CL-Serie Teil 3: Celtic Glasgow

Im letzten Teil unserer Gegnerbetrachtung widmen wir uns dem schottischen Meister. Celtic Glasgow, einer der traditionsreichsten Clubs in Europa. MitGedacht. über die Stadt, eines der härtesten Derbys der Welt, völlig verrückte Anhänger und Logan Bailly.

DIE STADT

600.000 Einwohner! Glasgow ist die größte Stadt Schottlands. Die am Fluss Clyde gelegene Metropole blickt auf eine bewegte Stadtgeschichte zurück: mit dem Niedergang der Schwerindustrie sank die Einwohnerzahl enorm. Geld wurde rar, ganze Viertel waren dem Untergang geweiht. Wurden früher noch Begriffe wie „verrauchte Millionenstadt“ im Zusammengang mit Glasgow in den Mund genommen, sank in Folge sukzessive das Ansehen der liebevoll als “Glaschu” bezeichneten Stadt bei Politik und Gesellschaft. Erst mit großangelegten Stadterneuerungsarbeiten in 90er Jahren kam wieder Glanz in viele Teile der Innenstadt. So können wir uns heute auf zahlreiche Pubs, klassisch-britische Industriegebäude und trinkfeste Einwohner freuen!

DIE ANREISE

Ähnliches Motto wie bei der Anreise nach Manchester: fliege und siege. Das Flugzeug wird für viele Borussen das fast schon alternativlose Anreisemittel in die drittgrößte Stadt des Vereingiten Königreiches sein. Unser Geheimtipp: Mit dem Flieger nach Manchester und dann mit dem Bus oder Zug weiter über die englisch-schottische Grenze. Aber auch für die Hartgesottenen haben wir eine Empfehlung: Per Flieger geht über Amsterdam nach Edinburgh, um keine 30 Stunden später wieder denselben Weg zurück anzutreten. Einer holländischen Fluggesellschaft sei Dank, ist dies sogar vergleichsweise erschwinglich!

DER VEREIN

The Celtic Football Club selbst ist über jeden Zweifel erhaben: 47 Meisterschaften, 36 FA-Cup-Siege sowie 15 League-Cup-Gewinne sprechen eine eindeutige Sprache. Auch auf europäischer Ebene wusste man einst zu brillieren: So konnten „The Bohys“ 1967 den Europapokal der Landesmeister gewinnen. Letztmalig richtig in Finalstimmung kamen sie 2003, als sie im Olympiastadion von Sevilla mit 3 zu 2 n.V. gegen den damals famos aufspielenden FC Porto, um Jose Mourinho, Deco und Ricardo Carvalho, verloren.

Mit dem Stadtrivalen Glasgow Rangers verbindet der 1888 gegründete Verein eine erbitterte Feindschaft. Im Gegensatz zu vielen „Derby-Rivalitäten“ hierzulande, deren eigentlicher Ursprung uns oft selbst nicht bekannt ist, hat das schottische Pendant vor allem eine enorme politische Komponente. Es geht dabei um unterschiedliche Konfessionen, konträre nationale Identitätsgefühle und vor allem auch um den Kampf verschiedener sozialer Klassen. Das Stadtderby Old Firm gilt bis heute als eines der härtesten Duelle im Weltfußball. Aber nicht nur um das Stadion und den Fußballplatz geht es hoch her: Studien zufolge steigt auch die häusliche Gewalt an Derby-Tagen auf das Doppelte. Die Kellner in Glasgow werden darüber hinaus angewiesen, leere Gläser sofort abzuräumen, damit sich die Besucher diese nicht gegenseitig über die Rübe ziehen. Mehr braucht es nicht, um die Spannungen zwischen den beiden Clubs zu beschreiben!

DAS STADION

Für viele ist der Celtic-Park die Oper unter den europäischen Fußball-Tempeln. Wenn kurz vor Anpfiff im weiten Rund die Fußball-Hymne schlechthin „You´ll never walk alone“ ertönt, bleibt kein Fußball-Fanherz kalt. Gänsehaut vorprogrammiert! So nur noch in Liverpool zu erleben. Das liebevoll als “Parkhead” oder gerne auch als “Paradise” bezeichnete Stadion hat ein Fassungsvermögen von 60.832 Plätzen (demenstprechend gehen 3.000 Karten nach Gladbach) und bietet seit dieser Saison wieder Stehplätze für knapp 2.600 Zuschauer in der Nordost-Ecke – dort wo mit der Green Brigade eine der wenigen bekannten Ultra-Gruppen im britischen Fußball steht. Ein Novum in Großbritannien und ein überragendes Zeichen für die britische Fankultur. Oder wie es Danieal Wurbs von Football Supporters Europe so schön formulierte: „Eine Riesenchance für die Insel“!

DAS TEAM

Auf den ersten Blick ist der Kader von Neu-Trainer Brendan Rodgers gespickt mit einer Vielzahl erfahrener Spieler. Schaut man sich allerdings die alten Haudegen an, dann fällt auf: die meisten haben ihren Zenit längst überschritten: Mit de Vries (35), Kolo Toure (35), Brown (31) und Commons (33) bilden gemeinsam 132 Lebensjahre die zentrale Achse der Mannschaft. Ergänzt werden die „Oldies“ dabei mittlerweile aber von jungen Talenten. So konnten mit Moussa Dembele (20), Kristoffer Ajer (18) sowie Patrick Roberts (19) vielversprechende Nachwuchsakteure verpflichtet werden. Trotzdem ist der FC Celtic mit den frenetischen Fans im Rücken und dem schottischen Kämpferherz in der Brust ein ernstzunehmender Gegner!

DAS DUELL

Viele von uns machten die schwache Saison 2010/2011 vor allem an einem Namen fest: Logan Bailly. Der mittlerweile 30-jährige Belgier mit den starken Reflexen auf der Linie und gleichzeitig abenteuerlichem Stellungsspiel versucht mittlerweile sein Glück in der Premiership. Sein Abflug aus Mönchengladbach 2012 war vergleichsweise still und leise. Der geborene Lütticher hatte in dieser Zeit deutlich mehr mit sich selbst als mit dem Gegner zu kämpfen. Wer hätte jemals gedacht, dass wir ihn nochmal wiedersehen würden? Und dann auch noch in der Champions League! Ob er aber tatsächlich spielen wird, geschweige denn im Kader steht, ist aber äußerst fraglich. Nach Dorus de Vries und Craig Gordon ist er aktuell nur die Nummer drei beim schottischen Serienmeister!

DIE FANS

Mit einem Wort: überragend. Es gibt eine legendäre Geschichte aus den Tagen des Europacup-Sieges 1967. Das Team von Celtic gewann im Finale gegen Inter Mailand im portugiesischen Oeiras mit 2:1. Das Stadion – nahezu komplett in grün-weiß gehüllt – wurde zur Tanzfläche vieler trinklustiger, schottischer Zeitgenossen. Sie taumelten durch die Kneipen der Stadt und irgendwann ging es für Viele mit dem Flieger auf die große Insel zurück. In Glasgow angekommen fiel einem hartgesottenen Anhänger allerdings auf, dass er mit dem Auto nach Portugal gefahren war. Er hat sich halt freudetaumelnd mittragen lassen. Aber scheiß drauf: Alles für den Klub!

Foto zu diesem Beitrag: nordkurvenfotos.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.