Borussia gegen Inter Mailand: Wie geil wär’s gewesen?!

Es hätte alles so schön sein können: Heute Abend tritt Borussia zum ersten Mal seit 1415 Tagen wieder in der Champions League an. Es ist der Auftakt in eine Hammergruppe mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtar Donezk. Borussia Mönchengladbach gegen Inter Mailand im Giuseppe-Meazza- Stadion. Das klingt nach Fantraum. Doch uns blutet das Herz! 

Dieser Text ist ein Schwelgen in Erinnerungen und schönen Gedanken – und ja, er beinhaltet leider ziemlich viel Konjunktiv. Weil unser Klub heute sein Comeback auf der größten aller europäischen Bühnen feiert. Weil sich unsere Borussia mit den Größen des Weltfußballs messen darf. Und weil wir Fans – und das ist das Schlimmste – von all dem hautnah nichts mitbekommen.

Wie geil wären diese Tage nur gewesen? Schon vor Wochen hätten wir zur Auslosung am frühen Donnerstagabend den beruflichen Griffel fallen lassen. Wir hätten uns voll auf die verschiedenen WhatsApp-Gruppen konzentriert, hätten in riesiger Vorfreude schon mittags nur Augen für Computer-Tabs wie „Skyscanner.de“, „Swoodo.com“, „Booking.com“ oder natürlich „airbnb.de“ gehabt. Diese Seiten, die irgendwie so öde und langweilig wie Borussias Startaufstellung Anfang der 2000er klingen, wären für uns an diesem Tag die Welt gewesen. 

Dolce Vita in Milano

Wir wären dem Buchungswahn verfallen, hätten wieder die irrsten Anreise-Routen gewählt. Über den Flughafen in Bergamo mit dem Zug weiter nach Mailand – so wie damals nach Rom. Oder mit dem Flieger nach Barcelona, um dann die 600 Kilometer nach Madrid mit dem Mietwagen rüber zu heizen. Was sind schon sechs Stündchen Fahrt? Und Donezk… tja, wie reist man denn am besten in die Ukraine? Da hätten wir auch eine kreative Lösung gefunden.

Wie geil wären aber auch die Tage jetzt gewesen? Vermutlich wären wir gestern schon in Mailand aufgeschlagen. Wir hätten uns die ersten Birras einverleibt, eine schöne Trattoria aufgetan und dort bei Vino und Pasta das Dolce Vita gefeiert. Wir hätten übers Leben philosophiert, eine Menge Mist geredet und einfach eine gute, unbeschwerte Zeit mit guten Leuten gehabt. 

Viel Historie, viel Emotion

Und dann hätte heute alles im Zeichen des Spieltages gestanden: Die Mode-Metropole Mailand, das altehrwürdige Giuseppe-Meazza-Stadion, die große Champions-League-Bühne, dazu der Welt-Verein Inter Mailand mit all seiner Tradition und aller Historie in den Duellen gegen unsere Borussia. Bis heute hegen ältere Gladbach-Fans noch eine tiefe Abneigung – und selbst wir Jüngere kennen natürlich die Geschichte vom Büchsenwurf und alle Folgen, die unser Klub damals über sich ergehen lassen musste. 

Heute wäre das aber nur eine Nebengeschichte gewesen. Denn um kurz vor 21 Uhr hätten wir im Block gestanden und die Champions-League-Hymne nach fast vier Jahren endlich wieder live gehört. Auch wenn wir in den letzten Jahren im Bezug auf Fußballromantik weiter abgestumpft sind, hätte uns das vermutlich ein Tränchen in die Augen getrieben. Wir hätten unsere Freunde in den Arm genommen und diesem Moment einfach nur genossen.

Anschließend hätten wir dann unsere Truppe nach vorne geschrien, um irgendwie zu versuchen als “kleines gallisches Dorf” drei oder zur Not auch nur einen Punkt aus Mailand zu entführen. Und dann? Dann hätten wir mit ziemlicher Sicherheit die Nacht zum Tag gemacht! Wobei europapokalerfahrene Allesfahrer wissen, dass das am Spieltag organisatorisch und auch körperlich meist eine Herkulesaufgabe ist. Geklappt hat es in Turin, Glasgow, Barcelona oder sonst wo trotzdem meist immer irgendwie! 

Es fühlt sich falsch an!

Morgen, am Tag nach dem großen Spiel, hätten wir uns dann mit einem anständigen Kater auf die Rückreise begeben. Vermutlich wäre mal wieder irgendjemand aus unserer Gruppe Gefahr gelaufen aufgrund von Folgeschäden des Vorabends auf der Strecke zu bleiben. Den einen Kandidaten gibt’s ja in fast jedem Fußball-Freundeskreis. Wir hätten ihn aber mit durchgeschleppt und uns spätestens am Flughafen anständig in Richtung Wochenende gekontert. Bringt ja alles nichts! 

Dass alles Beschriebene in dieser Champions League Saison wegfällt, ist ehrlicherweise nur sehr schwer in Worte zu fassen und tut uns unfassbar leid. Wie gerne hätten wir die schönsten Vereinsfarben der Welt in Europa vertreten, wie gerne hätten wir unsere Borussia auf europäischem Parkett begleitet, wie gern hätten wir Städte in schwarz-weiß-grün getaucht?! Die Corona-Pandemie macht uns leider einen Strich durch die Rechnung. Wir verstehen alle Restriktionen – und doch tun sie uns speziell heute einfach weh.  

Und so werden wir heute Abend vermutlich vor dem Fernseher sitzen, das Stadion sehen, die Hymne hören und mit der Mannschaft mitfiebern. Doch das alles wird sich falsch und komisch anfühlen. Richtig wäre es nur vor Ort, richtig wäre es nur mit unseren Freunden in Mailand.

Wie geil wär`s gewesen?

Foto zu diesem Beitrag: Marco Luzzanni / Getty Images

3 Gedanken zu „Borussia gegen Inter Mailand: Wie geil wär’s gewesen?!

  • 21. Oktober 2020 um 15:16
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    Sensationell geschrieben. Und genau richtig. Es blutet das schwarz weiß grüne Herz und doch haben wir leider die Erkenntnis dass es richtig ist, keine Fans ins Stadion zu lassen.

    Antwort
  • 22. Oktober 2020 um 5:45
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    Wäre, wäre Heckenschere….
    Ziemlich viel Konjunktiv obwohl unsere Borussia gestern doch tatsächlich einen Punkt bei Inter geholt hat.
    Freut euch doch auch mal über “kleine” Sachen – dann sieht die Welt schon viel bunter aus 😉
    Wie hat Mutter schon früher gesungen: “Heile heile Gänschen, es wid schon wieder gut…..”

    Antwort
    • 22. Oktober 2020 um 8:42
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      Hallo Scott! Leider wurde der Text vor dem Spiel geschrieben. Zum Freuen war es da doch etwas zu früh 😉 Heute sind wir ganz schön stolz auf den Auftritt und freuen uns natürlich… LG, die vier MitGedacht.’ler

      Antwort

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