Vergeigt!

Borussia verliert das Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt im Elfmeterschießen. Bitterer geht’s nicht. Wir sind ehrlich: Frust und Enttäuschung sitzen tief – und werden so schnell wohl nicht verfliegen.

Vier Worte fassen unsere Gemütslage auch am Morgen nach diesem bitteren Halbfinal-Pokal-Aus gegen Eintracht Frankfurt zusammen: „Was für eine Enttäuschung!“ Ja, dieser Text fällt richtig, richtig schwer. Ja, gerne hätten wir eine epochale Hymne auf den Finaleinzug verfasst. Ja, wir hatten uns eines unserer absoluten Fan-Highlights total anders vorgestellt.

Wir müssen unserer Enttäuschung einfach freien Lauf lassen und uns über die katastrophale erste Hälfte aufregen, die Borussia nur mit viel Glück und minimalem Können mit 1:1 beenden konnte. Eintracht Frankfurt war klar besser und hätte eigentlich schon nach drei Minuten 2:0 führen können. Das wirft Fragen auf: Warum trat Borussia so unerklärlich harmlos und fast ehrfürchtig auf? In einem Pokal-Halbfinale? Vor eigenem Publikum?

Wir regen uns über die lasche Einstellung einiger Akteure auf. Über wahnsinnige Leichtsinnigkeiten und Fehlpässe im Spielaufbau. Über die Tatsache, dass es eine vermeintliche Spitzenmannschaft nicht geschafft hat, einem Gegner, der stehend k.o. war, endgültig den Todesstoß zu verpassen. Bei Frankfurt stand wahrlich keine Top-Truppe auf dem Platz, die Verletzungen und Krämpfe im Spiel zeigten außerdem, dass die Frankfurter auf dem Zahnfleisch gingen. Borussia muss in der Lage sein, so einen Gegner zu besiegen.

Stattdessen ließ man sich in Hälfte zwei und in der Verlängerung immer wieder von der fiesen Gäste-Art aus dem Konzept bringen. Klar, unsere Mannschaft war insgesamt besser. Aber hatte sie auch die zwingenderen Chancen? Ehrlich gesagt: Nein. Und das ist im vermeintlichen Spiel des Lebens eine Katastrophe. Kaum Torchancen, kaum Abschlüsse. Doch, lieber Dieter Hecking, man kann „mehr tun“: Tore schießen und gewinnen. Denn es kann nicht sein, dass ein Gegner, der nach 45 Minuten körperlich am Ende ist, es bis zur 120. Minute schafft und sich ins Elfmeterschießen rettet. Es fehlte der letzte Zug zum Tor, der letzte Biss oder einfach die spielerische Klasse. Das wissen wir nicht und ist letztlich auch egal. Denn das Spiel ist verloren. Die Mannschaft hat eine historische Chance verpasst!

Wir trauern daher offen und ehrlich der verpassten Pokalfinal-Möglichkeit hinterher. Es war wohl noch nie so einfach nach Berlin zu kommen. Halbfinale, Heimspiel, Frankfurt. Sorry, das muss für einen Verein wie Borussia machbar sein. Selbst absolute Pessimisten dürften bei der Auslosung zumindest einmal zufrieden genickt haben. Und dann das: Der Traum von Berlin ist plötzlich zerplatzt – wie damals gegen Union, Aachen, München. Warum ist Fußball so hart? Warum trifft es immer uns Borussen?

Wir regen uns übrigens in diesem Zuge auch über zahlreiche Borussia-Sympathisanten auf, die unseren Verein schon in Berlin gesehen haben. Die Flüge gebucht und nach Tickets gefragt haben. Man verteilt das Fell des Bären nicht, bevor man ihn erlegt hat! Zugegeben: im Stadion waren zum Glück auch eine Menge andersdenkender Fans! Sie machten Stimmung, standen wie eine Wand hinter unserer Mannschaft und zauberten zeitweise endlich wieder Atmosphäre in den Borussia-Park. Vor dem Spiel hörte man dennoch auch den einen oder anderen Helden, der den Verein gedanklich am 27.5. schon nach Berlin begleitete. Für uns absolut unverständlich.

Und trotz dieser ganzen Kacke stellen wir uns heute die Frage: Macht das alles Sinn? Das Aufregen über die Mannschaft, die Frustration über das verpasste Finale? Klar, wir wissen auch, dass unsere Mannschaft alles gegeben hat. Dass Spieler wie Andre Hahn oder Lars Stindl sich die Lunge aus dem Leib gerannt haben. Dass Nico Schulz oder László Benes sich richtig gut eingefügt haben. Dass es viel zu viele und schwer zu ersetzende Verletzte gab. Dass es sicher nicht an mangelnder Einstellung lag – oder daran, dass die Spieler nicht wollten. Dass ein Elfmeterschießen  Glückssache und Lotterie ist. Dass man einem jungen Spieler wie Djibri Sow keinen Vorwurf machen kann, wenn er im Elfmeterschießen scheitert.

Trotzdem sind wir am Boden zerstört. Dieser eine, große Traum ist zerplatzt wie eine Seifenblase. Einfach so, nach 120 Minuten. Was bleiben sind Frustration und Enttäuschung. Es gibt nichts zu beschönigen: Borussia hat diese historische Chance vergeigt!

15 Gedanken zu „Vergeigt!

  • 26. April 2017 um 10:36
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    Guter Kommentar. Bis auf den Hinweis das es unverständlich sein soll, bereits für Berlin geplant zu haben. 1. Optimismus ist einer der wichtigsten Tugenden in einer Fankultur. 2. Hotel muss man zeitnah planen, genau wie berufstätige Urlaub planen müssen. Es hat nichts, rein gar nichts mit dem oft zitierten Bärenzitat zu tun, eher damit, dass man an sein Team glauben sollte.

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  • 26. April 2017 um 10:43
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    hallo, ihr sprecht mir aus der seele. ich bin seit 45 jahren fan und seit mehreren jahren mitglied, aber so eine schlechte leistung der borussia haben ich in einem halbfinale noch nicht erlebt. ich weiss nicht, was der „matchplan“ war, aber die Umsetzung war unterirdisch. keine chancen, mangelndes Miteinander. Totalausfälle. Dahoud? Für so einen Spieler 10 Mio zahlen, der in dem wichtigsten Spiel so untergeht!!! Ich war im Rückspiel gegen Schalke im Stadion, und habe mir damals gedacht, schlechter gehts nicht. gestern war noch schlechter. ich hoffe, dass wir nicht noch in der BuLiga Probleme bekommen. Im Sommer mal alle zusammensetzen und prüfen, was zum Ende der Saison so falsch gelaufen ist und dies abstellen. Tief enttaeuscht.

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    • 26. April 2017 um 11:16
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      bin voll deiner Meinung, obendrein stelle ich mir die Frage warum Borussia ausschau NUR nach einem Defensivmann hält, liest man ja in letzter Zeit öfters hier. So wie es aussieht bauchen wir auch in der Offensive Verstärkung.

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  • 26. April 2017 um 10:48
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    Danke für diese Worte! Genau das spiegelt meine Gedanken wieder.

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  • 26. April 2017 um 11:47
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    Die Leistung der ersten Halbzeit war katastrophal und eigentlich auch unterirdisch. Sich so vor heimischen Publikum – bei der Bedeutung des Spiels – „so zu präsentieren“ ist zutiefst enttäuschend.

    Im Moment wäre ich glücklich, wenn wir unmittelbar noch mal 3 Punkte in der BuLi einfahren könnten, damit es nicht nochmal heiß hergehen wird, denn eines hat man dieses Jahr gelernt: Diese Mannschaft kann keine „Endspiele!“. (Ausnahme dieser Regel: Florenz)

    Ob wir den 6. Platz in der BuLi noch schaffen?
    Ehrlich gesagt, ich glaub absolut nicht mehr daran!

    Obwohl durchaus latente Rachegelüste vorhanden sind, Mo Dahoud weiterhin – insbesondere bei den dargebotenen Des-Leistungen gegen den BVB und jetzt gegen Frankfurt – aufzustellen?
    >> NEIN DANKE! <<

    Dann lieber auf unsere Zukunft in Person von László Bénes setzen und ihn stattdessen kontinuierlich aufstellen, ihn damit auf die nächste Saison vorbereiten. Leider ohne die Teilnahme unserer Borussia an einem europäischen Wettbewerb.

    Der Kader muss jetzt unbedingt bereinigt und auch verstärkt werden, obwohl es situativ schwierig sein wird jetzt Spieler wie Drimic (Leistungsniveau & Verletzung) loszuwerden. Geld genug dürfte sicherlich vorhanden sein, wenn nicht gerade dieses vollständig in unsere zahlreichen Bauaktivitäten fließt. Wozu brauchen wir eigentlich ein Museum? Wenn überhaupt, würde ich dieses lediglich einmalig besuchen wollen! Die gelebte Gegenwart ist mir 100%-ig lieber, so frustrierend sie in diesem Moment auch sein mag, als sich in Erinnerungen vergangener Zeiten schwelgen.

    Übrigens:

    – Ich hätte Tobias Sippel auf jeden Fall für das 11-Meter Finale eingewechselt!!!
    – Ich mache auf gar keinen Fall Djibril Sow für den verschossenen Elfmeter verantwortlich. Ihn aber als absoluter Newbie in der Mannschaft bei einem so wichtigen Spiel und in dieser entscheidenden Situation ggfls. dadurch sprichwörtlich zu verheizen, ihm gegenüber ausgesprochen unfair!

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    • 26. April 2017 um 18:48
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      Komplett deiner Meinung. Ganz besonders hervorzuheben ist dass Benes nun für Dahoud spielen muss. Mo kann sich von mir aus ab sofort gelbschwarz einkleiden.
      Und die Punkte die du unter Übrigens angeführt hast decken sich mit meiner Meinung. 1900%

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  • 26. April 2017 um 12:09
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    Sehr guter Artikel und ich fühle genau so, wie ihr das beschrieben habt. Es ist einfach unfassbar, dass wir es nicht geschafft haben, gegen den Gegner, der körperlich am Ende war, Torchancen zu erspielen. Es fehlt die spielerische Klasse und auch der Mut, etwas zu versuchen. Viel zu oft wird der Ball wieder sicher zum Neben- oder Hintermann gespielt, kaum Eins-zu-Eins-Situationen oder der Pass in die Lücke versucht. Natürlich wiegen die Ausfälle schwer, Raffael oder Hazard hätten unserem Spiel sicher gut getan. Hahn gibt läuferisch und kämpferisch alles, aber er ist auch nicht zielstrebig zum Tor und oft unglücklich in seinen Aktionen. Ich bin immer noch völlig frustriert und muss dann auf der Arbeit noch die Sprüche meiner Kollegen ertragen (FC-Fans!).
    Hervorheben möchte ich aber auch die tolle Stimmung im Stadion – wir als Fans haben alles gegeben und so würde ich mir jedes Heimspiel wünschen. Die Ankündigung der Ultras für die kommenden Spiele ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar, vielleicht könnt ihr ja dazu noch mehr berichten. Die letzten Spiele werden sicher nicht einfach, aber ich stehe immer und bedingungslos zu unserer Borussia und das wird sich auch nicht ändern, wenn wir ein Jahr ohne internationale Spiele erleben müssten. Vielleicht ist der Fußball-Gott ja doch mal auf unserer Seite.
    P.S. Noch ein Wort zu meinem Lieblings-Schiri. Bin ich der Einzige, der nicht verstehen kann, wie dieser Mann pfeift und agiert? Mehr möchte ich dazu nicht sagen, sonst rege ich mich noch mehr auf. Ich wünsche euch einen schönen Tag, denkt positiv.

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  • 26. April 2017 um 13:25
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    Guten Tag liebe Trauergemeinde!!!
    Ich war um 2 Uhr heute Nacht im Bett. Frisch zurück aus dem Stadion. Auch nach fast zwei Stunden im Auto, war ich nicht in der Lage einzuschlafen.
    Zu tief saß dieser Stachel der Enttäuschung und ich muss sagen……sitzt er noch immer. Gut, dass ich heute noch frei genommen habe. Ich stehe noch immer neben mir und meine Gedanken kreisen um diese finstere Niederlage.
    Ich glaube wirklich, dass man als Fan der wahren Borussia ein bisschen auch ein „Masochist“ sein muss.
    Zu oft sind wir schon völlig frustriert worden. Ich habe mein erstes Spiel 1976 live im Stadion gesehen. Bin wohl etwas zu spät geboren :-))
    Danach sind mir eher die Misserfolge und desaströsen Niederlagen in Erinnerung geblieben….
    Man vergisst sehr schnell. Relegation gegen Bochum gewonnen. Danach Euro- und Champions League. Tolle Spiele und Erlebnisse, z.B. in Glasgow!!!
    Trotzdem tut es heute nur weh. Der Gedanke an diese, riesige, verpasste Chance!
    Ja und ich gebe zu, dass auch ich einer von denen bin (muss jetzt selber schlucken),
    Symphatisanten hast du sie genannt ( dachte immer, dass wären ausschließlich Bazis), die aus voller Überzeugung und Optimismus, schon Urlaub genommen und einen Flug und Hotel gebucht haben am 27.05.17 in Berlin.
    Bis auf diese Zeilen waren deine Empfindungen schon okay und in vielfacher Hinsicht deckungsgleich.
    Aber Syphatisant hat mich noch nieman genannt. Da spreche ich dir die Kompetenz schlichtweg ab.
    Frustrierte Grüße aus Iserlohn

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  • 26. April 2017 um 14:09
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    Vermeintliche Spitzenmannschaft. In der Breite so gut aufgestellt, wie noch nie.
    Ich wiederhole mich: Mit Strobl, Hahn, Hoffmann ( ja, der hat tatsächlich mal ne Bude gemacht) da gewinnst du keinen Blumentopf. Und wenn dann noch die eigentlich Guten versagen ( Dahoud vor allem aber auch Stindl und Wendt) dann gewinnt auch Frankfurt. Drei Topspiele hintereinander vergeigt. Zweimal ängstlich und zaghaft und ohne richtige Torchance. Und ohne Sinn und Verstand sprich ohne System. Wird Zeit, dass die Saison zu Ende geht, bevor Schlimmeres passiert. Noch ist die Kuh nicht vom Eis.

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  • 26. April 2017 um 14:43
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    Wieviel schlechte Spiele gab es jetzt unter Hecking? Da habe ich glaube ich mehr gesehen als in der kompletten Spielzeit von André Schubert. Der Unterschied: viele dieser schlechten Spiele wurden mit Punkten belohnt durch Glück. Während die guten Spiele unter André Schubert keine Punkte einbrachten durch Pech.
    Kann bis heute nicht nachvollziehen, warum ein Trainer nach 3 schlechten Spielen beurlaubt wurde. Da suchte man wohl einen scheinbar Schuldigen. Wie sich jetzt zeigt, lag es nicht am Trainer….
    Darüber ein Gedanke wäre nicht schlecht.

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  • 26. April 2017 um 17:53
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    Kompliment für Euren Kommentar.
    Endlich mal Klartext.
    Im Moment ist es kein Vergnügen die lahmenden Fohlen zu sehen.
    Es muss sich jetzt einiges tun. Mit Aussagen wie, jetzt erst recht oder Mund abputzen und weiter, ist es nicht getan.
    Ich hab den Eindruck, die Spieler haben Angst. Man fragt sich, vor wem ?
    Grüße an alle Leidgenossen !

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  • 27. April 2017 um 10:11
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    Sehr guter Kommentar, doch etwas Gutes hat die Pleite – vielleicht wacht das Management langsam auf – das Team ist heruntergewirtschaftet. Spielerisch & Läuferisch (richtige Laufwege) sind wir nur noch unterer Durchschnitt, es reicht nicht mal mehr gegen geschwächte Frankfurter. Fehlt ein Rafael, geht offensichtlich fast gar nichts mehr nach vorne. Ein Dahoud ist gedanklich schon beim BVB – LEIDER. Einem Strobel fehlt das technische Rüstzeug, um mal wenigstens einen genialen Pass zu spielen. Der hochgelobte Elvedi leistet sich pro Spiel mindestens einen folgenschweren Bock – so auch beim 0:1. Hoffmann und Hermann sind liebe Jungs, aber gegen abgezockte Gegner völlig überfordert. Es bleibt nur noch eine Hoffnung, dass ein Hecking mal auf den Tisch haut – MG braucht für die nächste Saison „ausgewachsene“ Profis in allen Bereichen – und BITTE – Lieber Herr Eberl, denken Sie auch mal groß. MG mit dieser Tradition und Fangemeinde hat Zukunft – zurück geschaut hat unser Management leider viel zu lange.

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    • 27. April 2017 um 11:28
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      Dem kann ich nur zustimmen!!

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  • 27. April 2017 um 11:36
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    1. Warum verlernen Fussballer, die gegen Köln und Hertha drückend überlegen waren plötzlich zum Anstoß gegen Frankfurt ihr Können?
    2. Warum können sie dann nach dem Pausentee plötzlich doch dominieren? Wieso brauchen die immer erst eine Ansprache in der Pause?
    3. Warum wurde Benes trotz seines starken Auftritts gegen Hertha wieder in die 2. Reihe gestellt?
    4. Warum nimmt man bei der Verletztenliste nicht einen Stürmer aus der dritten oder vierten Reihe (U23) mit auf die Bank gegen Frankfurt?
    5. Und ja, oben schon gesagt: Warum tauscht man nicht Sommer gegen Sippel vor dem Elfmeterschießen? Und sei es nur, um die Frankfurter Vorbereitung auf Sommers Elfmeterverhalten zu unterlaufen.
    6. „Schubert macht , im Gegensatz zu Favre, jeden einzelnen Spieler nicht besser!“ Welchen Spieler hat Hecking bereits besser gemacht?
    7. „Unter Schubert war die Abwehr ein Scheunentor!“ Was ist sie jetzt?
    8. Wer und wann war der letzte Einkauf von Eberl, der erfolgreich eingeschlagen hat?

    (PS: Habe keine Ahnung von Fußball und selbst auch nie im Verein gespielt. Daher verzeihe man mir meine mhglw. von Unkenntnis geprägten Fragen)

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