Kein Grund zur Sorge

Borussia ist raus – aus dem DFB-Pokal! Julian Brandts Doppelschlag in der Schlussphase machte alle Gladbacher Hoffnungen binnen 180 Sekunden zunichte und beendete die schwarz-weiß-grüne Pokalsaison 2019/20. Eine bittere Niederlage, nach der aber alle Gladbacher Borussen die Nerven behalten dürfen!

Um es gleich vorweg ehrlich zu sagen: Eine Niederlage in einem K.O.-Spiel gegen den BVB – zumal mit einem Doppelschlag in der Schlussphase – lässt sich nicht schönreden. Zu groß ist die Sehnsucht, unseren Verein einmal im Pokalfinale in Berlin zu erleben. Und zu groß ist auch die Abneigung gegen die Schwarzgelben. Doch auch für uns Fans gilt es, ein solches Spiel konstruktiv zu analysieren. So schwer das fällt!

Den BVB in die Ecke gedrängt

So kurz nach Spielende überkam den einen oder anderen Fan fast schon der Wunsch nach einer deutlicheren Niederlage. Manchmal ist es so kurz nach Spiel einfacher, eine klare Niederlage zu verdauen als einen solchen Tiefschlag – auch noch in den letzten Minuten des Spiels. Auch heute noch ist die Niederlage für uns nicht so richtig nachvollziehbar.

Schließlich hat Borussia innerhalb von zwei Wochen bereits das zweite gute Auswärtsspiel in Dortmund gemacht. Dieses Mal hatten unsere Jungs den BVB am Rande der Niederlage. Über weite Strecken hatte die Rose-Elf das Geschehen im Griff, der BVB taumelte durch den Ring. Lange Zeit gelang allerdings kein richtiger Punch. Ausgerechnet als der gelungen war, schlug es aus der schwarzgelben Ecke krachend zurück. Bis zum K.O. Das Sprichwort des angeschlagenen Boxers ersparen wir euch an dieser Stelle. Würde aber passen!

Irregulärer & glücklicher Ausgleichstreffer

Besonders bitter ist, dass der Ausgleich nach einer Abseitsstellung fällt und doppelt abgefälscht ins Tor kullert. So stellte der BVB in drei Minuten das gesamte Spiel auf den Kopf und zog das eigene Haupt in letzter Sekunde aus der Schlinge. Dass der Schiedsrichter das Abseits übersah ist unglaublich bitter, aber eben nicht zu ändern. Bekanntlich gibt es in der zweiten Pokalrunde noch keinen Videoschiedsrichter.

Auch deshalb fühlt sich die Niederlage auch heute noch irgendwie ungerecht an. Natürlich werden jetzt einige Leser (vollkommen zurecht) anmerken, dass Fußball eben nicht gerecht ist. Ansonsten wäre der VfL schließlich Rekordmeister- und Champions League-Sieger. Mindestens. Und der BVB wäre pleite und in der Versenkung verschwunden. Und trotzdem tut dieses 1:2 gestern weh.

Letzte Konsequenz hat gefehlt

Freilich hat Borussia letztlich auch eigenes Zutun zu diesem Ergebnis. Denn wie es im Fußball so oft ist, waren es Kleinigkeiten, die am Ende fehlten. Einmal mehr war unsere Truppe im Abschluss nicht konsequent genug. Neuhaus und Thuram hatten eine frühere Führung auf dem Fuß. Wieder war es dieses bisschen Konzentration, das vor dem Tor fehlte. Wie schon im Ligaspiel in Dortmund.

Vielleicht lassen sich auf die abfallende Konzentration des Teams auch die Gegentore in der Schlussphase zurückführen. Denn bei allem bereits angeführten Pech, darf es einfach nicht sein, dass die Dortmunder urplötzlich eingeladen werden. Der Gegner fand vor dem 1:0 nahezu kaum statt. Wieso die defensive Klarheit mit dem eigenen Treffer flöten ging, können wir nur mutmaßen. Der Mannschaft, die durch viele Verletzungen gebeutelt ist, fehlte am Ende offenbar ein wenig Frische. Verwunderlich ist das bei der aktuellen Schlagzahl an Spielen nicht. Die Verletzung von Bensebaini und die deutlichen Verschnaufpausen, die sich beispielsweise Lainer im Spiel nehmen musste, sprechen Bände.

Positives rausziehen & durchbeißen

Weil es allerdings keine wirkliche Entlastung in Sicht ist, heißt es bis zur Länderspielpause: Augen zu und durch. Unser Kader muss sich da leider irgendwie durchbeißen. Für die mentale Frische ist es mit Sicherheit gut, neben den Fehlern auch das herauszuarbeiten, was gut lief. Und da lässt sich festhalten, dass unsere Borussia in Dortmund zweimal sehr gut auftrat. Insbesondere in Sachen Körpersprache, Organisation und auch spielerisch!

Das wollen wir noch einmal explizit herausstellen – vor allem, weil es gegen einen Verein ging, der sich im Vorfeld der Saison als Meisterschaftskandidat ausgab. Wenn man sieht, wie sich Mannschaft und Verein aktuell präsentieren, wirkt das allerdings eher wie ein schlechter Witz. Dazu passt, dass wir im Vorfeld des Spiels gleich mehrfach von BVB-Anhängern hörten, unsere Borussia sei doch Favorit. Diese Ehrfurcht ehrt uns zwar, zeigt aber dann doch, dass Dortmund in puncto Mentalität meilenweit vom Meisterschaftsniveau entfernt ist. In München würde sich niemand dermaßen klein machen.

Rose sieht Rot

Wir sollten einfach mitnehmen, dass unsere Mannschaft noch ein extrem großes Potenzial hat – ob durch die vielen Verletzte, aber eben auch kleine Fehler. Im Großen und Ganzen hat die Mannschaft in den letzten Wochen aber bewiesen, dass sie auf einem sehr guten Weg ist. Rückschläge hat Borussia immer wieder zum Anlass genommen, im nächsten Spiel einen Schritt nach vorne zu machen. Insofern macht das Ausscheiden in Dortmund – so schmerzhaft es auch war – doch auch ein wenig Hoffnung. Fehleranalysen kann das Trainerteam um Marco Rose.

Apropos Rose: Unser Coach sah in der Schlussphase die rote Karte. Über einen unberechtigten Eckball hatte er sich offenbar etwas zu sehr echauffiert. Insbesondere nach dem Abseitstor der Dortmunder kann die Emotionalität wohl jeder Fan verstehen. Wir schließen uns Max Eberl an, der angesichts der Situation etwas mehr Fingerspitzengefühl vom Unparteiischen gefordert hatte. Aber auch abseits davon sollte das Rose niemand übel nehmen. Rund um den Borussia-Park hat bisher niemand den Eindruck, dass unser Trainer ein polternder Unsympath ist. Aber am Platz stehen Menschen. Und zwar Menschen, die nur durch besonderen Ehrgeiz dahingekommen sind, wo sie heute stehen. Insofern ist das völlig in Ordnung.

Es zeigt, dass Rose mit Feuereifer und Emotion dabei ist. Diese Emotionen gilt es mit nach Leverkusen zu nehmen. Dann sind wir frohen Mutes, dass es wieder eine Reaktion gibt.

Foto zu diesem Beitrag: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

4 Gedanken zu „Kein Grund zur Sorge

  • 31. Oktober 2019 um 21:19
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    Liebes Mitgedacht-Team! Erst einmal einen herzlichen Dank für eure tolle Arbeit, die ich gerne immer wieder lese. Leider konnte ich das Spiel nicht live erleben und schaute es mit den Kids zu Hause. Ja, die Niederlage tat weh, und doch waren wir begeistert von diesem Spiel, von dieser Mannschaft und dieser Aura, die unser VFL zur Zeit zum Besten gibt. Die Enttäuschung über die Niederlage war groß, aber mit dieser tollen Leistung ist der Schmerz nur halb so schlimm. Mund abwischen, Kopf sortieren, Rom steht vor der Türe. (Dort hatten wir das Glück, nun hatte es der BVB, so ist „unser“ Fußball …). Schauen wir nach Europa, schauen wir auf die Bundesliga, nutzen wir die freien Kräfte, – weiter gehts!

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  • 1. November 2019 um 9:10
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    Was nehmt ihr alle für ein Zeug? Das Team spielt kämpferisch/ läuferisch am Limit. Mit den offensichtlichen Folgen. Muskelverletzungen ohne Ende. Spielerisch war das aber nichts besonderes, was da gegen eine Dortmunder B Elf abgeliefert wurde. Eine Fehlpassorgie auf beiden Seiten. Fehlerfußball. Ein Lattenknaller und zwei üble Gladbachfehler, die Brandt nutzen konnte. Das war alles auf Dortmunder Seite. Ansonsten ein unterirdischer Kick des BvB. Aber selbst den konnten die Gladbacher nicht nutzen. Auf deren Seite einmal Thuram gescheitert und einmal Thuram erfolgreich. 2 Torchancen in 90 Minuten. Also bleibt mal auf dem Teppich. Das Team macht riesig Spaß und Rose macht es super. Aber spielerisch ist noch viel Luft nach oben und gegen Gegner aus der BL Spitze sieht es bisher ergebnisbezogen eher mau aus. Mal abwarten, wer gegen die Pillen auflaufen kann. Bundesliga ist wichtig. Der Pokal interessiert seit Mittwochabend keine schwarzweißgrüne Sau mehr.

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    • 5. November 2019 um 21:08
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      Kann man den *ölner „Fan“ hier nichtmal endlich sperren….

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  • 2. November 2019 um 8:35
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    @DocMa: Also, der Pokal interessiert Dich nicht mehr? Hmmmm….

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