Impressionen aus Turin: Italienische Sehnsucht

Es war ein tollkühner Plan, den die MitGedacht.-Redaktion samt Borussia-Freundeskreis da für unser Auswärtsspiel in Turin ausgeheckt hatte. Weil die Reisegruppe relativ zügig auf stattliche 15 Leute anwuchs und sich kurzfristig attraktive 40-Euro-Flüge ergaben, entschieden wir uns überstürzt für ein abenteuerliches Gesamtpaket: Fünf Tage (Montag-Freitag) zur Miete in der „Villa Cappuccino“, einer alten Stadtvilla, nahe Po. Herrlich!

Die Anreise lief dieses Mal über den Flughafen in Charleroi, dem Düsseldorf-Weeze Belgiens. Aufgrund unseres bescheidenen Organisationstalentes und einiger verkehrstechnischer Vorwarnungen, entschieden wir uns am Montagmorgen zu einer sehr zeitigen Anreise. Eine gute Idee, denn: Im Großraum Lüttich bretterten wir beinahe in einen 12-Kilometer-Stau hinein. Die belgischen Bahnangestellten streikten und blockierten auch die Autobahnen. Irgendwie schafften wir es doch noch pünktlich nach Charleroi. Typisch!

Einige touristische Highlights

Im Flugzeug erblickten wir – zumindest am Montag – noch recht wenige Borussen. Schon vorher war klar, dass ein Großteil der Allesfahrer per Sonderzug oder Bus anreisen würden. Viele Andere wollten entweder von Mittwoch bis Freitag bleiben oder aber über Mailand nach Turin fahren. Dementsprechend bevölkerte neben uns nur noch eine Handvoll anderer VfL-Fans das Flugzeug.

Nach einem fantastischen Flug über die Alpen erblickten wir schon früh aus der Luft Turin. Dieser Landeanflug hat es wirklich in sich – ein erstes Highlight, noch bevor wir italienischen Boden betraten. Gleich vorweg: Die Hauptstadt des Piemonts ist wirklich wunderschön! Wir können die Meinung einiger anderer Borussen nicht teilen, die Turin als dreckig beschrieben. Nun muss man zugeben, dass wir auch fünf Tage Zeit hatten, um uns die schönsten Ecken zu suchen. Highlights unseres touristischen Programms: Das Po-Ufer, die diversen kleinen Kirchen (von außen unscheinbar, von innen prunkvoll), das Studenten-Viertel und die Altstadt. Turin, so das allgemeine Echo unserer Reisegruppe, sollte man mal gesehen haben!

Einige Liter Wein, einige Hundert Dosen Bier

Natürlich flanierten wir aber nicht nur „tourimäßig“ durch die Stadt. Jedem gewieften Allesfahrer sollte klar sein, worin eine Woche von knapp 15 Jungs in einer alten Stadtvilla endet. Und so wurde die „Villa-Cappuccino“, übrigens nach dem „Monte Cappuccini“ direkt am Po-Ufer benannt, zum Epizentrum des Turiner Nachtlebens – jedenfalls für uns. Einige Liter Wein, einige Hundert Dosen Bier und ein paar Flaschen Schnaps zeugen von einer grandiosen Woche. Selbstredend kam uns auch die Erstsemester-Woche in Turin entgegen. Wir statteten gleich zwei Erasmus-Partys einen Besuch ab – mehr oder weniger erfolgreich!

Am Spieltag schlossen wir uns nicht dem „großen“ Mob rund um die beiden Pubs „Shamrock“ und „Murphys“ an. Dienstagabend hatten wir – gemeinsam mit der im Bus anrollenden Ultraszene – noch versucht, einen anderen Treffpunkt zwischen Stadt und Stadion auszuloten. Leider ist in Italien mittags kneipentechnisch wirklich „Tote Hose“. Deshalb verlagerte unsere Reisegruppe die Einstimmung aufs Spiel zunächst aufs heimische Sonnen-Deck und vertrieb sich die Zeit anschließend mit knapp 200 anderen Borussen in einem Park in Po-Nähe. Von dieser Stelle noch einmal Grüße an alle Mitsänger unseres alkoholgeschwängerten Ibo-Traoré-Songs!

Machen wir es kurz: Die Stimmung des Gästeblocks muss zwingend als fantastisch bezeichnet werden! Fast durchgehend standen 4.000 Borussen wie ein zwölfter Mann hinter der Mannschaft. Die Fans trieben unsere Elf nach vorne und feierten sie über 90 Minuten frenetisch ab. Was für ein Auftritt! Kompliment an alle Borussen, die vor Ort waren!

Auf Anraten diverser Sicherheitskräfte machten wir uns gegen halb sechs pünktlich auf den Weg in Richtung Stadion. Die Polizei stellte erwartungsgemäß nur wenige Shuttle-Busse zur Verfügung. An dieser Stelle wollen wir uns in Teilen (!) der Kritik aus der Sottocultura-Blockflöte vom Sonntag anschließen. Es muss zumindest die Frage erlaubt sein, warum die deutschen Sicherheitskräfte von Verein und Polizei nicht für mehr Busse sorgen konnten. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass ein Großteil der Ultras bereits in den Bussen stand und wieder ausstieg. Insgesamt eine vertrackte Situation, die man wohl nur hätte umgehen können, wenn ALLE Borussen frühzeitig „per pedes“ zum Stadion aufgebrochen wären!

Kompliment an alle Borussen vor Ort!

So wurde die Szene leider etwas gesplittet. Ein Teil fuhr per Bus-Shuttle, knapp 500 Borussen machten sich zu Fuß auf den Weg zum neuen „Juventus Stadium“. In unseren Augen kann sich das Stadion wirklich sehen lassen. Von außen hebt es sich durch die beiden Masten und die italienische Farbgebung durchaus von den üblichen 0815-Arenen ab. Von innen weiß es allerdings vollends zu überzeugen: Die steilen Ränge, die geile Akustik, die Nähe zum Spielfeld – all das trug letztlich zu einem grandiosen Abend bei.

Denn machen wir es kurz: Die Stimmung des Gästeblocks muss zwingend als fantastisch bezeichnet werden! Fast durchgehend standen 4.000 Borussen wie ein zwölfter Mann hinter der Mannschaft. Die Fans trieben unsere Elf nach vorne und feierten sie über 90 Minuten frenetisch ab. Highlights: Der VfL-Wechselgesang kurz vor Schluss, eine Hüpfeinlage und das VfL-Gebet. Was für ein Auftritt! Kompliment an alle Borussen, die vor Ort waren!

Enttäuschende Juve-Kurve

Zur Heim-Kurve: Vor dem Anpfiff hofften wir doch noch auf einen guten Auftritt. Die Zaun-Beflaggung, das Abfeiern einzelner Spieler beim Aufwärmen und die Vereins-Hymne wussten zu überzeugen. Mit Anpfiff verflog dieser Eindruck aber vollends. Ein wirklich enttäuschender Auftritt der „Curva Sud“, die das schwache Bild der Juve-Anhänger abrundete. Auch in der Stadt entdeckten wir kaum Juventus-Fans. Beispielshaft: Selbst als wir am Donnerstagabend in relativ großer Anzahl stark angetrunken durch die Stadt schlenderten und uns offensichtlich als Gladbacher zu erkennen gaben, kam nichts. In jeder anderen Stadt hätte man uns zumindest zu mehr Contenance aufgerufen! Juve, das war nix!

Und so kamen wir nicht erst auf dem Rückflug am Freitagmittag, dieses Mal übrigens in einem Flieger voller Borussen, zu der klaren Erkenntnis: Dieses Auswärtsspiel war eine richtig große Nummer! Wir haben eine grandiose Tour erlebt! Außerdem hat unsere Fanszene im Europapokal auswärts mal wieder ein Ausrufezeichen gesetzt! Borussia international ist einfach das Größte! Lasst uns alles dafür geben, dass wir dieses Gefühl auch in Zukunft erleben dürfen!

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Alle Fotos zu diesem Beitrag: MitGedacht.

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