Neues Spiel, neues Glück

Zum ersten Spiel der Rückrunde kommt der BVB in den Borussia-Park. Ein Gegner, mit dem wir nicht erst seit unserem unangenehmen Auftreten im Hinspiel ein Hühnchen zu rupfen haben. Warum der Wiederbeginn „von null auf Hundert“ uns sogar entgegenkommen könnte und wir uns vor allem zu Hause nicht verstecken müssen, zeigt unser Vorbericht.

Kaum 161 Tage ist es her. 15. August 2015, ebenfalls das Topspiel am Samstagabend – Schwarz-gelb gegen Schwarz-weiß-grün. Hinter uns lag die wohl beste Spielzeit der jüngeren Vereinsgeschichte, in Gedanken schnupperten wir schon Champions-League-Luft. Den Kader wähnten wir trotz der Abgänge von Kruse und Kramer durch die Neuzugänge adäquat er- und besetzt – vor allem aufgrund der Erstrunden-Begegnung im DFB-Pokal gegen den FC St. Pauli (1:4) fünf Tage zuvor. Eigentlich war alles gut. Eigentlich.

Denn am Abend dieses 15. Augustes sah man nur Entsetzten in der riesigen Gladbacher Fanszene. Mit einer grottenschlechten Leistung war man „nur Zuschauer im BVB-Zirkus“ und „komplett überfordert“, wie es die bundesweite Gazetten treffend formulierten. Mit anderen Worten: Der BVB hatte uns ordentlich den Arsch versohlt! Leider war eben jenes 0:4 im Westfalenstadion nur der Anfang einer bisher bespiellosen Krise (0 Punkte aus 5 Spielen, inklusive Derbyniederlage), die in dem schon vielerorts ausdiskutierten Rücktritt unseres Kult-Trainers Lucien Favre mündete. Ein zu diesem Zeitpunkt für viele völlig unvorstellbares Szenario.

Rückrundenauftakt: Neues Spiel, neues Glück, neue Ausgangslage

Knappe vier Monate später sieht die Welt allerdings schon wieder ganz anders aus. Mit einer atemberaubende Serie von zehn Bundesliga-Spielen ohne Niederlage in Folge und nunmehr sogar 29 Punkten bei insgesamt 34 erzielten Treffern, rangieren unsere Borussen auf dem vierten Tabellenplatz. Nicht zuletzt durch die durchweg positive und motivierenden Art des Langzeit-Interims-Coaches André Schubert, schafften wir es sogar in der vermeintlichen Todes-Gruppe der Champions-League teilweise furios aufzuspielen. Auftritte wie vor heimischem Publikum gegen Manchester oder beide Spiele gegen Turin wurden nur noch übertroffen vom mehr als verdienten Heimsieg gegen Sevilla. Eine Gruppenphase die definitiv Bock macht auf weiteren europäischen Spitzenfußball im Borussia-Park.

Dass die Mannen um Sportdirektor Max Eberl und den mittlerweile zum Chef-Coach gehievten Schubert realistische Chancen auf einen Tabellenplatz unter den ersten Sechs haben, liegt vielerorts begründet. Zum einen ist es eine Truppe, die wieder richtig Bock auf Fußball hat – vor allem auf ihren eigenen. Egal ob es die elf Mann auf dem Rasen und die anderen auf der Bank sind, es ist eine Mannschaft, die als Einheit bis zur letzten Sekunde kämpft. Und die immer, auch wenn der Tank schon trocken lag – wie in den Dezember-Partien – versuchte, neue Impulse zu setzen.

Zwei neue Spieler als sportliche Wundertüte

Außerdem hat sich die Mannschaft seit September spielerisch stabilisiert. „Eine gute Organisation, ein gutes Nachschieben“, und aus „Ballgewinnen heraus ein schnelles Umschalten“ waren es, die laut Schubert die Borussen in der Hinrunden vor allen Dingen so erfolgreich gemacht haben. Morgen gilt es nun diese Attribute wieder auf den Platz zu bringen und mit einem erfolgreichen Spiel den Dreier in Gladbach zu behalten.

Dazu beitragen sollen gleich zwei Neuzugänge: Ex-BVB’ler Jonas Hofmann und der frühere RB-Profi Martin Hinteregger. Beide Spieler machten in der Anfangszeit vor allem mit kernigen Aussagen auf sich aufmerksam. So verkündete Hofmann gleich in mehreren Zeitungen, er würde seinem Ex-Klub gerne weh tun wollen. Hinteregger erklärte einige persönliche Ausfälle in der Vergangenheit mit dem schönen Satz “Ich war jung und dumm”.

Erwartungsvoll blicken wir darauf, wie sich die beiden Spieler sportlich in die Mannschaft einfügen. Auf den ersten Blick versprechen beide Transfers einen Qualitätszugewinn. Hofmann heizt den durch die Verletzungen von Hahn und Hermann etwas ins Stocken geratenen Konkurrenzkampf auf den außen neu an, Hinteregger passt als Linksfuß perfekt ins zuletzt eher wacklige Defensivgefüge – und könnte aufgrund der angespannten Personalllage auch gleich von Anfang an spielen. Apropos wackliges Defensivgefüge: Wir sind gespannt, wie André Schubert die letzten Aussetzer in der Defensive auffangen wird. Auffällig: Die Mannschaft ist vorne gefährlicher denn je, hinten brennt es aufgrund des hohen Pressings aber regelmäßig. Schubert muss hier Lösungen finden. Wir lassen uns überraschen!

Gute Bilanz und euphorisches Publikum im Rücken

Neben der sportlichen Entwicklung lohnt sich vorab aber auch der Blick in die Statistik: Von den vorangegangenen fünf Partien in der Vitusstadt gegen den BVB verlor der VfL nicht ein einziges. Allein drei Siege sprangen dabei heraus – bei unserem letzten Aufeinandertreffen vor heimischem Publikum besiegelten unter anderem das Blitztor von Oscar Wendt sowie der 80 Meter-Sprint von Patrick Herrmann das Aus von einem gewissen Jürgen Klopp, der drei Tage später seinen Rücktritt zu Saisonende ankündigte.

Über alledem steht aber eine nicht müde werdende Rivalität zwischen beiden Fanlagern. Denn nun wirklich kein Mensch, der es mit unserem Verein hält, kann irgendwas mit diesem schwarz-gelben Gesindel aus dem Lüdenscheider-Vorort anfangen. Wer in „Freundschaft“ mit dem FC einen Kuschelkurs fährt, kann uns sowieso gestohlen bleiben. Schade eigentlich nur, dass „Uns“-Kevin jetzt in Stuttgart spielt. Wir hätten zu gern gesehen, wie er sich wieder vor der Nordkurve warm macht und sich danach in den sozialen Netzwerken darüber echauffiert, dass man ihn nett begrüßen wollte.

Wir in jedem Fall haben wieder Bock auf Fußball. Bock auf 17 geile Partien. Bock unsere Jungs nach vorne zu peitschen. Bock den Sympathisanten aus dem Pott zu zeigen, dass wir das Hinspiel vergessen machen wollen. Bock auf das Spiel morgen Abend. Bock auf die einzig wahre, die eine Borussia.

Bock auf Borussia Mönchengladbach VFL…

Bild zum Beitrag: nordkurvenfotos.de

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