Ein Luxusproblem

Borussia gastiert am Sonntagnachmittag beim Hamburger SV – einem der Sorgenkinder der Liga. Die Vorzeichen könnten klarer nicht sein. Genau darin liegt aber eine Gefahr. Unser Vorspiel.

Die Geschichte dieses Spieltages ist aus Borussia Sicht ein Missverständnis. Natürlich wird sich am Sonntag, wenn die Fohlenelf um 15.30 Uhr beim Hamburger SV antritt, alles um Josip Drmic drehen. Im Sommer war der 23-jährige Schweizer mit enormen Vorschusslorbeeren aus Leverkusen an den Niederrhein gewechselt. Knappe zehn Millionen Euro soll Manager Max Eberl für den Stürmer überwiesen haben. Die Presse schrieb über einen „Königstransfer“, das „letzte Puzzlestück“ oder die „Schweizer Achse“.

Ein halbes Jahr später ist Josip Drmic weitergezogen – zum Hamburger SV. Und trifft im zweiten Pflichtspiel für den neuen Arbeitgeber gleich auf den Klub, den er im Sommer noch als „geil“ bezeichnet hatte: Borussia Mönchengladbach. Drmic war im halben Jahr am Niederrhein kaum zum Zuge gekommen. Also bat er den Klub, ihn im Hinblick auf die EM 2016 im kommenden Sommer auszuleihen. Ein verständlicher Schritt.

Systemfragen 

Nun sind wir gespannt, wie sich Drmic am Sonntag mit seinem neuen Verein präsentiert. Im ersten Spiel konnte er kaum überzeugen. Auf dem ungeliebten linken Flügel blieb Drmic gegen den 1. FC Köln blass – wie die gesamte HSV-Mannschaft. Gegen Borussia könnte der Schweizer nun, so vermutet es zumindest das Hamburger Abendblatt, mit Artjoms Rudnevs zusammen die Hamburger Sturmspitze in einem 4-4-2-System bilden. Pierre-Michel Lasogga bliebe nur das Nachsehen.

Wie auch immer: Borussias Verteidiger werden sich gegen den Stürmer Drmic zur Wehr zu setzen wissen. In der Fohlenelf dominiert ohnehin ein ganz anderes Thema: Denn Trainer André Schubert hat ein wahres Luxusproblem. Wann gab es das zuletzt? Vor dem Auswärtsspiel in Hamburg steht Schubert vor einer harten Entscheidung. Mit Granit Xhaka kehrt sein persönlicher Schlüsselspieler nach Rotsperre zurück. Die aktuelle Doppelsechs Nordtveit/Dahoud funktionierte zuletzt aber immer besser. Was also tun?

Wohin mit Nordtveit? 

Die Möglichkeiten sind rar und haben so oder so Verlierer zur Folge. Auf der Pressekonferenz vor dem Hamburg-Spiel machte André Schubert deutlich: An der Doppelsechs Xhaka/Dahoud führt kein Weg vorbei. Beide Spieler harmonieren gut und waren in der Hinrunde maßgeblich am Erfolg der Borussia beteiligt. Doch wohin mit Harvard Nordtveit, der in den letzten Spielen immer mehr zum Chef wurde und dessen Strafversetzung auf die Bank wohlmöglich auch seine Entscheidung für oder gegen eine Vertragsverlängerung beeinflusst?

Klar ist: Nordtveit wird wohl spielen. Anders ist folgender Satz des Trainers nicht zu deuten: „Für einen Havard Nordtveit in dieser Verfassung ist in unserer Mannschaft immer ein Platz frei.“ Aber wo ist dieser Platz? Mögliche Lösungen: Schubert zieht Nordtveit zurück in die Innenverteidigung – sehr zum Leidwesen des zuletzt durchaus überzeugenden Martin Hinteregger. Nordtveit könnte aber auch als rechter Außenverteidiger auflaufen – auch wenn er lieber im Zentrum agiert. Nico Elvedi müsste dafür weichen. Gut für diese Planspiele: Elvedi konnte diese Woche grippegeschwächt nicht trainieren und wird wohl ausfallen. Allerdings drängt auch der wieder genesene Julian Korb ins Team. Eher unwahrscheinlich ist eine dritte Variante: André Schubert könnte in Hamburg sein System umkrempeln und im 4-3-2-1 auflaufen – mit drei Sechsern. Wir legen uns daher fest: Nordtveit wird wohl als Rechtsverteidiger auflaufen!

Herumkrebsende Hamburger 

Egal welche Lösung Schubert letztlich präferiert: Seine Mannschaft ist definitiv favorisiert. Zwar konnte auch Borussia in der Rückrunde noch nicht restlos überzeugen, mit dem 5:1-Sieg im letzten Spiel gegen Bremen setzte die Fohlenelf aber ein großes Ausrufezeichen. Der Hamburger SV krebst dagegen seit Wochen im unteren Mittelfeld der Tabelle rum. Die Rothosen konnten aus den vergangenen sechs Spielen keinen Sieg holen. Die magere Ausbeute aus den vergangenen zehn Partien: Zwei Siege, drei Unentschieden, fünf Niederlagen.

Wir hoffen, dass diese Statistik auch am Sonntag nicht weiter aufgehübscht wird – und dass Josip Drmic zumindest in diesem Spiel noch nicht seine alte Form wiederfindet. Für uns heißt es jedenfalls: Ein schönes Wochenende in Hamburg verbringen. Und hoffentlich drei Punkte mitbringen, um gestärkt in die Derby-Woche zu gehen. 

In diesem Sinne: Alles für den VfL!

Bild zum Beitrag: Nordkurvenfotos.de

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