Dieser Boykott ist unumgänglich!

Das „Heimspiel gegen Köln“ ist weiterhin in aller Munde. Doch trotz der überwältigenden Unterstützung von knapp 300 Fanclubs gibt es immer wieder auch kritische Stimmen. Ein Kommentar eines Boykott-Verfechters.

Egal wie ich es drehe und wende: Für mich bleibt der Derby-Boykott unumgänglich. Natürlich ist die sportliche Situation momentan alles andere als schön. Unser Team ist nicht ideal in die Saison gestartet, der Rivale aus der Domstadt schon. Doch nur deshalb die eigene Überzeugung über Bord werfen und nun doch zum Spiel zu fahren? Nein!

Es geht um mehr als ein einziges Derby, es geht um die Zukunft unserer Fankultur. Und die besteht nun einmal nicht daraus, dass unschuldige Fanszenen einfach so für das Fehlverhalten anderer Anhänger bestraft werden. Leider argumentieren viele Borussen – meist in den sozialen Medien – nun damit, dass auch von Gladbacher Seite in den vergangenen Jahren die eine oder andere Aktion gegen unseren Rivalen ausging. Das ist zwar in der Sache nicht falsch, geht aber vollends an der Begründung für die jetzige Bestrafung vorbei. Der DFB hat Borussia und den 1. FC Köln nur aufgrund des Platzsturms im Februar zu den neuen Maßnahmen verdonnert!

Und das heißt leider: 1.500 unschuldige Borussen dürfen das Spiel nicht live im Stadion verfolgen. Alleine deshalb ist der Derby-Boykott doch schon alternativlos. Natürlich könnten wir auch nach Köln fahren und IM Stadion protestieren. Doch ganz ehrlich: Mit Eintritt akzeptieren wir doch alle, dass EINTAUSENDFÜNFHUNDERT Borussen draußen bleiben müssen. Wie scheinheilig wäre es, die Kürzung des Kontingentes zu bemängeln – und genau diese dann zu unterstützen?

Es geht um nichts anderes als die Frage, ob wir künftig wieder mit 5.000 Borussen zum Derby fahren oder ob es auf absehbare Zeit bei 3.500 Karten bleibt. Jeder Fan sollte diesen zweiten Schritt in seine persönliche (!) Derby-Entscheidung mit einbeziehen.

Über ein Argument der Boykott-Gegner habe ich mich in der vergangenen Woche immer wieder besonders aufgeregt. Sehr häufig bekam ich unter irgendwelchen Facebook-Posts den Satz „Ihr versagt Mannschaft und Verein die Unterstützung!“ zu lesen. Diesen Vorwurf halte ich schlicht und weg für ketzerisch! Seit Jahrzehnten geben wir alles für den Support unseres Vereins, haben Tausende an Euros in diese Leidenschaft gesteckt.

Wir sind sieben Tage die Woche, 24 Stunden für unsere Borussia da. Wir geben alles für diesen Klub – oft leider zulasten unseres Privatlebens. Wir sind mit Leib und Leben aktive Fans, die sich aber eben auch für die Fankultur interessieren. Und da ist es für UNS nun mal auch wichtig, wie es zukünftig für uns in den Auswärtssektoren dieses Landes aussieht.

Auf einem ganz anderen Papier steht übrigens, dass EIN Spiel – egal ob gegen Bayern, Dortmund, Hertha, Hoffenheim, Ingolstadt oder eben Köln – nicht über den Ausgang der Saison entscheidet. Insofern zieht das sportliche Argument wirklich nur bedingt. Im Gegenteil: Ich freue mich schon auf das nächste Abendspiel in Augsburg. Dann sehen wir mal, wer dann wieder im Stadion ist und hinter der Mannschaft steht!

Ich kann nur noch einmal wiederholen, was die Boykott-Gruppe schon immer kommuniziert hat: Die Entscheidung, ob ein Fan nach Köln fährt oder nicht, obliegt jedem Einzelnen. Natürlich wäre es schön, wenn sich möglichst viele Borussen dem Boykott und dem überwältigenden Votum riesiger Teile der aktiven Fanszene anschließen! Denn nur so können wir alle zusammen ein starkes Zeichen setzen, über das in den Medien definitiv berichtet wird. Natürlich gibt es aber auch Akzeptanz für die Boykott-Gegner. Denn auch wenn einige Anhänger das in der Öffentlichkeit gerne anders darstellen: Für uns sind das keine Fans zweiter Klasse.

Allerdings erwarte ich persönlich, dass genau dieser Respekt, genau diese Toleranz, die seit Jahren fester Bestandteil unserer Fanarbeit in Mönchengladbach sind, auch der Boykott-Gruppe entgegengebracht wird. Aufgrund einiger Äußerungen in der vergangenen Woche habe ich das Gefühl, dass einige Fans aus persönlichen Animositäten nicht am Boykott teilnehmen. Häufig zu hören: „Das ist ja eh ein Ultra-Ding!“ An dieser Stelle eine ganz entschiedene Antwort: NEIN!

Knapp 300 Fanclubs, das heißt mehrere Tausend Borussen, haben den Boykott-Aufruf unterschrieben. Darunter sind Ultras, Kutten, Normalos. Schal-, Trikot-, T-Shirt-Träger. Im Organisationskreis der Boykott-Gruppe sitzen Kutten, MitGedacht.-Leute, Ultras und FPMG-Vertreter. Und öffentlich wird die Initiative – fair aufgeteilt – durch einen Sottocultura-Vertreter, einen MitGedacht.‘ler und Ralle vertreten. Wo man da jetzt eine Ultra-Sache herauslesen will, muss man mir noch erklären…

In meinen Augen sollte am 19. September jeder Fan seine persönliche Meinung hinten anstellen. Es geht um eine klare Positionierung: Schluckt die Fanszene Mönchengladbach die Kröte und unterwirft sich DFB, DFL und Sicherheitsbehörden? Oder steht sie auf und sagt: Nein, nicht mit uns!

Es geht um mehr als dieses eine Derby, es geht auch um die Spiele in ein, zwei, drei oder fünf Jahren. Die Alternativ-Veranstaltung in Mönchengladbach wird beweisen, dass wir Gladbacher nicht alles mit uns machen lassen. Das wird eine einzigartige Party mit Tausenden Borussen, die unserer Truppe – scheiß egal, was da in Köln auf dem Rasen passiert – einen gebührenden Empfang bereiten werden!

FÜR EINE FREIE FANKULTUR. FÜR DIE NORDKURVE. FÜR BORUSSIA.

9 Gedanken zu „Dieser Boykott ist unumgänglich!

  • 4. September 2015 um 20:04
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    Ich finde den Boykott richtig genauso wie meine Freundin auch

    Wir sind auf jedenfall dabei egal wo es statt findet

    ,,Borussia für Alle und Alle für Borussia ”

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  • 5. September 2015 um 10:26
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    Wir sollten g e s c h l o s s e n gegen die Entscheidung sein. Es geht, wie schon div. Male geschrieben, nicht um den Einzelnen sondern ums Ganze. Man kann nicht akzeptieren, das uns die Institutionen vorschreiben, wieviel und wer überhaupt dann ins Stadion darf. Für mich ist das der Versuch, die Fangruppen zu spalten um dadurch einen besseren Zugriff zu bekommen. Also: Eine geschlossene Fangemeinschaft ist schwer zu kontrollieren, eine einzelne Fangruppe schon.

    Antwort
  • 6. September 2015 um 23:02
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    Ich finde den Boykott auch sehr gut.
    Aber auch erst seitdem ich weiß, warum dieser Boykott ins Leben gerufen wird.
    Deswegen sollte man nicht nur das “was” sondern auch das “warum” besser kommunizieren!
    Übrigens ein dickes Lob, dass die Gladbach-Fans beim Platzsturm so entspannt blieben.
    Und vielleicht gibt so ein Boykott auch unserer Mannschaft mal einen ordentlichen Arschtritt.

    Antwort
  • 7. September 2015 um 12:02
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    Also einen generellen Boykott finde ich nicht in Ordnung. Man sollte schon die Mannschaft
    unterstützen und durch Plakate seinen Unmut zeigen, denn das Fernbleiben soll dadurch doch
    nur erreicht werden. Ich glaube eher, dass einige Fans Probleme mit der Personalisierung haben
    und deshalb lieber Fern bleiben wollen. Vielleicht aus gutem Grund?! Ich bin der Meinung, dass die
    Fans, die die Mannschaft normal unterstützen und keine verrückten Sachen (Bengalos usw.) machen, nichts zu befürchten haben. Deshalb entscheiden sich Viele, an dem Support teilzunehmen und beim Derby, gegen unseren Erzfeind, unsere Mannschaft zu unterstützen. Was ich zu 100% befürworte!!

    Antwort
  • 7. September 2015 um 12:02
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    Anstelle des Boykottaufrufs, sollte sich die Fangemeinschaft geschlossen, ohne wenn und aber, gegen die Elemente in Ihren Reihen stellen, welche am Ende der Auslöser für Gewalt, und damit die unsinnigen Repressalien des DFB´s sind: gewaltbereite Fans / gewaltbilligende Fangruppen.

    Diese gehören NICHT ins Stadion, dann brauchen alle anderen auch keine Repressalien aushalten.
    Hier ist NICHT der DFB das Problem, sondern die nicht funktionieren Selbstregulierung der Fans.

    Sorry..ich geh hin..

    Ein FAN…seit 22 Jahren Nordkurve

    Antwort
  • 7. September 2015 um 16:25
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    Ich respektiere die eine, wie die andere Position zu dem Thema. ABER: Ich finde, alle die, die jene kritisieren, die die Mannschaft vor Ort unterstützen wollen, etwas eindimensional betrachtend. Es ist natürlich das gute Recht eines Jeden, die Personalisierung nicht mitzumachen und fernzubleiben. Aber was kann das Team, was kann Borussia für diese offizielle Entscheidung. Bleiben wir künftig auch weg, wenn wir mit einer roten Karte und der entsprechenden Sanktion nicht einverstanden sind? Unser Team wird aber auch am 5. Spieltag maximale Unterstützung bis zur 93. Minute brauchen, in der unser Siegtor fallen könnte. Was haben wir denn zu verbergen, wäre es nicht eine tolle Geste an FC und DFB, dass wir sagen: ” Registrierung, na und? Finden wir nicht gut und uns gegenüber auch total unangemessen – aber unsere Borussia lassen wir nicht im Stich – das schafft auch Ihr (DFB+FC) nicht!!!” Denkt auch daran, was unserer Mannschaft z.B. die Unterstützung in Rom bedeutet hat. Wir werden zu dem Zeitpunkt max. 6 Punkte und in der Woche das erste CL-Spiel gehabt haben. Das Team braucht uns alle! Borussia ist anders, wir sind Borussia – unser Team braucht uns jetzt!

    Antwort
  • 7. September 2015 um 22:54
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    Arschtritt? Allein diese Aussage zwingt mich, gegen den Boykott zu stimmen und dahin zu fahren. Über 4 Jahre fantastische Leistungen und jetzt mal ein Tief…..
    Bringt Ihr im Leben auch immer 100 % ???? So etwas sollte verzeihbar sein und eher Anreiz, die Mannschaft noch mehr zu pushen……Arschtritt……Schöner “Fan”…..

    Antwort
    • 10. September 2015 um 12:01
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      Der Arschtritt kommt von mir und ich bin zwar seit Jahren Fan aber in keiner aktiven Gruppierung.
      Deswegen orientier dich nicht an meinem Kommentar sondern daran was die Veranstalter schreiben.
      Hier geht es sich ja nicht um die Leistung der Mannschaft sondern darum dass die Gladbach Fans für das Verhalten der Kölner Fans bestraft wird!

      Antwort
  • 9. September 2015 um 14:07
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    Warum ist für dich der Derby-Boykott umungänglich? Weil es nur hingehen oder Boykott gibt? Warum überlegt man sich keine weiteren Alternativen?
    Wir werden sicherlich zu unrecht bestraft (Personalisierung, zu wenig Karten) und unsere Reaktion darauf ist dann Selbstbestrafung (Zahlen und gehen nicht hin, keine Unterstützung der Mannschaft). Das ist die beste Idee die wir haben? Sollte das Ziel nicht sein, dass die anderen die Einschränkung zu spüren haben? Dass die Mannschaft trotzdem unterstützt wird?
    Da fänd ich sogar einen gemeinsamen Marsch aller Fans Hand in Hand im Malerkostüm mit grünem Gesicht für sinnvolleren Protest. Das würde die Verantwortlichen (Heimverein, -fans und Polizei) Probleme bringen und sicher einiges lahm legen. Und auch ein klares Zeichen gegen Personalisierung sein.
    Oder vorher durch die Borussia einfordern, dass die Nordseite bis zur U-Bahn komplett für uns sein muss inkl. Parkplatz. Damit wir als Registierte sicher sind vor den Unregistrierten. Bei ungleicher Behandlung muss eben besonderer Schutz her. Auch dieses würde mehr Zeichen für Heimverein, -fans und Polizei mehr ein Zeichen sein und ärgern als unser Boykott.

    Das Ziel des Boykotts soll sein ein Zeichen zu setzen. Wenn aber dann doch 1500-2000 der 3500 Plätze besetzt sind, dann sieht man das Zeichen nicht. Ein Zeichen, das man nicht setzt, ist keines.
    Und selbst wenn der Block leer bleibt, wird es bei den meisten Zuschauern und Entscheidungsträgern nicht mehr als eine Randnotiz bleiben. Egal, wie viele Zeitungen jetzt berichtet haben. Und wenn man die Berichte zum Beispiel im Kicker dazu gelesen hat, so waren sie nicht wirklich hilfreich. Masse, statt wirkliche Information.
    Es ist zu viel vorgefallen in den letzten Jahren, selbst noch beim letzten Derby-Auswärtsspiel, als dass wir mit dem Boykott viele Leute auf unsere Seite ziehen…

    Von daher halte ich den Boykott weiterhin für falsche Selbstbestrafung und “zu kurz gedacht”.

    Antwort

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