Eine Truppe zum Verlieben!

Unfassbar: Borussia geht nach dem Heimsieg gegen Frankfurt in ihre vierte Woche als Tabellenführer. Weil die Mannschaft beim 4:2-Erfolg eine grandiose Einstellung an den Tag legt und so viel Spaß macht, gibt es von uns eine vorsichtige Liebeserklärung!

Das Internet ist eine tolle Sache – vor allem heute als Borussia-Fan. Denn im Netz kursieren dieser Stunden so viele herrliche Dinge: natürlich diverse Tabellenfotos, aber auch Witze wie der unserer Blogger-Kollegen von „Seitenwahl“ („Ich liebe es so wenn sie mich beim Spitznamen nenne: #Spitzenreiter“) oder der Tweet des Users „Landmann“, der absolut treffend feststellte: „Kinder, die vor drei Wochen geboren wurden, kennen nur #Gladbach als #Tabellenführer. Dimensionen epischen Ausmaßes“. Tja, wer hätte das mal gedacht?

Auch wir können unser Glück ehrlicherweise nur bedingt fassen. Borussia hat eine Tabellenführung verteidigt! Und auch wenn vielleicht einige Leser diese „Laier“ nicht mehr hören können, bedeutet das für uns – als Fans, die in den 1990ern zu unserem Verein gekommen sind – die Welt: Weil wir nie zu träumen gewagt hätten, so etwas mal zu erleben! Weil wir doch per Definition (trotz der letzten Jahre) gefühlt immer nur die irgendwie tragisch unglückliche Borussia sind! Weil wir doch eigentlich nur Abstiegskampf kennen!

Endlich glaubt die Mannschaft an sich

Dass Stadionbesuche aktuell wieder totalen Spaß machen und mitreißen, liegt auch an dieser wahnsinnigen Truppe. Natürlich spielt Borussia keinesfalls fehlerfrei. Das hat gegen Frankfurt vor allem die zweite Hälfte bewiesen, in der die Rose-Elf arge Probleme hatte und von Glück reden konnte, nicht doch das 2:2 zu kassieren. Man kann der Mannschaft aber nicht vorwerfen, dass sie nicht alles versuchen würde. Und ihr Glück notfalls auch erzwingt!

Denn es ist doch eine vollkommen neue Borussia-Tugend, dass eine Fohlenelf endlich wieder an sich glaubt. Vor allen Dingen, weil der einzig konstante Glaube in den letzten Jahren unter Schubert oder Hecking war, dass es am Ende doch noch ein Gegentor gibt. Nun erzielt die Mannschaft sogar in Phasen, in denen sie offensichtlich unter Druck gerät, noch ein Tor und verschafft sich dadurch wieder etwas Luft. Freilich muss man nicht direkt wieder das Gegentor erhalten wie gestern gegen Frankfurt beim 2:3. Die Anzahl an selbst herausgespielten Chancen und Möglichkeiten gibt aber Grund zur Hoffnung, dass offensiv eben immer etwas geht. Selbst wenn das Team hinten patzt. Und das ist doch eine tolle neue Qualität!

Foto: Ina Fassbender/AFP/Getty Images
Dieses Team wirft so schnell nichts aus der Bahn

Wir hätten es nach dem Saisonstart (vor allem mit der enttäuschenden Wolfsberg-Klatsche und unserer darauf folgenden Kritik) nicht gedacht, aber wir identifizieren uns voll mit dieser Mannschaft. Die Truppe ist aktuell offensichtlich ein homogenes Konstrukt, das nicht den Eindruck erweckt, sie könne so schnell etwas aus der Bahn werfen. Beispiele gibt es genug: Yann Sommer wirkt befreit und wie ein echter Führungsspieler, Nico Elvedi findet wieder zu Stabilität, Stefan Lainer ackert und kämpft wie ein Verrückter, dazu der momentan so unfassbar (!) grandiose, weil gefühlt nicht vom Ball zu trennende Denis Zakaria oder der so selbstbewusste Laszlo Benes, dem die aktuellen Leistungen vielleicht auch nicht jeder zugetraut hätte.

Vorne wirbeln natürlich die Naturgewalten Marcus Thuram und Breel Embolo (die vor allem in puncto Effizienz sicherlich sogar noch eine Menge Luft nach oben haben). Und dann sind da eben so Spieler wie Chris Kramer, Tony Jantschke, Oscar Wendt oder Patrick Hermann, die einfach funktionieren, weil sie solide abliefern. Gar nicht auszumalen, was noch möglich ist, wenn die aktuell eher formschwächeren Akteure wie Flo Neuhaus oder die gerade erst genesenen Spieler wie Lars Stindl, Jonas Hofmann, Jordan Beyer sowie die diversen Verletzten (Plea, Ginter, Johnson, Traoré, Strobl, Raffael) zurückkommen. Darauf kann man sich als Fan einfach nur freuen!

Es werden Rückschläge kommen

Vor allem, weil die Mannschaft endlich wieder lebt. Die Freude nach einem Sieg vor der Kurve kauft man den Jungs endlich wieder ab. Das Strahlen, die ehrliche Zufriedenheit, der Zusammenhalt. Dazu ein Trainerteam, das diese Einstellung auch fördert, indem es etwa nach einem Sieg ebenfalls mit in Richtung der Fans kommt und klatschend oder Arm in Arm hinter der Mannschaft steht. Das alles ist so wichtig und so wohltuend. Weil wir es aus Gladbach so nicht kennen. Und dafür kann man als Fan einfach mal DANKE sagen!

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Natürlich sind wir uns bewusst, dass es nicht so weitergehen wird und dass auch mal wieder Rückschläge kommen werden. Die Verletzung von Breel Embolo ist so eine Sache. Jetzt kann und muss die Mannschaft zeigen, wie sie mit einer ziemlich ausgedünnten Offensive umgeht. Irgendwie haben wir aber das Gefühl, dass der Truppe trotzdem keine Grenzen gesetzt sind. Dazu passen auch die Äußerungen von Dauer-Aggro-Sprinter Lainer („Natürlich dürfen unsere Fans auch vom Titel träumen! Und wir sind dazu da, unseren Fans möglichst alle Träume zu erfüllen!“). Klar kann man darüber ein bisschen schmunzeln und sie eher in die Schublade „Wunschdenken“ verfrachten. Aber es ist doch auch schön, wenn ein Spieler so etwas sagt. Glaube versetzt Berge!

Und darum geht es doch: Wir alle haben Jahre erlebt, die nicht so geil waren. Weil sie einfach keinen Spaß gemacht haben! Und jetzt haben wir wieder eine Mannschaft, die genau den verbreitet. Ob sie jetzt mal gewinnt oder verliert, ist dann doch irgendwie egal. Und ganz ehrlich: Wären wir BVB-Fan hätten wir vor Mittwoch etwas mehr Sorge als wir sie aktuell als Borussia-Anhänger haben. Und das ist doch ein richtig geile Beschreibung der aktuellen Lage.

Foto zu diesem Beitrag: Ina Fassbender/AFP/Getty Images

2 Gedanken zu „Eine Truppe zum Verlieben!

  • 29. Oktober 2019 um 9:56
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    Absolute Zustimmung!
    Der Wille und Einsatz zählt am Meisten. Ja, wir haben in Dortmund verloren, aber ich war dennoch zufrieden, weil ich gesehen habe das die Mannschaft alles gegeben hat.

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  • 31. Oktober 2019 um 7:01
    Permalink

    Schon wieder verloren. Und auch noch gegen eine Dortmunder B-Elf. Zum Verlieben? Zum Ko…….!!

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