Borussia und das Taschenverbot

Keine Taschen mehr, auch Motorradhelme müssen draußen bleiben! Borussia überraschte Mitte der Woche mit einer neuen Regelung, die auf einen Vorschlag des Innenministers zurückgeht. Aus unserer Sicht der falsche Weg – aus mehreren Gründen.

Die „Sportbild“ machte vor Jahren einen ungewöhnlichen Test. Die Hamburger Redaktion schickte Reporter in alle Bundesliga-Stadien. Das klingt erst einmal nicht ungewöhnlich. Die Besonderheit aber: Die Reporter hatten eine Bomben-Attrappe dabei und versuchten diese möglichst unbeobachtet auf die Haupttribüne zu schmuggeln. Das genaue Ergebnis ist vollkommen irrelevant. Unsere Borussia schnitt bei diesem Test jedenfalls nicht sonderlich gut ab. Und das wundert nicht!

Der Autor dieses Textes musste in den vergangenen Jahren häufig an den Test in der unliebsamen Sportzeitschrift zurückdenken. Borussias Sicherheitskontrollen an den meisten Eingängen sind eklatant schlecht! Gerne findet eine Glasflasche den Weg in die Nordkurve, Rucksäcke werden teilweise mit einem routinierten Augenzwinkern abgenickt und das Abtasten besteht nicht selten aus einem freundschaftlichen Klaps auf den Bauch. Eine Ausnahme stellt nur der Gästeblock dar. Wobei die Maßnahmen hier aus bekannten Gründen auch nicht die effektivsten zu sein scheinen.

Umso überraschender kommt es, dass der Verein plötzlich dem Ruf des Innenministers folgt und ab dem Heimspiel gegen Leverkusen ein generelles Taschenverbot im Borussia-Park ausspricht! Es ist die harte Linie in der Terror-Bekämpfung, die neben Borussia übrigens auch andere Vereine wie der FC Bayern München fahren. Bei Borussia überrascht das aber, kommt die Linie doch von einem Klub, der bisher in den offensichtlichen Kontrollen (siehe oben) eben eher wenig getan hat.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Verdeckt leistet Borussia eine, so hört man aus Mönchengladbacher und Düsseldorfer Sicherheitskreisen, ordentliche Sicherheits-Arbeit. Es gibt eine Vielzahl verdeckter Ermittlungen, das Stadionumfeld wird systematisch überwacht. Dennoch würde der „Sportbild“-Test heute, da sind wir uns sicher, zum gleichen Ergebnis kommen. Und daher überrascht das plötzliche Taschen-, Motorradhelm- und Fahrradhelm-Verbot doch sehr. Übrigens nicht nur aus sicherheitstechnischen Gründen.

Denn Borussia stößt damit auch einer Reihe eigener Fans vor den Kopf. Der Verein betont immer wieder wie vielschichtig seine Fanszene ist. Nicht wenige nehmen am Wochenende knapp 200 Auto- oder Buskilometer in Kauf, nur um ihren Verein in Mönchengladbach spielen zu sehen. Die Altersspanne dieser Fans ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Es kommt der Selbstständige, der nach dem Spiel wieder mit dem eigenen Auto abhaut. Aber auch der Wochenend-Gladbacher, der in der Altstadt oder bei Freunden pennt. Oder der Student, der die Stadion-Gänge mit regelmäßigen Familien-Besuchen in der Heimat verbindet.

Besonders Fans der letzten beiden Gruppen kommen nicht selten mit einer Tasche zum Stadion. Sie sind darauf angewiesen. Wo sollen sie nun damit hin? Der eine oder andere mag jetzt sagen: Na klar, zum Hauptbahnhof! Problem: In Mönchengladbach gibt es gefühlte zehn Schließfächer. Keine Option! Auch im Fanhaus können unseres Wissens nach keine Taschen abgegeben werden. Vielleicht eine Option für die Zukunft?

Alternativ könnte man Sicherheitschecks wie am Flughafen durchführen – wie es in US-amerikanischen Sport-Arenen (Basketball, Eishockey, Baseball) übrigens schon praktiziert wird. Eventuell klingt das auf den ersten Blick kompliziert und übertrieben. Aber ehrlich: Die paar Tausend Euro für ein (!) Gerät zum Checken von Taschen sollten für einen Klub mit Rekordumsatz und frisch generierten Champions-League-Millionen aber doch kein Problem sein, oder? Nur um den Fans zu zeigen: „Hey Jungs, hey Mädels – wir denken an Euch!“

Eventuell arbeitet Borussia auch schon an einer Alternativlösung. Wobei die Ankündigung vom Mittwochmittag leider relativ eindeutig klingt: „Rucksäcke, Taschen oder Koffer, die größer als das DIN A4-Format sind, können nicht mehr mit ins Stadion gebracht werden. Die Gegenstände können auch nicht mehr (…) abgegeben und aufbewahrt werden.“

Wir sind gespannt, ob das letzte Wort ist. Und hoffen inständig, dass Borussia die am Mittwoch erklärte Konsequenz überdenkt und Fans andere Möglichkeiten bietet, ihre Taschen rund um das Stadion loszuwerden. Denn damit sollte man vielleicht anfangen, bevor man fragwürdige Verbote ausspricht. Seit zwei Jahren besteht in Deutschland eine „latente Terrorgefahr“. Die Taschen im Stadion waren aber nie ein Problem.

Über Sinn und Unsinn von Kontrollen und Taschenverbot lässt sich natürlich trefflich streiten. Die einen glauben, immer stärkere Kontrollen würden nicht zu erhöhter Sicherheit führen, sondern seien purer Aktionismus in angespannten Zeiten. Andere wiederum meinen, es wäre genau jetzt wegen der Vielzahl der Besucher in einem Stadion wichtig, die Gefahr durch Kontrollen zu vermindern. Einen Zweck erfüllen die Kontrollen aber unbestritten: Sie erzeugen ein Gefühl der Sicherheit und zeigen, dass der Verein etwas tut. Die Frage ob dann aber Gegenstände komplett verboten werden müssen, steht sicher auf einem anderen Blatt.

Borussia und das Taschenverbot. Irgendwie passt das nur bedingt zusammen!

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