Mit Selbstvertrauen zum Angstgegner.

Wenn am Samstag Borussia gegen Borussia spielt, sind die Vorzeichen klar: Traurige Enttäuschung empfängt furiose Tabellenführung. Dass der Tabellenführer schwarz-weiß-grün trägt, ist nicht nur überraschend, sondern ebenso verdient. Unser Vorbericht.

Es war mitunter brutal, was wir Rauten-Anhänger da mitmachen mussten. Jahr für Jahr fuhren wir in das altehrwürdige Westfalen-Stadion nahe der B1 und wussten eigentlich schon auf dem Hinweg, dass wir – wenn alles normal verläuft – eine richtige Klatsche bekommen würden. 5:0, 4:0, 4:1 oder 6:1 – regelmäßig hauten sie uns aus dem Stadion. Oftmals wurde uns auf dem Heimweg Spott zuteil.

Auch im vergangenen Jahr, als wir tief in unserem Herzen kurz vor Weihnachten einen Augenblick der Hoffnung verspürten endlich einmal nahe dran zu sein am großen Rivalen, verloren wir zwar „nur“ mit 2:1, doch realistisch betrachtet hatten wir auch damals kaum eine Chance. Dieses Jahr stehen die Vorzeichen hingegen ein wenig anders. Wir sind Tabellenführer und fahren zu einem verunsicherten Gegner. Vielleicht die Chance auf einen abermaligen Coup?

Qualität schießt nicht immer Tore – auch beim BVB

Klar, der BVB hat nominell die deutlich bessere Mannschaft. Die Herren Alcacer, Reus, Brandt und Sancho sind nicht nur der wahre Traum aller FIFA-20-Junkies, sondern auch in der realen Welt eine brutal starke Offensivreihe. In dieser Saison bringen die Herren allerdings – salopp gesagt – „die PS noch nicht so richtig auf die Straße“. Ein Unentschieden jagt das nächste, Slapstick-Abwehraktionen reihen sich an Chancen-Wucher und Konstanz ist für die Favre-Elf ein Fremdwort.

Denn während sie samstags gegen Union verlieren und dienstags den großen FC Barcelona an die Wand spielen, mühen sie sich am Wochenende drauf wieder nur zum Punktgewinn gegen die Eintracht. Es wird merklich unruhig in der schwarz-gelben Wohlfühloase. Denn auch die Mentalitäts-Frage stellt sich ganz nüchtern betrachtet nicht ohne Grund. Ist der BVB etwa wirklich nicht so gut, wie er geschrieben wird? Oder liegt es einfach an der übertriebenen Erwartungshaltung?

Watzke: kleiner, bellender Hund

Für eben jene zeichnen sich allen voran die Herren hinter dem BVB verantwortlich. Hans-Joachim Watzke, Susi Zorc und Matthias Sammer, das Triumvirat der schwarz-gelben Suche nach Erfolgen hatte zu Saisonbeginn mal so richtig zur Attacke geblasen. Nicht weniger als die Meisterschale wolle man nach dem knapp verpassten Titel in der vergangenen Saison wieder nach Dortmund holen.

Zu sehr scheint sie die abgesagte Meister-Party aus dem Mai zu schmerzen, denn erst vor wenigen Tagen ließ Watzke nochmals lauthals wissen: „Die Meisterschaft bleibt weiter unser Ziel“. Derzeit kann man ihm, der einem mehr denn je wie ein kleiner, bellender Hund vorkommt, bei diesen Worten nur müde belächeln. Und ob er seiner Mannschaft und ihrem Trainer damit einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten. Sollte aber derzeit auch nicht unser Problem sein.

Ruhe und Konstanz als Schlüssel zum Erfolg

Denn auch an der Hennes-Weisweiler-Allee ist Erwartungshaltung ein bekannter Begleiter. Nicht selten mussten auch wir uns in den vergangenen Jahren mit diesem Phänomen beschäftigen und uns in unseren Texten klar positionieren. Unvergessen sind dabei die Schimpftiraden auf Oscar Wendt seitens der Gegengeraden oder aber der Wutausbruch von Max Eberl in der vergangenen Saison. Auch vor der jetzigen Spielzeit – das sagen wir ganz ehrlich – hatten wir ein klein bisschen die Sorge, man würde Marco Rose und seinem Team nicht die nötige Ruhe geben.

Gott sei Dank stimmten diese, mit Ausnahme der Europa League, durchaus. Derbysieg, Auswärts-Stärke und ein FC Augsburg, den man schier überrollte. Dank dieser Mischung findet sich die Truppe um Sommer, Plea und Benes nach sieben Spieltagen auf einem furiosen 1. Tabellenplatz wieder. Dass dies kein Zufall ist, beweist ein Blick auf den Trainingsplatz: Mit Ruhe und Vertrauen in die eigenen Stärken versucht dort das Trainerteam Woche für Woche das Beste aus der Mannschaft rauszuholen und sie auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Die eigene Spielidee gepaart mit einer gesunden Mischung aus Kreativität und Wucht macht Borussia derzeit erfolgreich – und lässt ein bisschen träumen. Denn auch wenn klar ist, dass dies nur eine Momentaufnahme sein wird, ist es eine, die wir gerne aufsaugen. Zwei Wochen sind wir jeden Tag mit einem Lächeln aufgestanden und genossen den Blick auf die Kicker-Stecktabelle. Endlich thronen wir mal wieder ganz oben und das gar nicht mal unverdient.

Sicherlich sind wir auch da oben gelandet, weil andere und vermeintlich bessere Teams Federn gelassen haben. Dass die Bayern gegen Hoffenheim verlieren, war genauso wenig zu erwarten wie die Niederlage von Leipzig gegen Schalke die Woche zuvor. Doch auch wenn wir Borussen noch nicht gegen die Vielzahl der großen Gegner haben spielen müssen, gegen die vermeintlich kleineren, schwächeren Teams muss man erstmal gewinnen. Dass das keine Eintagsfliege ist, beweist der BVB offensichtlich Woche für Woche.

Am Samstag hat der VfL nun die große Chance, unter Beweis zu stellen, dass er es auch gegen „einen Großen“ kann. Vielleicht sogar wieder mit dem genesenen Kapitän Lars Stindl. Apropos Stindl: Als dieser in der vergangenen Saison sein Comeback feierte, gewann Borussia 3:0 in München. Ebenfalls einer dieser „Großen“. Wer weiß, vielleicht ja ein gutes Omen, dass wir uns diesmal freudestrahlend auf den Heimweg begeben dürfen.

Foto zu diesem Beitrag: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

2 Gedanken zu „Mit Selbstvertrauen zum Angstgegner.

  • 18. Oktober 2019 um 17:49
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    Eigentlich ein sehr guter Bericht, wäre da nicht wieder das BESSERFAN Getue der unglaublichen Nordkurve.
    *****Zitat: Unvergessen sind dabei die Schimpftiraden auf Oscar Wendt seitens der Gegengeraden oder aber der Wutausbruch von Max Eberl in der vergangenen Saison.****
    Als DK Inhaber auf der OSTGERADE (ist ja wohl die Gegengerade) fühlt man sich hier wieder einmal als FAN zweiter Klasse.
    WIR haben nicht angefangen in der vergangenen Rückrunde zu raunen und zu pfeifen, jede dieser Aktionen startete in der NORDKURVE, das sich natürlich dann irgendwann das Stadion daran beteiligt ist dem Gruppenzwang geschuldet.
    Hört doch endlich auf, die Sitzplatzinhaber so zu diskriminieren, wir nehmen die selben Entbehrungen auf uns wie ihr in der NORD, nur sitzen wir dabei.

    Bei jedem Auswärtsspiel sehen wir unsere Sitznachbarn auch in fremden Stadien, obwohl wir ja Eventfans und Nörgler sind. Viele von den Leuten die ihren Stammplatz in den Blöcken 10-11-12 haben identifizieren sich eher mit dem Verein, als so mancher ins Stadion Geher der nur dann Spaß hat wenn der Promillepegel stimmt und man andere (auch eigene Leute) dumm anmachen kann.
    Wenn es darum geht, wer Borussia unterstützt und wer sich durch Gesänge beteiligt, darf die “normalos” nicht vergessen. Ohne die wäre es im Stadion noch leiser, als es manchmal durch den SUPPORTBLOCK schon ist.

    Unser Motto:
    “Ganz egal wohin die RAUTE uns auch trägt” haben wir verinnerlicht und sind stolz auf unseren Verein und die Mannschaft.

    In diesem Sinne: AUSWÄRTSSIEG in DORTMUND

    RAUTENEXPRESS.de

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    • 18. Oktober 2019 um 19:52
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      Genau so sehe ich das auch, Andreas! Gruß aus Lettland, und genieß die Currywurst Pommes!

      Antwort

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