Realsatire.

Was am vergangenen Freitag auf Schalke passierte, das war gelebter Wahnsinn. Auf dem Rasen, auf den Rängen und letztlich auch in unseren Köpfen. Es trieb uns tiefe Falten in die Stirn und ließ uns ungläubig zurück. Es ist für uns nur schwer möglich einen geeigneten Spielbericht zu schreiben. Deshalb begegnen wir dem Ganzen genauso, wie unsere Truppe mit den Chancen umgegangen ist: mit Humor.

Gnadenlose Überlegenheit machte die Borussia zum strahlenden Sieger beim Gastauftritt in Gelsenkirchen. Brillante Angriffsformationen reihten sich an Chancen im Minutentakt. Ein Gegner, der kaum aus der defensiven Grundhaltung heraus kam und sich selten aus der Gladbacher Umklammerung befreien konnte. Eine Leistung, auf die die Schubert-Elf in den kommenden Wochen aufbauen kann – und so wieder für Spannung im Kampf um die Plätze im europäischen Geschäft sorgt.

Wahre Worte, die im vorangegangenen Absatz zu Lesen waren. Denn ein Sieger war die Borussia in mehrerlei Kategorien: bei Torschüssen, gewonnenen Zweikämpfen, gespielten Pässen, angekommenen Pässen, Passquote, Ballbesitz und letztlich auch bei der Anzahl der erzielten Tore. Vor allem der erste Treffer in der Arena auf Schalke wurde mit einem perfekten Doppelpass des Innenverteidiger-Duos eingeleitet. Martin Hinteregger vollstreckte („no look“) in gewohnter Torjäger-Manier. Es war bereits das zweite Tor im erst achten Bundesliga-Spiel für den jungen Österreicher. Dumm nur, dass beide jeweils ins eigene Tor erzielt wurden – und beide spielentscheidend waren.

Auch das Spiel auf Schalke ging – trotz des Plus an erzielten Toren – an die Heimmannschaft. Die Knappen wussten selber gar nicht so recht, wie sie das Spiel gewinnen konnten. Eine Niederlage gegen unsere Borussia hätte sie im Rennen um den Europapokal durchaus nach hinten katapultiert. Doch stattdessen setzten sie sich tabellarisch vor den VFL und haben beste Voraussetzungen uns auch am Ende der Saisonzielgrade den blau-weißen Hintern ins Gesicht strecken zu können.

Auch das Lager der Verletzten durfte am Morgen nach dem Spiel zwei Neuzugänge vermelden. Wäre das herausragende Spiel nicht schon „schön“ genug gewesen, trugen die beiden Leistungsträger der letzten Wochen, Fabian Johnson und Raffael, ihre Knochen in die Reha-Räume des Borussia-Parks. Warum auch mit einem ausgewogenen, kompletten Kader in die letzten Partien nach der Länderspiel-Pause starten?! Das wäre ja eindeutig zu einfach für uns.

Doch vielleicht hat der DFB angesichts der augenscheinlich misslichen Lage ja Erbarmen mit uns (oder gar Mitleid?) und fragt mal beim Sportgericht nach, ob es da die eine oder andere Möglichkeit gibt, dass das Spiel am „Grünen Tisch“ für uns gewertet wird? Vielleicht waren die Tore kleiner als sonst? Vielleicht hatte der Fährmann einfach vergrößerte Torwarthandschuhe? Vielleicht machte Schalke-Maskottchen Erwin den Herren Stindl, Raffel oder Hazard solche Angst, dass sie schon aus Scheu lieber den Torwart anschossen, als jubeln zu müssen.

Wenn auch all das nicht hilft, sind die Punkte futsch. Punkte, die wir angesichts des Sieges der Hertha aus Berlin dringend gebraucht hätten. Aber warum auch, wir lieben den Thrill. Und wenn alle Stricken reißen, schauen wir uns im nächsten Jahr gerne den europäischen Wettbewerb von der Couch aus an. Ist eh geiler, so unterwöchig abends Fußball gucken. Schön montags 2. Liga mit der Eintracht aus Frankfurt und Hannover, Dienstag/Mittwoch Champions League mit der Hertha und am Donnerstag den FSV Mainz bejubeln.

Ist eh billiger.

Foto zu diesem Beitrag: Nordkurvenfotos.de

2 Gedanken zu „Realsatire.

  • 22. März 2016 um 15:45
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    Satire? Wahrheit! Aber es gilt immer das Prinzip Hoffnung.

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  • 24. März 2016 um 9:53
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    Sehr schöner und interessanter Artikel, Kompliment. Fakt ist aber leider, dass 2 1/2 von den 3 Toren, die am Freitag auf Schalke gefallen sind, von uns erzielt wurden. Dumm nur, dass der Ball nur 1x im richtigen Netz gelandet ist. Dumm auch, dass Martin Hinteregger schon sein 2. Eigentor unterlaufen ist. Vielleicht ist er doch am gegnerischen Strafraum besser aufgehoben (kleiner Scherz).

    Aber Spaß beiseite. Wie kann es sein, dass unsere Jungs in den Auswärtsspielen regelmäßig so gut wie nichts auf die Reihe bekommen? Zumindest was den Ertrag anbelangt? In Mainz, Wolfsburg, Augsburg und Schalke waren wir zumindest ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Und trotzdem ist die magere Ausbeute ein einziges Pünktchen. Wenn sich das so fortsetzt, dürfte es sehr schwer werden, einen Platz im internationalen Geschäft für die nächste Saison zu ergattern. Aber das macht ja nichts: Wir sind ja mit einem Platz unter den ersten 10 zufrieden.

    Antwort

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