Total-Ausfall

Borussia gerät beim 0:5 in Leverkusen unter die Räder und zeigt das erste schwache Spiel unter Neu-Trainer André Schubert. Die Fohlenelf hat zu keiner Zeit eine reelle Chance auf den Sieg. Dennoch: Auch diese Leistung sollte man dem Team (mal) zugestehen. Unsere Nachbetrachtung.

0:5, Null zu Fünf – keine verdiente Niederlage, sondern eine verdiente Klatsche. Irgendwie erinnert dieses Ergebnis an alte Zeiten: An Rumpelfußball, an Marek Heinz oder Giovane Elber, an Dick Advocaat, Horst Klöppel oder Holger Fach. Und dennoch: Die höchste Niederlage seit September 2012 (damals 0:5 in Dortmund) passt so gar nicht in das Schema dieser alten Zeiten. Vielmehr liefert das Ergebnis die längst überfällige Erkenntnis: Borussia ist nicht „die stärkste Mannschaft in Deutschland nach Bayern München“ (Roger Schmidt), Borussia ist fehlbar!

Und so konstatierte Max Eberl nach der hoch verdienten Niederlage: „Lange nicht mehr erlebt und trotzdem wiedererkannt. Wir sind nicht vom anderen Planeten und glauben, dass wir alles in Grund und Boden spielen!“ In eine ähnliche Kerbe wie der Sportdirektor schlug auch der Kapitän.

„Die erste Halbzeit war nichts, die zweite war noch schlechter!“

Granit Xhaka stapfte nach dem Spiel sichtbar erbost in die Fankurve. Trotz des Ergebnisses feierten die 6.000 mitgereisten Fans ihren Verein aus vollem Herzen: „Borussia Mönchengladbach. VfL, olé, olé!“ Xhaka interessierte das aber überhaupt nicht. Der Kapitän klatschte kurz Richtung Fans, drehte dann auf dem Absatz um und baute sich in den folgenden 20 Minuten vor jedem Mikrofon auf, das ihm von den Reportern unter die Nase gehalten wurde.

Einige Aussagen des Schweizers: „Ich habe keine Worte, das war eine katastrophale Leistung“, „Die erste Halbzeit war nichts – und die zweite Halbzeit war noch schlechter“, „Ich bin total enttäuscht“ oder „Wir hatten ein ganz anderes Spiel vor und haben einfach nicht umgesetzt, was der Trainer von uns wollte“.

Tatsächlich brachte Xhaka das ganze Dilemma mit diesen Sätzen auf den Punkt. Von der ersten Minute an agierte Borussia pomadig, langsam und ohne wirkliches Konzept im Spielaufbau. Die früh attackierenden Leverkusener zwangen die Borussia-Defensive immer wieder zu langen Bällen auf den auf sich allein gestellten Josip Drmic – ein gefundenes Fressen für die robuste Bayer-Innenverteidigung um Tah und Toprak. Folge: Borussias Spieler wirkten verunsichert, die taktischen Änderungen im Gegensatz zum Spiel in Manchester (Drmic für Raffael, Jantschke für Elvedi, Traoré für Johnson) verpufften.

Eine lange Serie von ungeschlagenen Partien und ein Sieg über die Bayern machen aus einer Mannschaft keine Über-Mannschaft! Mit diesem deutlichen Ergebnis sind alle Personen in Gladbach – egal ob Spieler oder Fans – hoffentlich wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt.

Auch die Umstellungen Schuberts in der Halbzeitpause zeigten keine Wirkung. Natürlich hätte Borussia durch Raffaels genialen Freistoß auch das 1:1 erzielen können. Doch hätte das wirklich alles geändert? Wäre die eigene Defensive plötzlich energischer in die Zweikämpfe gegangen? Hätte sich die geniale Bayer-Offensive um Chicharito, Bellarabi und Kießling die Butter vom Brot nehmen lassen? Hätte die eigene Offensive auf einmal ihr gefürchtetes Kombinationsspiel aufgezogen? Wir glauben: Nein!

Stattdessen ging Borussia nach katastrophaler Leistung vollkommen verdient 0:5 unter – und das ist am Ende vielleicht auch gut so. Denn wie Eberl und auch Xhaka zu Recht anmahnten: Eine lange Serie von ungeschlagenen Partien und ein Sieg über die Bayern machen aus einer Mannschaft keine Über-Mannschaft! Mit diesem deutlichen Ergebnis sind alle Personen in Gladbach – egal ob Spieler oder Fans – hoffentlich wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Wir sagen ganz deutlich: Einmal 0:5 ist uns viel lieber als fünfmal 0:1 – die ersten fünf Spieltage lassen grüßen!

Starke Geste der Ultraszene

Ein kleiner Lichtblick waren gestern immerhin die gut 6.000 mitgereisten Borussia-Fans. Von der ersten Minute an gaben die auch im fremden Stadion den Ton an. Kurzzeitig gelähmt durch die schwache Vorstellung auf dem Rasen, erwachte der Gästeblock gegen Ende sogar noch einmal und wuchs deutlich über sich hinaus. Eine starke Reaktion, die zeigt: Wir stehen nicht nur nach Siegen gegen die Bayern hinter unserem Team.

Neben dem beeindruckenden Support wollen wir aber auch die starke Geste der Ultraszene für ihren verstorbenen Bruder nicht außen vor lassen – und dabei auch die Leverkusener Szene positiv erwähnen. Noch vor Anpfiff schwiegen Heim- und Gastfans gemeinsam, kurz vor Ende des Spiels brandete außerdem noch einmal gemeinsamer Applaus auf. Wir schließen uns allen guten Wünschen an Familie, Angehörigen und Freunden von Dominik an!

Nun ist Schubert gefordert

Doch noch einmal zurück zu den 6.000 mitgereisten Borussen. Die bekamen am Ende sogar von höchster Stelle Lob. Cheftrainer André Schubert erklärte auf der Pressekonferenz im Hinblick auf den starken Support: „Ich möchte mich bei den Fans bedanken. Sie haben ein sehr feines Gespür dafür, was auf dem Platz passiert. Ich fand es klasse, wie sie heute mit der Mannschaft umgegangen sind!“

Ein starkes Statement des Trainers, der nun die eigene Truppe möglichst schnell wieder aufbauen muss. Schon am frühen Dienstagabend geht es weiter – Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen. „Mit Siegen regeneriert man natürlich ein bisschen schneller“, erklärte André Schubert unmittelbar nach der 0:5-Klatsche. Klar ist: Die Beine seiner Spieler sind nach den anstrengenden Wochen schwer, die Köpfe nach dem Ausscheiden aus der Champions League und der derben Pleite in Leverkusen leer. Der Trainer ist nun gefordert – vielleicht sogar mehr als je zuvor seit seinem Amts-Antritt.

Ein Gedanke zu „Total-Ausfall

  • 14. Dezember 2015 um 12:08
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    Vielen Dank für diesen Text.
    Mehr ist nicht hinzuzufügen.
    Gut dass die letzten beiden Spiele daheim stattfinden,
    im neuen Jahr greifen wir (ohne Dreifachbelastung) wieder an!!

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