Ein beratungsresistenter Haufen!

Borussias Spiel am Wochenende in Frankfurt soll auf Wunsch der DFL stattfinden. Ebenso wie der gesamte kommende Spieltag. Wir finden das nicht nur absolut verantwortungslos, sondern sehen darin ein weiteres Zeichen für die Inkompetenz und die Verantwortungslosigkeit der Verbände. Ein Kommentar!

Ja, auch wir haben unsere Meinung zum Thema Coronavirus in den vergangenen Wochen schlagartig geändert und eine 180-Grad-Wende vollzogen. Nun ist es aber Fakt, dass diese Pandemie uns vor eine gesellschaftliche Herausforderung stellt. Es geht darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Nicht, weil sie für die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft gefährlich wäre, sondern um einen Zusammenbruch der medizinischen Infrastruktur zu verhindern. Denn dann können Krankenhäuser plötzlich keine Patienten mehr aufnehmen, weil es schlicht an Betten und Equipment mangelt. Das hätte wiederum auch Folgen abseits von Corona. Und ein solches Szenario lässt sich eben verhindern, in dem der Virus sich möglichst langsam verbeitet. Dass er sich ausbreitet ist kaum zu verhidnern.

Besonders gefährdet sind im Übrigen ältere Menschen und solche, die unter Vorerkrankungen leiden. Es ist nur solidarisch diesen Menschen gegenüber, sich msichtig und achtsam zu verhalten. Wir wollen an dieser Stelle den Heinsberger Landrat Stephan Pusch zitieren, der einen tollen Satz gesagt hat: „Es gibt momentan vor allem ein Medikament, das wir alle bei uns haben: Solidarität und Menschlichkeit!“

Fast alle klar denkenden Menschen würden diese Worte gerade unterschreiben – außer DFL und DFB. Unsere lieben Verbände scheinen auch auf dieses Thema mal wieder eine ganz eigene, merkwürdige Sichtweise zu haben. Anders ist der heutige Vorschlag des Präsidiums, das kommende Liga-Wochenende als Geisterspieltag durchzuführen, nicht zu werten. Es geht uns dabei um keine sportliche Perspektive – wie etwa Vor- oder Nachteile im Kampf um Champions- oder Europa-League, um Abstiegsplätze oder ähnliches. Es geht einzig und alleine darum, dass jedes Event, das in den nächsten Tagen stattfindet – egal ob mit 1.000 oder 300 Menschen (die zu einem Fußballspiel am Wochenende mit Spielern, Trainern, Ordnern, Vereinsoffiziellen, Medienvertretern usw. ungefähr zusammenkommen würden) – eine überflüssige Veranstaltung ist. Und genau dabei darf sich auch der Fußball nicht ausnehmen!

Ein DFB-Statement als Exempel

Leider tun DFL und DFB aber genau das. Während weite Teile des öffentlichen und kulturellen Lebens (zurecht und einzig und alleine zur Eindämmung der Pandemie) zum Erliegen kommen, zieht der Fußball seinen Stiefel gnadenlos durch. Dabei scheinen die Verantwortlichen auf Teufel komm raus ihr Business durchziehen zu wollen – auf der Jagd nach dem großen Geld. Sinnbildlich dafür steht das Zitat von Bayern-Boss Karl-Heinz “Rolex Kalle” Rummenigge, der heute zum Besten gab: “Es geht am Ende des Tages im Profifußball um Finanzen!” Dass dieser Volkssport eine für das Land einmalige gesellschaftliche Vorbildfunktion hat? Geschenkt! Dass fast alle anderen relevanten europäischen Ligen längst den einzig richtigen Schritt gemacht und die Spiele für mindestens zwei Wochen ausgesetzt haben? Egal! Die deutschen Verbände und viele Vereine handeln egoistisch und geldgetrieben!

Als weiteres Exempel wollen wir gerne den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch zitieren, der am gestrigen Donnerstag gegenüber dem Bayrischen Rundfunk zunächst darüber schwadronierte, dass die Situation des Fußballs „gänzlich unterschiedlich“ sei als etwa die im Eishockey. Anschließend sagte Koch: „Wir dürfen (…) nicht von uns aus das Leben zum Erliegen bringen, wir dürfen nicht das zivilgesellschaftliche Miteinander zerstören oder der ganzen wirtschaftlichen Folgen außer Acht lassen.“ Doch, lieber Fußball! Genau das darfst du. Du musst es sogar!

Realsatire a la DFL

In Zeiten, in denen die Bundesregierung und alle Gesundheitsminister dazu raten, alle unnötigen sozialen Kontakte zu vermeiden, in denen Schulen und Kitas geschlossen werden und Unternehmen ihre Mitarbeiter zum Home-Office aufrufen, ist die Beratungsresistenz der deutschen Fußball-Verbände ein fatales Zeichen. Es beweist aus unserer Sicht einmal mehr, dass diese Funktionäre nur das eigene Wohl im Blick haben. Auf Teufel komm raus versucht die Liga diese Saison zu Ende zu bringen. Die Absage ab nächster Woche ist an Doppelmoral nicht zu überbieten. Offensichtlich glauben Seifert, Rummenigge und Co. ernsthaft, dass das Virus an diesem Wochenende noch Fußball-Pause macht und erst am nächsten Spieltag zuschlägt. Wäre die Situation nicht derart ernst, würden wir diese Sichtweise als gelungene Realsatire abstempeln. 

Unsere Forderung – und auch die diverser anderer Fans – ist daher klar: Setzt die Bundesliga aus! Und zwar JETZT, heute noch! Es ist zwingend, diesen „Shutdown“ so früh es geht zu vollziehen. Denn eines haben die letzten Tage doch sicher bewiesen: Fußball ohne Fans macht – Sky-Konferenz for free hin oder her – überhaupt keinen Spaß! Dieser Sport lebt von Emotionen und Fans – und nicht von geldgeilen und beratungsresistenten Funktionären. Und vor allem trägt er eine gesellschaftliche Verantwortung!

Foto zu diesem Beitrag: Jörg Schüler / Bongarts / Getty Images

8 Gedanken zu „Ein beratungsresistenter Haufen!

  • 13. März 2020 um 15:38
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    Absolut. Rolex Kalle und Consorten aus DFL und DFB gehören nach Wuhan ausgeflogen. Ohne Atemschutzmasken ( den Spieler können die während des Spiels auch nicht tragen), ohne Seife ohne Hygieneartikel! Vielleicht denken sie dann mal um

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    • 13. März 2020 um 15:50
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      Das halte wir jetzt auch für eine etwas überzogene Reaktion 😉 Solidarität und Menschlichkeit sollten auch hier gelten! Beste Grüße, die vier MitGedacht.‘ler

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    • 13. März 2020 um 15:54
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      Einfach nur ein geil geschriebener Text der die Sache auf den Punkt bringt. Hoffentlich liest das einer von denen.

      Antwort
  • 13. März 2020 um 15:59
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    Ein geil geschriebener Text der die Sache auf den Punkt bringt. Hoffentlich liest das einer von denen.

    Antwort
  • 13. März 2020 um 17:38
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    Auch wenn Borussia am Mi. gegen Köln gewonnen hat, habe ich nicht verstanden warum dieses Spiel nicht auch hätte verschoben werden können. Erst Geisterspiel und jetzt Einstellung des kompletten Spielbetrieb in der Buli. Das verstehe wer will. Kein Derby Feeling, 2 Mio. EUR Einnahmenausfall, was eine Wettbewerbsverzerrung. Hätte am Mi. Dortmund gegen Bayern gespielt, hätte dieses Spiel sicherlich nicht vor leeren Rängen stattgefunden. Nur das wir uns richtig verstehen: es muss alles getan werden, damit möglichst nicht noch mehr Menschen krank o. infiziert werden. Aber ist es denn so schwierig im Sinne aller Vereine geradlinige, vernünftige, gleiche und gerechte Entscheidungen zu treffen?
    Grüsse von Totti

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  • 13. März 2020 um 21:37
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    Klasse Kommentar! Auch wenn es keinen Spaß macht: wir sollten es aushalten für alle, die mehr gefährdet sind als man selber (möglicherweise) und Solidarität beweisen. Da wäre DFB/ DFL (der Fußball) als verbindenes Element gefragt – aber man hat wahrscheilich auf den VAR gewartet … 🙁

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  • 13. März 2020 um 21:41
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    Habt ihr doch noch die Kurve gekriegt.

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