Das “Gefühl Borussia”

Der Test gegen Lazio Rom wird zur Generalprobe werden. Unsere Jungs werden danach nur kurz Luft holen können um anschließend in die erste heiße Phase einer hoffentlich langen Saison abzutauchen. Einer Saison, die auch für uns Fans anstrengend, schön und spannend werden wird.

Los geht es dann auch gleich am Dienstagabend in Bern. Das Berner „Wankdorf“ ist wohl jedem Fußballfan ein Begriff. Es gibt wohl schlechtere Orte als dieses Stadion und schlechtere Anlässe als eine Champions-League-Qualifikation um das erste Mal in der neuen Saison mit alten Freunden in der Kurve zu stehen und unsere Borussia nach vorn zu peitschen. Ungefähr 630 Kilometer Anreise nach Bern, statt möglichen 2.800 Kilometern nach Rostow sind – nicht nur wegen der kurzfristigen Terminierung – sicher auch ein angenehmer Nebeneffekt der im Vorfeld heiß diskutierten Auslosung des vergangenen Freitags. Sportlich und reisetechnisch haben wir den Gegner ja bereits beleuchtet. Die Schweizer sind definitiv schlagbar, keinesfalls jedoch ein Freilos. Spätestens am 24.08. um ca. 23.30 wissen wir mehr.

Dazwischen gibt es allerdings ein Kontrastprogramm gegen den Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Irgendwo in der norddeutschen Provinz spielt die große Borussia um den Einzug in die zweite DFB-Pokal-Runde. Dieses Duell, das die Jungs als leichter Favorit angehen dürften, findet übrigens im Kehdinger Stadion statt. Der Underdog aus der Regionalliga Nord hatte lange darum gekämpft, nicht ausweichen zu müssen. Letztendlich mit Erfolg. Auch für uns bedeutet das eine willkommene Abwechslung zu den großen Bundesligastadien.

Der Dauerbrenner “Tradition”

Kommen wir noch einmal zur oben angesprochenen Generalprobe. Dass die ausgerechnet gegen die Laziali stattfindet, hat auch etwas Symbolisches. War es doch das Gastspiel in Rom 2013, das in der – für viele jüngere Fans wohl ersten aktiv erlebten – Europapokalsaison medial am meisten Aufmerksamkeit erzeugte. Ungefähr 10.000 Borussiafans bevölkerten den Gästebereich des Stadions. Ein großer Teil sorgte vorher für tausendfach gezeigte Bilder der überfüllten Spanischen Treppe. Hansi Küpper sah den Auftritt unserer Fanszene in Rom damals gar als das Symbol schlechthin für Traditionsvereine im Fußball. Das Wort Tradition wird auch in der kommenden Saison wieder tausendfach benutzt, diskutiert, in Frage gestellt, verteufelt oder vergöttert werden. Red Bull Leipzig ist schließlich in der ersten Bundesliga angekommen.

Rasenball Leipzig heißen sie ja richtig.  Das hier ist nicht der geeignete Rahmen um über Sinn oder Unsinn des Projekts RB Leipzig zu sprechen oder die in Teilen sicher nicht unberechtigte Kritik in gute oder schlechte Kritik aufzuteilen. Das haben andere zur Genüge getan. Wir werden uns möglicherweise zu gegebener Zeit nochmal äußern. Klar ist jedoch, dass der Aufstieg der Mannschaft, die große finanzielle Zuwendungen eines österreichischen Getränkeherstellers erhält, auch Herausforderung und Chance für alle anderen Fanszenen ist. Dass die Leipziger nicht mit Kusshand aufgenommen werden, soviel ist sicher. Es wird Proteste geben. Wir sind der Meinung, dass ein Boykott in diesem Falle keine Wirkung erzielen wird. Dennoch kann auch eine kreative Gegenveranstaltung eine schöne Sache sein. RB wird keine Fanszene verhindern. Vielmehr kann es in unseren Augen nur darum gehen, zu zeigen, dass die Fanszenen in Deutschland kreativ, bunt und vielfältig sind. Wir glauben, dass es der beste Weg ist, in Leipzig möglichst laut zu singen. In erster Linie nicht gegen RB, sondern für Borussia. Aber dieses Thema wird unsere Fanszene – sowie alle anderen Fanszenen auch – wohl mindestens die gesamte Saison begleiten.

Zwei Konstanten: Europäische Auftritte und Derbysiege

Symbolträchtig ist die Generalprobe auch, weil der Gegner – wie bereits erläutert – Erinnerungen an die erste Saison auf europäischem Parkett seit 1996 weckt. Nun starten wir in die vierte Saison mit Europapokalreisen in den letzten Jahren. Das hätte vor einigen Jahren niemand geglaubt. Denn egal ob Champions-League oder Euro-League: wir dürfen mit Freunden durch Europa reisen. Das ist ein absolutes Privileg. Die Kölner brauchen dafür eine EM, bei der sie mit dem Team-Clown Poldi posieren. Jeder wie er kann eben.

Und auch das erwartet uns in der neuen Saison wieder. Zwei Derbys gegen die Kölner Gruppenfotohelden. Und das Schöne: es gibt keine unsinnigen Auflagen des DFB. Wir hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, sich neue Regeln auszudenken, die vermeintlich der Sicherheit dienen. Wir hoffen auf zwei Derbys mit großen Emotionen, vollen Gästekurven und sechs Punkten für die Nummer 1 am Rhein.

Wir könnten weitere Highlights der vor uns liegenden Saison beschreiben. Die immer feurigen Duelle gegen die Schwarz-Gelben Freunde der Kölner zum Beispiel oder die anstehende Auslosung in der Europa-League oder Champions-League, die die Buchungsbeauftragten der Gruppen ins Schwitzen und die WhatsApp-Gruppen zum Glühen bringen wird. Wir ersparen euch das aber.

Denn es sind zwar auch einzelne Spiele, Touren oder Momente, die wir im Laufe einer Spielzeit durchleben. Mehr aber noch ist es ein Gefühl, das wir langsam wieder verspüren. Ein Gefühl, das man als Fernsehzuschauer der EM fast vergessen hatte. Ein Gefühl, dessen Existenz zwischen den unzähligen Unentschieden, Poldi-Shows und „Beckmanns Sportschule“ so weit entfernt schien. Ein Gefühl, das langsam wiederkommt. Ein Gefühl, das wir sicher wieder verspüren werden, wenn wir Dienstagmorgen übermüdet in das Auto zu Freunden steigen. Nur um uns dann viel zu früh zum ersten Bier überreden zu lassen, uns mit dem „Musikgeschmack“ unserer Freunde zu quälen, nach Stunden Autofahrt in einer Stadt voller Borussiafans anzukommen um dann gemeinsam unsere Borussia zu neuen  Heldentaten zu singen.

Ein Gefühl, das es nur bei Borussia gibt: Das Gefühl Borussia! Das erwartet uns in der kommenden Saison. Endlich wieder!

Foto zu diesem Beitrag: Fabio Rizzetto – http://blog.chicography.de/

4 Gedanken zu „Das “Gefühl Borussia”

  • 12. August 2016 um 16:56
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    Booh Freunde,
    warum kann man diesen,mir aus dem Herzen sprechenden Kommentar,nicht teilen,um ihn einer breiteren Fangemeinschaft,zugänglich zu machen.

    mit schwarz,weiss,grünen Grüßen

    Antwort
    • 12. August 2016 um 22:54
      Permalink

      Hallo Achim, einfach den Link bei Facebook reinkopieren und posten. Oder auf unserer Facebook-Seite (facebook.com/mitgedacht) teilen! Oder den Link per Mail verschicken. Gibt genug Chancen ihn zu teilen 😉 Grüße und ein schönes Wochenende, die vier MitGedacht.’ler

      Antwort
  • 13. August 2016 um 7:36
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    Servus Jungs,

    ihr sprecht mir aus der Seele!

    Großartiger Kommentar!

    Nur die besten Grüße!

    Antwort

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