Lot jonn, André!

Nun ist offiziell, was kaum mehr jemanden überrascht: Borussia und André Schubert gehen getrennte Wege. Wir haben zwar Ende vergangener Woche bereits kundgetan, dass wir die Trennung für unvermeidbar halten, möchten André Schubert aber dennoch danken!

Als der damalige U23-Trainer die Profis am 21. September 2015 übernahm, da galt er nur als eine Lösung auf Zeit. Als Interimscoach sollte er ein wenig Ruhe reinbringen, während im Hintergrund der neue Chef gesucht wurde. So weit, so gut. Dass er nun erst ein gutes Jahr später seinen Platz räumen muss, hat vor allem einen Grund.

Karrieresprung Fohlenelf: von der Notlösung zum Cheftrainer

Innerhalb weniger Wochen wurde Schubert von der vermeintlichen Notlösung zum Retter hochgejazzt. Er schaffte es, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Der von ihm zum Kapitän ernannte – und dadurch deutlich stärkere – Granit Xhaka sagte damals: „Der Trainer hat uns den Spaß zurückgebracht.“ Schubert drehte an ein paar Stellschrauben und unsere Jungs kamen aus dem Siegen im Herbst 2015 kaum noch heraus. Am Ende einer völlig verrückten Saison führte er unsere Mannschaft vom 18. Platz mit null (!) Punkten nach dem 5. Spieltag auf einen vierten Platz. Über diesen schafften Schuberts Jungs im Sommer souverän den Sprung in die Königsklasse. Selbst die schärfsten Trainer-Skeptiker werden diese bärenstarke Leistung anerkennen müssen!

Dass er nun gehen musste, hat diverse Gründe. Natürlich hat er Fehler gemacht. Das wird Schubert ebenso erkannt haben, wie die mangelnde Punkteausbeute der letzten Monate sowie die schwache Auswärtsbilanz von nur zwei Bundesligasiegen auf fremden Plätzen in den vergangenen gut 13 Monaten. Seine Kritiker warfen ihm immer wieder vor, er würde die Augen vor den Negativentwicklungen verschließen. Wir sind uns jedoch sicher, dass er intern klare Worte gefunden hat. In seiner – mit Sicherheit nicht immer glücklichen – Außendarstellung, hat er sich selber zwar einen Bärendienst erwiesen, weil er viel Kritik einstecken musste. Seine Mannschaft hat Schubert damit aber immer wieder geschützt. Das ist ihm hoch anzurechnen!

Schubert brach unter dem Favre-Erbe zusammen

Leider haben die vergangenen Monate auch gezeigt, wie wenig nachhaltig das aktuelle Fußballgeschäft sowie die Meinungen von Fans und Medien sind. Denn dass ein Trainer, dessen grüner Pulli vor ca. einem Jahr noch als Wunderwaffe überall vergriffen war und der landläufig als „Schubidu“ gefeiert wurde, nur knapp 12 Monate später zum Abschuss freigegeben ist, finden wir bedenklich. In einigen Blogs und Medien galt der Schubert-Fußball im Sommer zwar als risikoreich, aber auch als unglaublich variabel, innovativ und zukunftsträchtig. Die Schubert-Borussia war der heiße Scheiß des modernen Fußballs. Irgendwo zwischen der Verheißung, die Bundesliga ohne riesige Geldgeber wieder spannend zu machen und einer Revolution in Sachen taktischer Variabilität.

Zugegebenermaßen lobten auch wir den aktuellen Kader im Sommer in den höchsten Tönen, haben jedoch auch immer betont, dass die Konkurrenz riesig ist und Verletzungspech immer zuschlagen kann! Viele Fans rechneten wohl nicht mit diesen Faktoren. Auch das „eberlsche Understatement“ kam bei den meisten Anhängern nicht an.

Und Schubert? Der war bei großen Teilen der Fans trotz der Erfolge der vergangenen Saison nie unumstritten. Das lag sicher auch an seinem Vorgänger. Für viele Gladbacher gilt Lucien Favre bis heute als „Godfather“ des Trainer-Daseins. Vermutlich hätte Pep Guardiola auf den Schweizer folgen können – die Fans hätten ihn nur mit dem populären Vorgänger verglichen und stets das Haar in der Suppe gesucht. Favres Erbe war auch für Schubert immer eine Last – eine Last, unter der er nun zusammengebrochen ist. Und das ist viel zu einfach, um nicht zu sagen: Unfair!

Denn vor allem wir Fans sollten nie vergessen, dass Schubert dem Verein in einer wahnsinnig schwierigen Phase überragend aus der Patsche geholfen hat. Er hat das Risiko der Favre-Nachfolge getragen und den Karren aus dem Abstiegssumpf in die sonnige Königsklasse gezogen! Er hat Spieler wie Hazard, Elvedi oder Dahoud zu gestandenen Bundesligaspielern gemacht! Er hat die Borussia taktisch flexibel aufgestellt – etwa mit der Installation der (mittlerweile von München bis Nizza praktizierten) Dreierkette in Mönchengladbach.

Ekstatische André-Schubert-Rufe waren aus der Nordkurve jedoch nie zu hören.  Natürlich auch, weil Schubert Fehler gemacht hat. Mit seinen taktischen Finessen überforderte er die Mannschaft teilweise. Teilweise drei Systeme in einem Spiel – schlicht zu viel! Allerdings wurden Schubert auch kleinere Fehler nie verziehen, etwa unverständliche oder späte Wechsel und schrullige Antworten in der Presse. Seine unbequeme Art kam nie in der Kurve an, sie wurde ihm sogar als Arroganz ausgelegt. Viele Anhänger warfen ihm in den letzten Monaten vorschnell vor, Favres Arbeit der vergangenen Jahre zu zerstören.

Letzten Endes ist aber auch die Mannschaft gefordert

Mit dieser (nur in kleinen Teilen nachvollziehbaren) Anti-Haltung haben viele Fans den Spielern leider ein Alibi geschaffen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die Mannschaft auch 2015 unter Favre aus einer scheinbar rosigen Lage unerklärlich abstürzte und damit schon einen Trainer „verbrauchte“. Schubert brachte sie wieder in die Spur, konnte einen abermaligen Einbruch jedoch nicht verhindern. In letzter Konsequenz trägt der Coach die Verantwortung. Schuldlos an der Misere sind hingegen auch die Jungs auf dem Platz nicht!

Wir hoffen jedenfalls, dass André Schubert die Borussia dennoch in guter Erinnerung behält. Denn auch für ihn war es sicher eine Zeit am Limit! Diese wahnsinnig erfolgreiche letzte Saison, Siege gegen die Bayern und rauschende Nächte gegen Manchester, Barcelona oder Glasgow. Sicher bleibt er ein streitbarer Typ. Jedoch ganz sicher auch ein Typ, der den Fußball liebt, lebt und entwickeln möchte. Ihm ist nicht alles gelungen. Das wird es auch in Zukunft nicht.

Erneuter Beweis für die Schnelllebigkeit des Fußball-Geschäftes

Schubert hat in Mönchengladbach ein intensives Jahr erlebt, in dem wir alle viel gelernt haben. Sein Engagement zeigt wieder einmal, wie schnelllebig der Fußball ist. Wenn wir Fans uns gegen bestimmte Entwicklungen in unserem Sport stellen, Tradition fordern und Kontinuität in den Vereinen wollen, dann tun wir gut daran, die Arbeit der Verantwortlichen fair zu bewerten! Das hilft letztendlich allen. Und dann vielleicht auch André Schubert bei seiner nächsten Station.

Denn die, lieber André, wird kommen. Da sind wir uns sicher. Wir wünschen Dir weiterhin alles Gute. Wir sind Dir ehrlich dankbar für viele geile Momente, Touren und Abende, die uns die Borussia unter Deiner Führung geschenkt hat. Wir hoffen, dass Du dich trotz der letzten Wochen gerne an Deine Zeit in Mönchengladbach zurückerinnerst.

Wir sehen uns sicher wieder. Lot jonn, André!

Foto zu diesem Beitrag: Twitter-Auftritt von Borussia

3 Gedanken zu „Lot jonn, André!

  • 21. Dezember 2016 um 13:28
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    Vielen Dank Andre für den Klassenerhalt und die Championsleague, vielen Dank das du unsere Borussia in einer schwierigen Zeit übernommen hast. Dankeschön für tollen Angriffsfußball, zeitweise schön anzuschauen aber nie ohne Makel.
    Letztendlich hat es leider nicht gereicht die Mannschaft weiterzuentwickeln, was auch an der Mannschaft selber liegt. Selbst wenn man mit dem Spielsystem des Trainers nicht einverstanden ist, laufen und kämpfen geht immer. Letzteres war zum Schluss gar nicht mehr vorhanden.
    So hatte die Mannschaft die Gelegenheit sich hinter der öffentlichen Kritik an den Trainer zu verstecken bis die Krise eine gewisse Eigendynamik annahm und wir dort stehen wo wir jetzt sind.
    Die Mannschaft sollte sich vor Augen führen das sie Angestellte beim Verein Borussia Mönchengladbach sind und nicht beim Trainer. Die Leistung und der Wille hat zu stimmen oder es Erfolgt eine Abmahnung bzw. die Kündigung, so sieht es in 100% aller Beschäftigungsverhältnisse aus.
    Ich kann meinen Vorgesetzten auch nicht leiden, aber der bezahlt mich auch nicht, sondern mein Chef.
    Mit Entlassung von Schubert stehen die Spieler nun in der Verantwortung, die Schutzmauer ist weg.
    Also reißt euch gefälligst den Arsch auf, egal welcher Trainer da an der Linie steht.

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    • 21. Dezember 2016 um 17:25
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      so siehts mal aus.
      Das was die Mannschaft in den letzten 5 Pflichtspielen gezeigt hat, war eine Frechheit.
      Und am Ende sage ich auch, dass sie Schubert im Stich gelassen hat.
      Es ist wie es ist, und ich wünsche Andre Schubert alles gute für die Zukunft.
      Wirklich herausragend ist der Umgang des Vereins, in Person von Max Eberl, mit der Entlassung Schuberts. Immer offen und ehrlich mit Schubert kommuniziert. Da kann man stolz drauf sein, sicher nicht selbstverständlich im Haifischbecken Bundesliga.

      Und Jungs von mitgedacht:
      Wie immer ein sehr, sehr guter Artikel. Weiter so!!

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  • 21. Dezember 2016 um 16:46
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    Yo, ein Fähnchen im Wind, wie Eberl. Der ganze Verein gibt in jeglicher Hinsicht ein trauriges Bild ab, auf und neben dem Platz und auf den Rängen der Nordkurve.

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