Ein großes Ausrufezeichen!

Wochenlang wurde spekuliert, nun haben wir endlich Gewissheit: Max Eberl wird seinen Vertrag bis 2022 verlängern und den Lockrufen aus dem Süden der Republik widerstehen. Gerade in dieser Woche ist eine solche Nachricht ein klares Statement für die Borussia, für diese Aufgabe, für die Herausforderung, selbst gestalten zu können. Ein Kommentar.

Am Donnerstagmittag war die Stimmung bei Fans und im Vereinsumfeld noch deutlich getrübt. In der Pressekonferenz wurde bestätigt, was viele vorher erwartet hatten, aber die wenigsten wohl akzeptieren wollten: Mit Mo Dahoud und Andreas Christensen werden zwei Leistungsträger und internationale Top-Talente die Borussia nach der Saison verlassen. Gerade nach den letzten Wochen ein herber Verlust und fast schon so etwas wie ein neuerlicher Nackenschlag.

Nach derart trüben Nachrichten wollten wir uns nicht ausmalen, welches Echo ein Eberl-Abgang gehabt hätte. Mögliche Schlagzeilen wie „Borussia fällt auseinander“ oder „Borussia steht vor  einem Umbruch“ schwirrten schon in unseren Köpfen. Vor allem in diesem Zusammenhang ist es umso bemerkenswerter, dass sich Eberl nun klar zur Borussia bekennt. Der 43-jährige hat vereinsintern am Donnerstagabend bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag am Niederrhein bis 2022 verlängert – ein klareres Bekenntnis zum VfL und zu seinem „Lebensprojekt Borussia“ kann es in der momentanen Situation nicht geben!

Eberl entschied sich für das Projekt und gegen Silberware

Keine Frage – der FC Bayern wird sich für ihn interessiert haben und auch Eberl selbst dürfte über einen Posten an der Säbener Straße sinniert haben. Seine Wurzeln und seine sportlichen Anfänge liegen schließlich bei diesem Klub. Zudem wurde bereits viel über seine Beziehung zu Präsident und Strippenzieher Hoeneß geschrieben. Seinen Traum von der Silberware – nirgendwo wäre er wohl so einfach realisierbar gewesen wie beim Rekordmeister, Rekordpokalsieger und Serienhalbfinalist in Europa. Außerdem wird Eberl auch ein wenig nachverhandelt haben und ganz sicher nicht am Hungertuch nagen. Das ist aber doch auch sein gutes Recht. Zumal er in München finanziell wohl besser entlohnt worden wäre.

Doch Eberl zeigt mit seiner Entscheidung, dass er mehr will. Er will sich die Silberware, einen möglichen Pokal, hart erarbeiten und selber gestalten. Er will nicht die dritte oder vierte Geige spielen, er will Dirigent sein und das Orchester nach seinen Vorstellungen zusammenstellen. Bei Borussia hatte und hat er genau diese Macht inne. Er kann sich komplett entfalten und den Verein in ruhige und erfolgreiche Zeiten lenken. Ebenen genauso, wie er das schon die letzten Spielzeiten erfolgreich getan hat.

Der Dirigent vom Niederrhein mit dem Gespür für Top-Talente

Als Dirigent hat er am Niederrhein in den vergangenen Jahren einen richtig guten Job gemacht. Nicht nur sein unglaubliches Gespür für Top-Talente wie Marco Reus, Granit Xhaka oder aktuell Andreas Christensen zeichnen ihn aus. Sondern auch sein Geschick, Spielern den nächsten Schritt anzubieten. Viele Vereine in Deutschland haben sich bei Kickern wie Max Kruse oder Lars Stindl über genau dieses Geschick geärgert, denn Eberl war vor allen anderen da und fädelte die Deals ein.

Zudem hilft ihm sein Hintergrund in der Jugendabteilung, denn er lebt das Vereinsmotto, die „Fohlenelf“ vor. Immer wieder versucht er auch mit außergewöhnlichen Transfers neue Topstars zu finden und zu formen. Außerdem legt Eberl unübersehbar Wert auf den Charakter der Spieler. Er ist kein Manager, der aus Panik einen überbezahlten Weltstar holt. Vielmehr versucht er, eine homogene Mannschaft zusammenzustellen. Manchmal vielleicht ein bisschen zu homogen, aber auch das erkennt er selber. Dass auch Eberl nicht unfehlbar ist, haben einige Transfers gezeigt. Wer jedoch das Gesamtpaket der letzten Jahre betrachtet, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass Eberl grandiose Arbeit leistet.

Mit Zeit und Realismus wuchs die Dankbarkeit

Denn unbestritten ist Eberl die wichtigste Säule für den Erfolg der letzten Jahre. Natürlich steht bei Siegen oder Niederlagen, bei Titeln oder Abstiegen, bei Erfolgen oder Misserfolgen immer der Trainer zuerst im Vordergrund. Doch der Trainer muss meistens mit dem arbeiten, was der Manager ihm vorsetzt. Oft wurde – auch von uns – Lucien Favre für die Erfolge gefeiert. Doch gerade in den letzten Wochen, in denen man sich mit einem möglichen Abschied Eberls beschäftigte, wuchs die Dankbarkeit für seine Arbeit. Uns wurde noch einmal bewusst, wie wichtig er für die erfolgreichste Zeit der jüngeren Vereinsgeschichte war und welche Lücke ein Abgang hinterlassen würde.

Allein deswegen wollen wir diese Entscheidung noch einmal nutzen, um etwas zu tun, was im schnelllebigen Geschäft oft zu kurz kommt. Wir wollen Danke sagen, Max!

Danke für die letzten Jahre! Danke für den Mut, in einer aussichtslosen Situation einen Trainer wie Lucien Favre zu verpflichten. Danke für eine Mannschaft, die uns Fans nach 20 Jahren wieder durch Europa reisen ließ. Danke für Spiele, über die wir wohl ein Leben lang sprechen werden. Danke, dass wir Spieler wie Reus, ter Stegen, Arango, Stranzl oder Christensen in unseren Farben bewundern konnten. Danke, dass du den schlafenden Riesen wieder geweckt hast!

Verlängerung mit Signalwirkung für die nächsten Wochen

Doch all das ist für uns nur ein Zwischenschritt. Die Verlängerung ist ein Aufbruch-Signal für den Verein – genau zum richtigen Zeitpunkt im Saisonendspurt wird ein klares Zeichen gesetzt: Wir lassen uns nicht unterkriegen, sondern arbeiten weiter akribisch am Projekt Borussia. In den nächsten drei Spielen wird sich entscheiden, ob es Richtung Abstiegskampf oder internationales Plätze geht. Und dann steht Ende April noch das Pokal-Halbfinale an, das für alle ein Riesen-Highlight wird.

Deswegen wollen wir heute nur kurz innehalten, um der Entscheidung gebührend zu danken. Vielmehr freuen wir uns aber, dass eine der wichtigsten Positionen im Verein langfristig mit absoluter Kompetenz und einer sympathischen Persönlichkeit besetzt ist. Und ganz ehrlich, Max Eberl: Rot-Weiß hätte Dir auch nicht gestanden!

Du bist halt eben doch ein Gladbacher…

Foto zu diesem Beitrag: Screenshot von Fohlen.tv

8 Gedanken zu „Ein großes Ausrufezeichen!

  • 31. März 2017 um 23:35
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    Der Artikel, die Danksagung, ist super!

    Man kann vlt muss man soga ME jetzt schon in einem Atemzug mit unseren bekannten Stars aus der Vergangenheit
    nennen.

    Das geilste daran ist… er hat noch sooooo viel Zeit noch mehr zu leisten!
    Im Verhältnis ist seine Arbeit mit die der von UH gleichzusetzen.

    Mich persönlich freut es, das er in man des Wortes ist und daran messe ich
    ihn! Wie stünde er da, wenn er den selben Weg näme, wie die die uns verlassen haben?
    Er bleibt und ist somit auch *weiterhin* authentisch und ehrlich den Spielern gegenüber, wenn er sagt:” Lasst uns ein Projekt zu Ende gehen, lasst uns gemeinsam wachsen, lasst uns einen Gegenwert schaffen zu Punkten oder Kohle!

    Ja er betont selber immer wie schnelllebig das Geschäft ist, aber er ist und *bleibt* hier!
    Und ja vlt kommt der Moment wo man ihn vlt zum Teufel wünscht… aber wie in einer guten Liebe… durch dick und dünn, in guten wie in schlechten Zeiten!
    Bitte halte die Fussball Romantik weiterhin hoch, so viele können sich damit identifizieren!
    Und ich sehne mich nach dem Moment wo wir so stark sind, das wir niemanden verkaufen *müssen*!

    Das hat in Gladbach noch keiner geschafft!

    Mach wie UH ein Lebenswerk aus *unserer* Borussia und irgendwann heißt der Borussia Park dann…

    Max Eberl Park

    Wir vergessen nicht das Team der Funktionäre drumherum, danke an di die ihn so ermöglicht haben und weiterhin ermöglichen!

    Ich bin tatsächlich stolz ein Borusse zu sein!

    Danke!

    Marcus Hermanspann

    Antwort
  • 1. April 2017 um 3:58
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    Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können ! Danke Max !

    Antwort
  • 1. April 2017 um 8:07
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    Dem Dank schliesse ich mich an.
    Ich hatte aber nicht wirklich die Befürchtung, dass Max Eberl nach München wechselt, weil die Borussia ja doch sein Lebenswerk ist.
    Alles was den Verein heute ausmacht hat er aufgebaut. Sowas läßt man nicht für ein höheres Gehalt und die Ehre mit einem vorbestraften Präsidenten als Grüßaugust auf der Tribüne zu sitzen einfach fallen.
    Da haben die Springer-Phantasie- und Lügengazetten doch nur wieder Schlagzeilen generiert.
    Wenn man jetzt in B* und E* liest, das Eberls Vertragsverlängerung bei der Borussia eine “irre Wende” sein soll und der VfL “das Unmögliche möglich gemacht” haben soll, dann fragt man sich in welcher Gosse diese Schreiberlinge gelandet wären, wenn sie nicht bei diesen Drecksblättern angeheuert hätten. Aber Schluss mit solch anwidernden Themen!

    Lieber nochmal vielen Dank an Max Eberl, dass er die Borussia dahin gebracht hat, wo sie heute steht!
    Auf das auch irgendwann – vielleicht ja schon in diesem Jahr – ein Titel geholt wird.
    Max Eberl hätte ihn sich wahrlich verdient!

    Antwort
  • 1. April 2017 um 9:15
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    Neben den Lobeshymnen würde ich ME als gutem Freund zwei Ratschläge geben:
    Manchmal weniger, langsamer , weniger überschwänglich und mit Pausen sprechen
    und
    als Sportdirektor und Stilgeber ein Fitnessprogramm mit deutlicher Gewichtsreduktion absolvieren. Würde die Jungens sicher beeindrucken, wenn er zum Verzicht und zur propagierten Härte auch sich selbst gegenüber bereit ist.

    Antwort
  • 1. April 2017 um 12:38
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    Der Bericht spiegelt zu 1900 % meine Meinung über ME.
    Respekt MitGedacht, gute Arbeit!

    Antwort
  • 1. April 2017 um 21:33
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    Danke Max Eberl, Danke an die Vereinsführung die dies ermöglicht hat.
    Max Eberl setzt ein klares Zeichen in Sachen Identifikation mit dem Verein, er lebt das vor was er von den Spielern vermutlich auch erwartet.
    Reisende wie Dahoud sollte man nicht halten,….. ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an viele andere Profis, ich glaube Sinan Kurt ist das letzte aktuelle Beispiel !

    Antwort
    • 2. April 2017 um 11:31
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      Dem ist nichts hinzu zufügen.Danke Max und auf Nimmerwiedersehen Dahoud.

      Antwort
  • 2. April 2017 um 10:50
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    In Zeiten wo die Schwarzgeldschwemme den Fussball im Würgegriff hält habe viele Fans realisiert , dass Emotionen, Wille, und Sportsgeist, der Ersatz für gekaufte Titel sind.

    Im emotionalen Bereich ist MG seit 5 Jahren absoluter Tabellenführer, — und damit auch die Führungsriege –da kann ich schon verstehen dass Max Widerstände verspürt, in einen sterilen “Tempel” einzuziehen um in Erscheinung zu treten wenn die “oberen” am Golfplatz in der Schweiz flanieren.

    Die heutige Verkündung ist eine Fanfare für die nächsten Jahre, ein Meilenstein, eine Hymne an den Ursprung des Fussballs, welche immer mehr Fans hören und fühlen wollen.

    Meinen Dank an alle Mitarbeiter der Borussia

    Antwort

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