Schönste Tour, schlechtester Block

Am Samstagnachmittag schlägt der Borussia-Tross in Freiburg auf. Im Badener Land gilt es die Siegesserie weiter auszubauen – auch gegen den Angstgegner. Ein MitGedacht.-Autor über ein schönes Fleckchen Erde und den schlimmsten Gästeblock der Liga.

Das Schreiben hat für mich oft auch sehr viel mit Warten zu tun. Nicht ein Warten auf die berüchtigte Inspiration, sondern das Warten darauf, dass sich der Ton, die Stimmung, die Bilder einstellen. Als ich dieses Mal wartete – auf das Vorspiel gegen Freiburg – musste ich unweigerlich an eines der letzten Auswärtsspiele im Breisgau zurückdenken. Frühzeitig war in gen Schwarzwald aufgebrochen und streunte am Vormittag noch unaufgeregt durch die Straßen des kleinen Städtchens.

Vorbei an den pulsierenden Ladenlokalen der Altstadt, den Münster links liegen gelassen und immer wieder der Versuch den Tücken des Freiburger Bächle auszuweichen, stieg ich mittags in die Straßenbahn Richtung Dreisamstadion. An der altbekannten Haltestelle Römerhof umgab mich ein wohliges Gefühl. Denn versteckt zwischen einer Reihe sympathischer, kleiner Einfamilienhäuser erblickte ich das Dreisamstadion. Vorbei an müden Garageneinfahrten und längst überholten Gartentoren aus morschigem Holz steht es da, das vielleicht niedlichste Stadion im Bundesliga-Zirkus, eingebettet in die Idylle des Schwarzwaldes. Aus diesem Blickwinkel: Fußballherz was willst Du mehr?

Erinnerungen an Rösler/Neuville

Wenn mich fußballferne Leute fragen, was mich an Fankultur, am Fan-Sein so fasziniert, komme ich unweigerlich immer auch auf Auswärtsfahrten zu sprechen. Klar, die Mannschaft im heimischen Borussia-Park zu unterstützen – mit allem was vor und nach der Partie dazu gehört – ist eine Faszination für sich. Doch Auswärtstouren finde ich noch spezieller, obwohl wir die meisten Städte schon aus dem „Effeff“ kennen. Auswärts taucht man einen Tag in eine andere Welt. Auswärts reist man durch die Republik, mit den besten Freunden, in tolle Städte. Vor diesem Hintergrund hat Freiburg eindeutig einen Platz im oberen Drittel verdient!

Sportlich gesehen macht eine Reise zum SCF hingegen seit Jahren schon keinen Sinn mehr. Der letzte Sieg, der mir noch wirklich präsent ist, datiert vom 16. Spieltag der Saison 2007/2008. Montagabend, Topspiel der Zweiten Liga. Auf dem Platz wirbelte unser Sturmduo Neuville/Rösler die Hintermannschaft der Breisgauer auseinander, führte sie teilweise vor. Sascha Rösler feierte seinen Doppelpack enthusiastisch am Zaun der Gästekurve. Nä, wie schön!

Keine architektonische Meisterleistung

Seitdem gab es in Freiburg aber herzlich wenig zu holen. Mit jedem Spiel wuchs meine Frustration. Der letzte Sieg in der Bundesliga liegt mittlerweile satte 14 Jahre zurück. Ein gewisser Arie van Lent knipste damals zum 1:0-Sieg. Nur um Borussias Freiburg-Misere noch einmal zu verdeutlichen: Der gute Herr feierte vor zehn Tagen seinen 46. Geburtstag. Nicht schön!

Nun stehen die sportlichen Vorzeichen aber wesentlich besser. Endlich reise ich mal durchweg optimistisch in den Schwarzwald. Und freue mich nicht nur auf die Stadt Freiburg, sondern auch aufs Spiel. Nur auf eine Sache könnte ich bei meinem Besuch gerne verzichten: den Gästeblock! Jedes Mal aufs Neue löst diese architektonische Meisterleistung Kopfschütteln und Unverständnis aus. An kaum einer Stelle hat man Sicht auf alle Teile des Spielfeldes. Statt grünem Rasen schaut man stattdessen auf viel Zaun oder eine der Tribünen. Was für ein Schlamassel!

Dennoch: Freuen wir uns auf die Partie in der „Stadt mit dem südländischen Flair und der badischen Gelassenheit“. Fantechnisch immer eine Reise wert. Wir sind gespannt wie viele Borussen sich schon Stunden vor Anpfiff in der Altstadt gemütlich machen werden. Sportlich betrachtet gilt es dort endlich mal wieder drei Punkte einzufahren und auf der Erfolgswelle der ersten vier Pflichtspiele weiter zu surfen. Wir jedenfalls stehen artig auf den Rängen, denn auf geht’s…

Borussia, schieß´ ein Tor!

Foto zu diesem Beitrag: nordkurvenfotos.de

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