Derby-Rückblick

Länderspielpause – das heißt auch: Endlich mal Zeit durchzuatmen! Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns. Champions-League-Auftakt in Spanien, Derby-Niederlage, Favre-Rücktritt, Schubert-Inthronisierung, englische Woche, sportliche Wiederauferstehung, Königsklassen-Heim-Premiere samt Choreo-Vor- und Nachbereitungen. Nach dem erfolgreichen Wolfsburg-Spiel ist nun ein bisschen Ruhe eingekehrt – und für uns endlich die Chance gekommen, in aller Ausführlichkeit noch einmal auf unseren Derby-Boykott zurückzublicken. Besser spät als nie!

Auch knapp drei Wochen später schauen wir absolut positiv und zufrieden auf den 19. September zurück. Knapp 1700 Borussen setzen an diesem Samstag mit ihrem vorbildlichen Protestzug das viel zitierte “Zeichen für den Erhalt der Fankultur”. Hervorheben wollen wir an dieser Stelle, den absolut reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Schon am späten Samstagmorgen versammelten sich die ersten Anhänger am Fanhaus und stimmten sich gemeinsam auf das Spiel ein. Der anschließende Protestmarsch in die Altstadt bleibt uns bis heute als perfektes Beispiel für den Zusammenhalt einer ganzen Szene in Erinnerung.

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Kutten, Ultras und Normalos zogen gemeinsam an einem Strang und protestierten friedlich gegen die überzogenen Sicherheitsmaßnahmen rund um das Derby. Der Zusammenhalt und die Geschlossenheit, die unsere Szene an diesem Tag gezeigt hat, macht uns bis heute stolz. Das ist Fankultur! Deswegen, aber auch weil diverse Medien über unsere Aktion berichtet haben und sogar die Polizei ein positives Fazit ziehen konnte, konstatieren wir im Rückblick ganz klar: Wir haben den von uns geplanten “kreativen Protest” eindrucksvoll umgesetzt. Das “Heimspiel gegen Köln” war ein voller Erfolg!

Bis heute sind die vollkommen unfaire Kürzung des Ticketkontingentes, sowie die Personalisierung der Eintrittskarten, für uns nicht nachvollziehbar. Wir fragen uns, ob diese überzogenen Maßnahmen – angewiesen von ahnungslosen und überforderten Funktionären und Sicherheitsbehörden – wirklich die Zukunft des deutschen Fußballs sein sollen? Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf den fast komplett leeren Gästeblock in Köln und die Tatsache, dass am Spieltag im Müngersdorfer Stadion – auch dank der Solidarität der Heimkurve – zu keiner Zeit Derby-Atmosphäre aufkam. Dass wir diese Meinung nicht exklusiv haben, zeigen Äußerungen von Spielern und Funktionären beider Teams im Nachgang des Spiels. Gemeinsamer Nenner: Das war keine Derby-Atmosphäre!

Unser in Köln gezeigtes Spruchband gilt daher bis heute – und vermutlich auch darüber hinaus. Wir fragen Politiker, Funktionäre, Vereins- und Verbandsvertreter: Wollt ihr das?

Die Fanszene von Borussia Mönchengladbach hat in den vergangenen Wochen eindrucksvoll bewiesen wie wichtig Fans für den Fußball sind. Welches Medium hat nicht die “grandiose Unterstützung” in der schweren sportlichen Phase bejubelt? Welches Medium hat nicht die “überragende Choreografie” aus dem Manchester-Spiel abgefeiert? Welches Medium hat nicht erwähnt, dass in Gladbach Mannschaft und Fans wie eine Wand zusammenstehen? Ohne uns Fans wäre das alles nicht möglich. Der Fußball braucht seine Basis. Ohne die Fans ist das Hochglanzprodukt Bundesliga-Fußball nur halb so viel wert!

Auch die Vereine sollten in diesem Zusammenhang aktiv werden und ihre reisefreudigen und aktiven Szenen, mit denen sie sich oft genug schmücken, gebührend unterstützen. Wir zählen daher weiterhin auf den Dialog mit unserer Vereinsführung und hoffen, dass wir auch in Zukunft irren Vorschlägen aus der Politik entschieden und gemeinsam entgegentreten werden.

Außerdem fordern wir den DFB, die DFL, die Vereine, Politiker und Sicherheitsbehörden dazu auf, mit den Fans gemeinsam Lösungen zu suchen. Entscheidet nicht am grünen Tisch über uns! Redet mit uns! Es gibt sicherlich einige Verstöße von Fans, die geahndet werden müssen. Die Entscheidung über etwaige Maßnahmen gehört jedoch in die Hände von Experten, also vereinseigenen Fanbeauftragten, Sozialarbeitern und Fan-Vertretern – und nicht in die Hände einiger Theoretiker, die dem Fußball und seiner gewachsenen Fankultur letztlich nur schaden.

Ein weiteres warnendes Beispiel nach unserem Derby ist nun der Boykott der Schalker Ultraszene des Ruhrpott-Schlagers gegen den BVB. Auch hier werden Tausende aktive Fans wegen überzogener (Anreise-) Maßnahmen dem Spiel fernbleiben. Auch hier werden einem bedeutsamen Spiel, auf das ganz Deutschland schaut, die Emotionen im Stadion genommen. Auch hier wird keine Derby-Atmosphäre aufkommen. Auch hier werden sich Spieler und Trainer nach dem Spiel enttäuscht zeigen. Auch hier entfernt sich der Fußball von seiner Basis.

Und auch hier fragen wir die Vertreter der Liga, des Verbandes und der Vereine – auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Wollt ihr das?

Der Fußball braucht die Fans! Dialog suchen, Fankultur erhalten! Für die Freiheit. Für den Fußball!

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