Schade, Max!

Auf einer Veranstaltung hat Max Eberl sich zu Clemens Tönnies‘ rassistischem Gerede geäußert. Dabei hat er leider die Chance verpasst, klarer zu reagieren und die Werte Borussias nach außen deutlich zu machen. Ein Kommentar.

Erstmal vorweg: Max Eberl macht großartige Arbeit. Dass wir diese bewundern, haben wir bereits mehrfach an verschiedenen Stellen kundgetan. Wir halten Eberl für genau den richtigen Mann, um Borussia in sportlichen Belangen strategisch auszurichten. Das macht er seit geraumer Zeit sehr erfolgreich. Nun hat er – aus unserer Sicht – auf einem anderen Feld aber versagt.

Die Debatte

In einer Gesprächsrunde der Rheinischen Post saßen mit Eberl, Armin Veh, Friedhelm Funkel und Simon Rolfes Vertreter aller Westvereine beisammen. Insbesondere Armin Veh und Friedhelm Funkel schwangen sich zu Kritikern an der Debatte um Tönnies auf. Der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende hatte sich auf einer Veranstaltung in Paderborn gegen Steuererhöhungen zum Zwecke des Klimawandels aus. Stattdessen solle man Kraftwerke in Afrika finanzieren, damit die Menschen dort aufhörten Bäume zu fällen und in der Dunkelheit Kinder zu produzieren. So weit, so rassistisch. Eine Debatte entbrannte, Tönnies entschuldigte sich halbherzig und lässt sein Amt für drei Monate ruhen. Doch die Kritik an Tönnies und dem Schalker Umgang ebbte nicht ab.

Nun mahnte Funkel an, dass in anderen Fällen wesentlich weniger intensiv berichtet und diskutiert werde – er nennt als Beispiel eine Gewalttat, die Ende Juli in Stuttgart passierte. Außerdem werde Tönnies „regelrecht geschlachtet“. In eben diese Kerbe schlägt auch Veh, der zu Bedenken gibt, dass der Schalker Funktionär sich mit 63 Jahren Lebenserfahrung doch nicht mit einem Fehler das ganze „Leben kaputtmache“.

Eberls verpasste Chance

Eberl geht zwar nicht ganz so in die Offensive, springt aber dennoch in die Bresche für den Schalker Kollegen.  Er äußerte sich wie folgt: „Wir können jede Empörung verstehen, denn wir waren auch empört, als wir das gehört haben. Aber man muss einem Menschen die Möglichkeit geben, wieder aufzustehen.“

Da widersprechen wir Eberl nicht. Allerdings hat es Tönnies bisher verpasst, sich bei genau den Menschen, die er mit seinen Aussagen herabgewürdigt hat, zu entschuldigen. Stattdessen hat er sich bei allen Schalker Fans und dem Verein entschuldigt – nie aber explizit bei denen, die er angriff.

Mit seinen Aussagen hat aber auch Max Eberl eine Chance verpasst. Und zwar die Chance, sich differenziert zu äußern. Natürlich musste er etwas sagen – er wurde schließlich direkt gefragt. Und natürlich hat er auch auf die Empörung hingewiesen, die durch Tönnies Äußerungen bei ihm und bei Borussia entstand. Leider macht er im Anschluss genau den Fehler, den auch die anderen Teilnehmer der Diskussion gemacht haben. Er führt eine falsche Diskussion.

Die falsche Debatte

Denn leider wird eben nicht über Alltagsrassismus debattiert, nicht über die Entgleisung des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden. Ob der nämlich ein überzeugter Rassist ist oder nicht, das wissen wir nicht. Aber er hat einen verstörenden Einblick in seine vorurteilsbeladene Gedankenwelt gegeben und damit ein Musterbeispiel dafür geliefert, wie (Alltags-)Rassismus tagtäglich diverse Minderheiten trifft.

Und nun sitzen dort auf der Bühne allesamt Menschen, die vermutlich nie selber Opfer von Rassismus waren und solidarisieren sich. Sie solidarisieren sich aber nicht mit denen, die immer wieder schmerzhafte Erfahrungen machen müssen, sondern mit einem Mann, der aus einer Position der Überlegenheit und Stärke heraus einen rassistischen Spruch auf Kosten anderer Menschen geliefert hat. Sie vermeiden eine Diskussion über Rassismus und beginnen stattdessen eine Debatte über den Umgang mit Tönnnies.

Natürlich hat auch Tönnies eine zweite Chance verdient. Aber bisher entsteht nicht der Eindruck, als habe er sich ausreichend mit seiner eigenen Gedankenwelt auseinandergesetzt. Ob er seinen Posten auf Schalke behalten sollte? Da steht uns keine Bewertung zu. Die Schalker Fanszene hat am vergangenen Wochenende aber ein Statement gesetzt.

Eberl geht den bequemen Weg

Eberl hätte sich absetzen können von den anderen Teilnehmern. Er hätte klar Stellung beziehen können gegen jegliche Diskriminierung. Dafür steht Borussia, es steht im selbst auferlegten Kodex der Fanszene und hängt groß über der Nordkurve.

Diese Chance hat Eberl verpasst. Es wäre unbequem gewesen, sich auf der Bühne von den anderen abzugrenzen. Max Eberl ist einer der besten Manager der Bundesliga. Bei eben diesem Thema hätte er sich auf die gestellte Frage allerdings einen Moment mehr Zeit zum Nachdenken geben sollen. Denn die Abgrenzug von seinen Kollegen auf der Bühne hätte Eberl Profil gegeben. Auch wenn sie – zugegebenermaßen – in dem Moment unbequem gewesen wäre.

Allerdings ist ganz besonders in so einem Fall eine (in diesem Fall unbequeme) Haltung unumgänglich. Max Eberl würde eine Aussage, wie sie Tönnies getätigt hat, nie über die Lippen kommen. Er hat sie auch nicht unterstützt oder bewusst verharmlost. Er hat es aber eben auch verpasst, ein wichtiges Zeichen zu setzen. Wir hoffen, dass Eberl und der Verein die Debatte in Zukunft verantwortungsvoller führen. Es stünde Borussia gut zu Gesicht. Zunächst wurde allerdings eine Chance vertan. Schade, Max!

10 Gedanken zu „Schade, Max!

  • 14. August 2019 um 13:22
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    Weiß man, ob Eure Artikel im Verein gelesen werden?

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  • 14. August 2019 um 13:46
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    Man kann es auch übertreiben!
    Max sagt alles nötige und kritisiert Herrn Tönies auch.

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    • 15. August 2019 um 6:24
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      Schade liebes Mitgedacht Team, hier liegt ihr falsch diese Debatte grade vor unserem Auftaktspiel gegen Schalke weiter aufzuheizen. Max hat völlig richtig gehandelt,hier nicht noch weiter Öl ins Feuer zu gießen. Die Äußerungen des Herr T. wurden in seinem Verein aufgegriffen und behandelt. Wir sollten uns vor Samstsg auf das sportliche im Duell gegen Schalke beschränken und hier nicht durch politische Themen die Stimmung aufheizen. Wir Borussen freuen uns seit Tagen auf den Bundesligaauftakt und das sollte im Vordergrund stehen!!! Also alles richtig gemacht, Max hat nicht nur als Sportmanager ein gutes Händchen für unsere Borussia, sondern hat auch noch diplomatische Stärken. Und nun sollten wir uns, ebenso wie Max und unser Verein, auf den sportlichen Saisomauftakt konzentrieren. Chaos gibt es auf Schalke genug, aber das ist nicht unsere Baustelle. Auf geht’s Borussia!!!!

      Antwort
  • 14. August 2019 um 14:55
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    Grundsätzlich finde ich es nicht gut, wenn auf dieser , wie ich finde, tollen Fanseite politisch berichtet wird. Dafür gibts sicher andere Medien. Aber trotzdem habe ich dazu eine vielleicht etwas andere Meinung. Und zum Glück leben wir ja in einer Demokratie wo jeder seine Meinung sagen darf. Gilt das eigentlich auch für Clemens Tönnies ?
    Liegt er mit seiner Aussage so weit weg von der Wahrheit? Auch wenn seine Formulierung zweifellos etwas daneben war, so hat er doch inhaltlich nicht Unrecht. In Afrika werden zweifellos zu viele Bäume gefällt und aufgrund der Tatsache das viele Kinder dort verhungern, werden dort wohl auch zu viele Kinder “produziert”.
    Dazu ist der Mann eben gegen Steuererhöhungen, denn niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie genau neue Steuern für das Klime eingesetzt werden sollen. Ich denke diese Ansicht steht ihm doch wohl zu. Wenn man die vorhandenen Steuern sinnvoll einsetzen würde und jeder Beamte und Abgeordnete auch überhaupt mal etwas einzahlen würde, wäre mehr als genug Geld vorhanden.
    Und unser Max hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht, denn er muss sich aus meiner Sicht nicht von etwas distanzieren, das er nicht zu verantworten hat. Also lassen wir doch einfach mal in unserem ach so demokratischen Land die Kirche im Dorf und gehen wir besser wieder zum sportlichen Bereich über. Freue mich sehr auf den Start gegen S04 und hoffe auf 3 Punkte für unsere Borusssia!

    Antwort
    • 14. August 2019 um 17:37
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      Ja, er liegt weit weg von der Wahrheit. Plumpe rassistische Klischees beruhen auf keiner Studie oder Forschung. Leute, die dem einen Wahrheitsgehalt zusprechen, sind nichts anderes als Rassisten und somit keine Borussen.

      Antwort
    • 14. August 2019 um 19:30
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      Was lässt Dich denken, Beamte zahlen keine Steuern?

      Antwort
  • 14. August 2019 um 23:00
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    Was bitte gibt es hier zu kritisieren? Max Eberl hat hier alles richtig gemacht: er hat Tönnies Aussagen nicht relativiert, geschweige denn gutgeheißen, aber sich auch heraus genommen, einen Vertreter eines anderen Vereins öffentlich zu maßregeln. Dies ist sowieso ein Grundproblem unserer Gesellschaft zur Zeit: es wird viel zu viel übereinander statt miteinander geredet.

    Ihr würdet euch (zurecht!) an dieser Stelle ausschweifend darüber echauffieren, wenn Vertreter anderer Vereine jemanden aus umserer Vereinsführung öffentlich für Dinge kritisieren, die außerhalb des Fußballgeschäfts passiert sind und sie daher auf gut Deutsch gesagt einen feuchten Kehrricht angehen!

    Dass Max so etwas nicht tut (erst recht nicht ein paar Tage vor einem Spiel gegen diesen Verein), ist ausnahmslos positiv zu bewerten und sollte eigentlich überhaupt kein Thema sein!

    Lasst doch Schalke sich schön weiter selbst zerfleischen: ist zum einen immer wieder amüsant und zum anderen für uns garantiert nicht von Nachteil! Angriffe von außen sind da eher kontraproduktiv..

    Antwort
  • 14. August 2019 um 23:02
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    “auch nicht herausgenommen” natürlich..

    Antwort
  • 15. August 2019 um 8:41
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    Auf den Punkt! Richtig guter und wichtiger Kommentar!

    Antwort
  • 16. August 2019 um 11:26
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    Wer meine Beiträge aus der Vergangenheit kennt, weiss, dass ich die Arbeit von Max Eberl immer auch kritisch kommentiert habe. Von daher bin ich absolut unverdächtig, wenn ich ihn jetzt mal ausdrücklich loben muss. Weder Max noch andere Repräsentanten des Vereins brauchen irgendwelche Nachhilfe beim Thema Rassismus. Da hat man sich von Vereinsseite immer klar und eindeutig positioniert. Erwartet ihr wirklich, dass Max vereinsinterne Vorgänge in Schalke kommentiert. Im umgekehrten Fall würden wir uns das doch genauso verbieten. Es war absolut richtig, vor dem wichtigen Saisonstart nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen.

    Ausserdem habe ich wirklich keine Lust darauf, die tolle Aufbruchstimmung in unserem Verein und bei den Fans (davon konnte sich jeder am Tegernsee überzeugen), durch das Kommentieren vereinsinterner Querelen bei einem Ligakonkurrenten kaputt machen zu lassen.

    Von daher, lieber Max, diesmal alles richtig gemacht.

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