Hamburg, war da was?

Am Sonntagabend gingen für zahlreiche Borussen die Wochen des Wahnsinns weiter – ausgerechnet in Hamburg. Dabei gab es auf der Zielgeraden der Schalke-HSV-Wochen nach einem turbulenten Spiel eine 1:2 Niederlage – gleichermaßen verdient wie vermeidbar.

Nein, über das Treiben auf den Rängen gibt es vom Sonntagabend sicherlich nicht viel Nennenswertes zu berichten. Trotz der zahllosen Spiele und Reisen in den vergangenen Wochen, entschlossen sich erstaunlich viele Borussia-Fans zu einem Wochenendtrip nach Hamburg – inklusive Zweitliga- und Reeperbahn-Besuch. Einige Gesichter im Block sprachen Bände. Und obwohl die Fahrten mit Borussia ja der schönste Stress der Welt sind, präsentierten sich auch viele Tagesreisende deutlich angeschlagen: Die zahllosen englischen Wochen in Serie samt Reisen und Spielen unter der Woche bis spät in die Nacht hinterlassen ihre Spuren. Vielleicht blieb die Stimmung im Auswärtsblock auch deshalb insgesamt eher durchwachsen. Ein Highlight war sicherlich die Häme nach dem verfrühten Torjubel der Hamburger in der ersten Halbzeit. Viel mehr war dann aber auch nicht.

Dass die Fans aus dem hohen Norden am Ende dann doch endlich mal wieder jubeln durften, geht eindeutig auf die Kappe unserer Spieler. Das müsst ihr Euch selbst zuschreiben, Jungs! Unmittelbar nach der ersten (korrekten) Abseitsentscheidung von Schiedsrichter Aytekin folgte ein grandioser Konter, an dessen Ende (der als Knipser verpflichtete) Josip Drmic eigentlich das 2:0 hätte erzielen müssen. Leider ist Fußball immer noch kein Konjunktiv-Spiel!

ENTTÄUSCHENDE ZWEITE HALBZEIT

Da in der Folge irgendein Tor des HSV nun mal zählen musste und Patrick Herrmann ebenso kläglich wie Drmic vergab, ging es mit einem 1:1 in die Pause. Ein zwar nicht ungerechtes Ergebnis, das jedoch aus Sicht der Borussia ärgerlich war, da eine 3:1-Führung eben locker drin gewesen wäre. Angesichts des Spiels mit zwei schwachen Defensivreihen und einer gefährlicheren Offensive der Fohlenelf, blickten große Teile des Gästeblocks der zweiten Hälfte da allerdings noch positiv entgegen.

So kann man sich täuschen! Warum unsere Jungs die Offensivbemühungen im zweiten Durchgang schlicht einstellten, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Plötzlich präsentierte sich die Fohlenelf unsicher, der Ball konnte kaum in den eigenen Reihen gehalten werden. Der HSV machte aus seinen limitierten fußballerischen Möglichkeiten dagegen das Beste, drängte auf den Sieg, schlug hohe Bälle, gewann nahezu jeden zweiten Ball und wurde zehn Minuten vor Schluss folgerichtig belohnt.

Sicherlich musste die Elf von Dieter Hecking den letzten Wochen Tribut zollen. Das sollte aber nicht als alleinige Entschuldigung gelten. Hecking hatte wieder einmal die Rotations-Maschine angeworfen – insbesondere die Offensivkräfte hätten sich doch auf ihre Schnelligkeit und Konterstärke besinnen können. Stattdessen: schwaches Zweikampfverhalten, zahllose Aufbaufehler im Spiel nach vorne und leichtsinnige Fehler im Defensivverhalten. Da reicht es eben selbst für einen Punkt in Hamburg nicht. Sicherlich die schwächste Halbzeit unter Hecking – vielleicht sogar eine der schlechtesten in der gesamten Saison. Einer der wenigen Lichtblicke bei dieser Leistung war jedoch die Rückkehr von Nico Elvedi. Obwohl er beim Ausgleichstreffer unglücklich aussah, zeigte er gerade im Spielaufbau die Qualität, die ihn in der Hinrunde zu einem der stabilsten Spieler machte. Aus unserer Sicht ist er definitiv eine weitere Option für die nächsten Wochen.

KRÄFTE SAMMELN FÜR DONNERSTAG

Allerdings sollten wir Fans das Ganze im Angesicht der vergangenen Wochen nicht zu hoch hängen. Niemand hat ernsthaft denken können, dass unsere Truppe jetzt niederlagenlos durch die Liga marschiert. Trotz der bitteren Pleite rangiert die Mannschaft nur drei Punkte hinter Platz sechs. Klar, der Zeitpunkt kurz vor dem Bayern-Spiel ist ärgerlich. Die zahllosen Spiele sind körperlich und mental aber eben eine Belastung. Und das kommende wichtige KO-Spiel gegen Schalke war – auch wenn es niemand zugeben würde – wohl schon in den Hinterköpfen.

Daher lässt die Partie in Hamburg, da sind wir uns sicher, keinerlei Rückschlüsse auf den Auftritt am Donnerstag zu! Auch wenn die Schalker ihr Sonntagsspiel souverän 3:0 gewinnen konnten, werden wir, wenn die Spieler sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren, eine Runde weiterkommen. Und das nicht nur wegen des alten Sprichworts von der verpatzten Generalprobe, sondern weil die Schalker sich ganz genau erinnern werden, wie sie vor einer Woche im Borussia-Park filetiert wurden. Insofern gilt für Fans und Mannschaft: vier Tage durchschnaufen, die Sinne zusammen bekommen und am Donnerstag als Einheit Schalke weghauen.

Und dann stehen wir gemeinsam in der Nordkurve und denken uns alle gemeinsam: Hamburg, war da was?!

Foto zu diesem Beitrag: MitGedacht.

6 Gedanken zu „Hamburg, war da was?

  • 14. März 2017 um 5:24
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    Was die Meinung zur aktuellen Situation angeht sehe ich das genau so wie ihr. Ich steh´ zwar inzwischen nicht mehr in der Nord- sondern sitze in der Südkurve, aber lasst uns gemeinsam die Gelsenkirchener am Donnerstag aus dem Stadion singen und den Einzug ins Viertelfinale der Europaleague feiern!
    Wer hätte noch vor drei Monaten geglaubt, dass wir über diese Optionen verfügen werden (DFB-Pokal Halbfinale, EL-Achtelfinale, Liga 3 Punkte auf Platz 6)?

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  • 14. März 2017 um 8:04
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    Die Situation in der Hinrunde war ähnlich nach 7 Spielen, die Punkte Ausbeute zwar mit 15 Punkten besser, aber damals verlor man die Spiele nicht unbedingt verdient. Außerdem waren die Reisebedingungen etwas schlechter. Die Punktausbeute von André Schubert war nach seinen ersten 8 Spielen übrigens 22 Punkte. Bin gespannt wie es sich unter Hecking weiter entwickelt. Die Probleme liegen / lagen nicht beim Trainer. War das Maximale was André Schubert aus der Manschaft heraus geholt halt. Mehr ist nicht drin. Nur hatte er viel Pech. Bin gespannt wie die nächsten Spiele verlaufen.

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    • 14. März 2017 um 9:56
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      Naja, diese Rechenexempel empfinde ich genau als das: Rechenexempel ohne weiteren Wert.
      Schubert hat die Mannschaft damals entfesselt: alles richtig gemacht!
      Aber seine Kommunikation und auch seine Spielsystemwechsel in der Hinrunde waren ein Katastrophe. Und führten auch zu einer immer schlechter spielenden Mannschaft, der Ausreden (Verletzte, Belastung) auf dem Silbertablett geliefert wurden. Ich denke Schubert ist ein guter Trainer, aber tatsächlich auch noch in einer Lernphase. Bei seiner (hoffentlich) nächsten Bundesligastation wird er mit Sicherheit auch wieder einiges anders handhaben.

      Weder Favre noch Schubert haben in Ihren letzten Spielen das Optimum aus der Mannschaft geholt. Das Optimum sind eben die erfolgreichen, tollen Spiele zu denen die Mannschaft ja durchaus fähig ist. Mir erscheint die Mannschaft leider ein wenig stimmungsabhängig: kann sich in einen Lauf spielen, aber auch leicht verunsichern. Das Gladbach keinen Psychologen, Mentalcoach o.ä. im Stab hat finde ich einen echten Mangel. Muss ja nur ein Angebot an die Spieler sein, keine Verpflichtung, aber die können schon einiges bewegen. Das Spieler wie Sommer dann privat einen nutzen spricht ja Bände.

      Über die Mannschaft nach dem HSV Spiel den Stab zu brechen halte ich für unfair. Auch hier kann man ja fehlendes Glück/Chancenverwertung anführen. Und auch ich kann nen paar Zahlen liefern: Da fehlten mit Hazard, Stindl, Raffael die drei Spieler, die 63 % der Tore für die Borussia erzielt haben und an 50% der Scorerpunkte beteiligt waren. Die Bayern ohne Robben, Ribery und Lewandowski hätten auch ein anderes Gesicht. Vor dem Hintergrund fand ich die Leistung ganz respektabel.

      Hecking gefällt mir mit seiner Art momentan sehr gut: Kein übertriebenes Schulterklopfen nach den Siegen, sondern weiter fokussiert arbeiten; kein Lamentieren über Verletzte oder Belastung und erstmal die Fokussierung auf ein klares Spielsystem, was dann wahrscheinlich sukzessive um andere Varianten erweitert wird. Und endlich mal wieder gefährliche Standards!

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      • 14. März 2017 um 10:35
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        100% agree…besser hätte ich es nicht in Worte fassen können.

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      • 14. März 2017 um 13:14
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        Das man keinen Mentaltrainer hinzunimmt halte ich auch für einen Fehler, habe aber auch den Eindruck, dass Mentaltrainer immer noch ein wenig belächelt werden in der Liga und das obwohl die erfolgreichen Sportler immer erst richtig gut wurden nachdem sie deren Hilfe in Anspruch nahmen.
        Du selbst entschuldigst die mangelnde Leistung durch das Fehlen einiger Spieler gleichzeitig gestehst du das Trainern nicht zu. Das war auch in der Hinrunde oft der Fall, daß Fehlen von Spielern.
        Zahlenspiele werden von der Presse immer wieder gebracht je nachdem was man belegen möchte.
        Die Manschaft und einige Spieler werden mir wieder zu sehr gelobt und das dafür, dass sie mal Leistung bringen, die sie teilweise in der Hinrunde verweigert haben.
        André Schubert war einfach zu progressiv für Gladbach und deren Fans. Da passt der biedere Hecking schon besser.

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  • 16. März 2017 um 10:00
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    Ob Schubert nun „zu progressiv“ war und ob Hecking nun „bieder“ ist, Fakt ist, dass in der Hinrunde einige Spiele tatsächlich auch sehr unglücklich für Gladbach verliefen (man denke nur an zwei (!!) verschossene Elfmeter gegen den HSV oder auch den Derbysieg der Kölner, die sich nach dem Spiel in der Kabine vermutlich gefragt haben, wie sie überhaupt zu den drei Punkten gekommen sind).

    Aus meiner Sicht wollte Schubert zu schnell zu viel. Natürlich ist es toll, wenn eine Mannschaft flexibel reagieren kann, man das System sogar während des Spiels umstellen kann. Teilweise ist das ja wohl auch gelungen, aber irgendwann sind die Spieler dann auch überfordert (beispielsweise, wenn ein Spieler während 90 Minuten auf drei (!) verschiedenen Positionen spielt). Irgendwann kennt dann keiner mehr die Laufwege und man gerät zusehends durcheinander. Und dann läuft es eben weder vorn noch hinten zusammen, Misserfolge stellen sich ein und durch diese hat man dann auch Verunsicherung im gesamten Team und fällt teilweise auch über die eigenen Füße.

    Dass Hecking der Mannschaft jetzt erst einmal ein stabiles Gerüst verpasst hat, mag zwar so manchem „bieder“ erscheinen, aber jeder in der Mannschaft weiß jetzt erst einmal, was er zu tun hat. Und so sehr die Veränderungen, die sich Schubert gewünscht hat – oder gewollt hat – eine tolle Sache an sich waren, so wäre niemandem geholfen gewesen, „in Schönheit und Flexibilität“ in die 2. Liga zu gehen. Hecking ist eben, so empfinde ich das, „ein ehrlicher Malocher“ und das tut der Mannschaft jetzt offenbar gut. Im Verbund mit Bremser geht es auch mit den Standards voran und auch das ist eben eine von den Möglichkeiten, mit denen man Tore machen kann. Das Üben von Standards grundsätzlich zu vernachlässigen ist aus meiner Sicht keine so gute Idee.

    Nun werden wir sehen, wie es weitergeht und die Saison kommt hoffentlich noch zu einem versöhnlichen Abschluss.

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