Mannschaft nicht drin. Das hat Favre Anfang der letzten Saison schon früh erkannt. Der ist ja intelligent. Dann wurde die Qualität nochmal runtergeschraubt in dieser Saison , die Ansprüche gleichzeitig hochgeschraubt, der Kontostand auch.
    Und jetzt wundert man sich. Spricht alles für einen intelligenten Verein, mit intelligenten Fans und intelligenter Führung… Fehlt nur noch der intelligente Trainer, der das nicht erkennt: Breitenreiter, Hecking würden passen.

    Antwort
    • 21. Dezember 2016 um 9:52
      Permalink

      Der Post ist ja wohl völlig für die Tonne.
      Der geht ja völlig an der Realität vorbei.

      Antwort
  • 21. Dezember 2016 um 9:56
    Permalink

    Das sind alles 0815 Trainer. Was wir jetzt brauchen ist ein Favre 2.0

    Antwort
  • 21. Dezember 2016 um 10:28
    Permalink

    Das mit dem neuen Trainer wird schwer. Sehr schwer.
    Schwer wird es, weil ein richtig guter Trainer her muss.
    Mit gut meine ich, der Trainer muss erkennen, welches Material habe ich
    und wie muss ich trainieren und aufstellen das Borussia nicht absteigt.
    Der Trainer muss erkennen, wen er als Kapitän aufstellt:
    Stindl, Jantschke und Wendt sind ja richtige Griffe ins Klo.
    Wenn ich einen Weltmeister im Team habe, dann muss derjenige Kapitän werden und die Verantwortung tragen. Dann wird Kramer auch wieder leistungsmäßig explodieren.
    Der Trainer muss erkennen, wenn ein Spiel nicht läuft, welche Wechsel im System oder bei den Spielern notwendig sind.
    Der Trainer muss auch erkennen, ob der Stab um die Mannschaft herum
    Bundesliganiveau besitzt. Auch hier gab es vor der Saison Veränderungen,
    ich denke, auch hier und da war ein Griff in die Tonne dabei.
    Der Trainer muss eine klare Aussendarstellung haben und den Medien gegenüber klare Antworten geben und auch mal auf den Tisch hauen. Ich persönliche habe die Schnauze von den Ausredeninterviews des glatzköpfigen Stümpers gerammelt voll.
    Nun, Herr Eberl machen sie mal.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.