So geht Wiedergutmachung: Borussia hat dazu gelernt!

Gute 24 Stunden sind vergangen, seitdem Borussia gegen den FC Ausgburg innerhalb von 12 Minuten eindrucksvoll Wiedergutmachung für das Spiel in Instanbul betrieben hat. 5:1 hieß es nach 90 Minuten – Borussia steht erstmals seit acht Jahren an der Spitze der Bundesliga. Doch der Auftritt beweist vor allem, dass die Mannschaft unter Rose eines gelernt hat: Sie kann wiederaufstehen! Das hat sie diese Saison in mehreren Akten bewiesen und entwickelt.

Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren haben wir enorm viel gemeckert. Meist ging es dabei um die – aus unserer Sicht fehlende – Mentalität der Mannschaft. In wichtigen Spielen schien unsere Elf immer wieder mutlos aufzutreten. In schwierigen Phasen ließen vor allem die eigentlichen Leistungsträger des Teams vieles vermissen. Doch das Spiel gegen Augsburg war eine eindrucksvolle Demonstration, wie eine Mannschaft auf einen Rückschlag wie in Istanbul reagieren sollte. Das Spiel war der Höhepunkt einer Entwicklung, die der bisherige Saisonverlauf erkennen lässt.

Derbysieg als erster Hinweis

Enttäuschungen gab es auch in dieser Saison bereits. Doch immer dann, wenn unsere Jungs unter Zugzwang standen, sind sie zurückgekommen – mal mit mehr und mal mit weniger spielerischer Klasse. Doch die Einstellung stimmte nach Rückschlägen in letzter Zeit auffallend häufig.

Als Borussia beispielsweise das bis zu diesem Zeitpunkt beste Saisonspiel gegen Leipzig 1:3 verloren hatte, stand die Mannschaft nach drei Spielen mit vier Punkten zwar ordentlich da, hatte mit dem Derby allerdings ein sportlich richtungsweisendes Spiel vor der Brust. Dazu kam die emotionale Bedeutung des Spiels in Köln. Doch die Elf um Rose legte eine in nahezu allen Belangen extrem starke erste Halbzeit hin. Einzig die letzte Konsequenz vor dem Tor verhinderte eine etwas komfortablere Pausenführung. Dass Borussia doch den Derbysieg holte, lag auch an Kampf und Leidenschaft. Die Mannschaft bewies aus unserer Sicht endlich einmal Charakter.

Eine Halbzeit Moral nach der Wolfsberg-Blamage

Mit dem Derbysieg und einer guten Position in der Liga ging es mit Euphorie in den Europapokal. Wir wissen alle, wie es wenige Tage später gegen den Wolfsberger AC ausging. Dementsprechend stand gegen Fortuna Düsseldorf gleich wieder ein Duell an, bei dem einiges auf dem Spiel stand.

Anders als gegen den FC knüpfte Borussia in Hälfte eins scheinbar nahtlos an die miserable Leistung gegen die Österreicher an. Einige Fans werden wohl gedacht haben, dass sich an der fehlenden Mentalität der Mannschaft auch unter Rose wohl doch nichts geändert hat. Und auch wenn in Hälfte zwei keine spielerische Wende folgte, bewies die Mannschaft Moral, nahm den Kampf endlich an und drehte das Spiel mit ein wenig mühsam erkämpftem Dusel.

Der Lucky Punch von Istanbul

Ein starker 3:0-Sieg in Hoffenheim und alles schien bereitet für das Spiel in Istanbul. Es galt, die Peinlich-Pleite gegen Wolfsberg vergessen zu machen. Wie wir alle wissen, ging das ziemlich nach hinten los. Eine fußballerische Leistung, die an längst vergessen geglaubte Zeiten erinnerte. Irgendwie passte die Leistung zum gesamten Drumherum unseres Gastspiels in Istanbul. Und Borussia hatte mal wieder aus unerklärlichen Gründen einen ängstlichen Auftritt hingelegt. Eine Sache war da aber.

In der letzten Minute erzielte der eingewechselte Herrmann den unverdienten Ausgleich – nach einem hohen Ball. Mit viel Glück zugegebenermaßen. Aber zumindest wurde dieses Glück erzwungen – das hatte es in den letzten Jahren kaum einmal gegeben. Das Ergebnis schönte allerdings eine spielerisch miserable Leistung und so war gegen den FC Augsburg noch einmal Wiedergutmachung Pflicht.

Trotz Skepsis im Vorfeld: So geht Wiedergutmachung!

Es scheint in diesem Jahr eine Stärke dieser Mannschaft zu sein, dass sie genau das weiß! Denn trotz einiger Skeptiker im Vorfeld, war das, was insbesondere in den ersten zwölf Minuten folgte, nicht weniger als ein Meisterstück der Wiedergutmachung. Drei zu null. Wahnsinn! Dabei hätte es auch noch schlimmer kommen können für die Gäste. Doch auch nach der stürmischen Viertelstunde machte Borussia munter weiter. Wir verzichten auf eine detaillierte Analyse an dieser Stelle. Schaut Euch die Zusammenfassung einfach beim Streaming-Anbieter Eures Vertrauens an.

Es war aber deutlich zu erkennen, dass die Mannschaft genau wusste, dass sie etwas gut zu machen hatte. Ob der Last Minute-Ausgleich in Istanbul Initalzündung war, ob Marco Rose die richtigen Worte gefunden oder die Mannschaft intern Klartext geredet hatte, wissen wir nicht. Spielt aber auch keine Rolle. Denn wer von Sekunde eins an dermaßen entschlossen und klar zu Werke geht, der hat alle Argumente auf seiner Seite.

Eine Momentaufnahme, aber kein Zufall

Wir waren ehrlich beeindruckt von dem Auftritt. Dennoch brauchen wir in Zukunft nicht unbedingt immer zuerst eine herbe Enttäuschung wie gegen Wolfsberg oder Istanbul, um im nächsten Spiel auf Wiedergutmachung zu hoffen. Das ist doch ganz klar! Und trotzdem erkennen wir nach unserer immer wiederkehrenden Kritik der vergangenen Jahre an, dass Borussia unter Rose in puncto Steh-auf-Mentalität einen klaren Schritt nach vorne gemacht hat. Ein Exempel dafür ist beispielsweise Patrick Hermann.

Natürlich ist die aktuelle Tabellensituation nur eine Momentaufnahme, ganz sicher jedoch kein Zufall. Sie ist das Resultat spielerischer und mentaler Weiterentwicklung des Kaders. Insbesondere wir Fans sollten den Moment konservieren, um der Mannschaft in Zeiten, in denen es mal wieder nicht so läuft, den Rücken zu stärken. Schließlich haben die ersten Wochen der Saison gezeigt, dass wir endlich wieder eine Mannschaft haben, die Tore in der letzten Minute erzwingt, Spiele drehen kann und in schwierigen Phasen eindrucksvoll zurückkommen kann.

Und auch der Heimfluch sollte mit der Gala gegen Augsburg endgültig besiegt sein. So geht Wiedergutmachung!

 Foto zu diesem Beitrag: Ina Fassbender / AFP

2 Gedanken zu „So geht Wiedergutmachung: Borussia hat dazu gelernt!

  • 7. Oktober 2019 um 19:27
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    Schöner Artikel, auf dem Platz hat die Mentalität wieder gestimmt.

    Auf den Rängen war die Leistung wieder durchwachsen. Die gesamte Kurve hat Bock zu laut zu sein/zu singen/zu klatschen. Teilweise war es gespenstisch still im Borussia-Park. Dann kommt ein Gesang aus der oberen Linken Ecke und die Jungs unten machen nicht mit. Im Anschluss umgekehrt, von unten kommt irgendein monontones neues Lied und oben macht kaum einer mit.

    Wir sind zweigeteilt in der Nordkurve und der neue Stiummungsblock ist noch nicht die Lösung.

    Wo sind die alten schönen Lieder hin? Warum sind wir so entzweit?

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    • 7. Oktober 2019 um 22:09
      Permalink

      Hi,

      ja, ich fands für das Spiel und den Verlauf auch dürftig. Ich steh so ziemlich in der Mitte des Blocks und bekomme also beides recht gut mit. Was nicht stimmt, dass die Jungs unten keine Gesänge aufgreifen! Wenn die unten ankommen, wird das eigentlich immer aufgenommen! Was eher das Problem scheint, dass bis das unten angekommen ist und die Jungs unten einstimmen, oben schon wieder aufgehört wird.
      Wo ich bei dir bin, dass manchmal das Gefühl für Zeitpunkt und Lied fehlt. Aber das ist natürlich auch persönlicher Geschmack.
      Zu der Frage/„Sehnsucht“ nach den alten Liedern: was ist für dich ein altes Lied? Die BO best ofs: wir träumen nur von MG, sämtliche Parts aus 4x Ole etc werden doch bei jedem Spiel gesungen. Nur laut wirds dabei selten

      Antwort

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