Verpatzter Tag.

Die Partie am vergangenen Samstag in der Wolfsburger Autostadt war sinnbildlich für eine mehr als wechselhafte Saison. Im Grunde hatte die Fohlenelf nahezu die komplette Partie im Griff – bis auf eine zweiminütige Ausnahme. Und genau die reichte für eine punktlose Heimfahrt. Über einen gebrauchten Tag in Niedersachsen.

Max Kruse spielte zwei Jahre für unsere Borussia. Zwei Spielzeiten, in denen wir extrem von ihm profitierten und auch er unter Lucien Favre zu einem der besten deutschen Stürmer aufstieg. Diesem Aufstieg ließ er im Sommer des vergangenen Jahres die Unterschrift unter einen äußerst lukrativen Vertrag beim Betriebssportverein von VW folgen. An diesem Wochenende kam es dann zu einem zweiten Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Verein und wer genau zugehört hatte, merkte schnell, dass ihm nicht alle Borussen wohlgesonnen entgegentreten: das Pfeifkonzert bei der Aufstellung und dem Namen Kruse war deutlich lauter als das bei Innenverteidiger Dante. Ein Teilerfolg für den Angreifer, denn war Letztgenannter doch seit Jahren Persona non grata und wurde bei den bayerischen Gastspielen am Niederrhein mit Hohn und Spott belegt.

Ein weiteres Erfolgserlebnis hatte Kruse dann eine knappe Viertelstunde nach Anpfiff. Es war die Zeit, in der die Borussia wieder einmal von einem Gegentreffer in kollektive Träumerei verfiel. Maximilian Arnold bekam in der eigenen Hälfte den Ball und lief los. Und lief, und lief, und lief immer weiter. Bis an den Rand des Gladbacher Strafraumes. Dann ein einfacher Pass auf Kruse, der mit einem Haken gegen Elvedi. Dieser allein reichte um sich dem Schweizer zu entledigen und mit rechts schloss der 27-jährige in bekannter Manier ab. Ein Treffer, der selbst im Training besser verteidigt wird als an diesem Nachmittag im regnerischen Wolfsburg.

Verpasster Big Point im Kampf um Europa

Es war der zweite und entscheidende Treffer in der Partie zwischen den beiden Mannschaften, die den Zusatz VFL tragen. Zwar konnte Raffael nur unweit später mit einem fulminanten Treffer ins kurze Eck verkürzen, doch die Borussia schaffte es in den restlichen 70 Minuten nicht, noch mehr Tore folgen zu lassen. Entweder scheiterte man an den Pranken des Schlussmannes Casteels oder am eigenen Unvermögen. Schade eigentlich, denn wie wir schon in einem der letzten Berichte andeuteten, hätte man an diesem Spieltag einen richtigen Nadelstich setzen können. Betrachtet man die Ergebnisse aus den anderen Stadien, wäre sogar ein Sprung auf Platz drei möglich gewesen. Und das ist eigentlich das größte Ärgernis, das wir aus der VW-Arena mitnahmen: das Gefühl, eine Chance vertan zu haben. Hoffentlich, holt uns zum Saisonende diese Erkenntnis nicht noch einmal ein.

Ein weiteres, sehr mulmiges und steril anmutendes Gefühl, vermittelte uns wieder einmal das Ambiente in der Autostadt. Überhaupt fragen wir uns, weshalb wir bei dieser Bilanz (letzter Sieg noch unter einem Trainer Holger Fach) noch regelmäßig in die Pampa zwischen Hannover und der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze tingeln. Und spätestens beim Anblick des „weiten Rundes“, garniert mit einem baulich hundsmiserablen Gästeblock, geht die letzte Fußball-Romantik flöten. Dazu kam noch, dass die Herren von der Stadionsicherheit erstens einen wahrlich schlechten Tag erwischt hatten.

Warum aufgrund Wolfsburger (!) Fehlverhalten beim „Derby“ in Hannover (inklusive fliegende Fackeln in Richtung Auswechselbank von 96), nun die Gästeanhängerschaft jeglicher Form und Couleur mit härteren Kontrollen sanktioniert wurde, bleibt ein Rätsel der Wolfsburger Verantwortlichen. Ebenfalls schleierhaft ist die Behauptung, dass Kronkorken als Wurfgeschosse gelten, die Münzen aber wieder artig in das Portemonnaie getan werden durften. Auf die freundliche Frage, warum denn heute die Intensität der Kontrollen höher sei, entgegnete der knurrige Sicherheitsmitarbeiter nur: „Stellen Sie sich nicht so an, Sie sind hier halt nicht in der normalen Kurve. Sie sind Gäste-Fan.“ Womit wir das auch geklärt hätten. An Tagen wie diesen danken wir unseren Eltern, dass wir nicht in Wolfsburg geboren wurden – und weinen heimlich, still und leise andächtige Glückstränen in unsere Gladbach-Bettwäsche.

Abzieherei – muss das wirklich nicht sein?

Doch nicht nur auf dem grünen Rasen war der Tag nicht von Erfolg gekrönt – auch auf der Bahnschiene gab es ebenfalls einen faden Beigeschmack. Auf dem Rückweg von Wolfsburg an den Niederrhein wurden BVB-Fans, die ihrerseits nach dem Spiel gegen die Bayern auf der Heimreise waren, einiger Fankleidung beraubt. Die Angreifer sollen klar als der Gladbacher Fanszene zugehörig zu erkennen gewesen sein. Nach unseren Informationen handelte es sich bei den in der deutschen Presselandschaft schnell als „vermummte Idioten“ bezeichneten Täter um Akteure, die keiner bekannten Gruppe unserer Fanszene zuzuordnen sind. Die ganze „Abzieherei“, egal ob bei Gladbacher, Kölner oder Dortmunder Anhängern, nimmt in der Tat schon übertriebenes Ausmaß an. Und Verständnis dafür darf da in jedem Fall niemand erwarten.

Die Frage, warum es dazu immer wieder kommen kann, stellt jedoch auch niemand. Einen Samstag so anzusetzen, dass nahezu zeitgleich Hannoveraner Anhänger auf dem Weg nach Bremen sind, wenn die Gladbacher Fanszene in der niedersächsischen Landeshauptstadt umsteigen möchte. Oder aber die Szenen von Dortmund und Mönchengladbach nahezu parallel durch den Pott zu schicken, provoziert schon fast „ungemütliche“ Begegnungen. Vor allem in Hannover war es nur reiner Zufall oder vielmehr der Deutschen Bahn geschuldet, dass es nicht noch ungemütlich: hätten wir keine Verspätung gehabt, wären sich Hannoveraner und Gladbacher Fanlanger direkt am Gleis begegnet. Es ist bekannt, dass sich beide Szenen nicht erst seit dem Hinspiel im November mit Abneigung begegnen.

Egal ob im Stadion oder auf den An- und Abfahrtswegen, sportlich wie fantechnisch brauchen wir nicht viele solcher Tage. Es wird so langsam Zeit, dass wir uns alle auf das Wesentliche besinnen: endlich wieder Konstanz reinbringen. Nach der englischen Woche kann jetzt jeder im Umfeld des Borussia-Parks bis kommenden Samstag durchpusten. Und dann gemeinsam ab in das letzte Saisondrittel.

Gemeinsam für Borussia. Gemeinsam für Europa. Gemeinsam ohne Nebenkriegsschauplätze.

Foto zu diesem Beitrag: MitGedacht.

Ein Gedanke zu „Verpatzter Tag.

  • 9. März 2016 um 15:55
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    Man soll nicht den Fehler machen Elvedi die Alleinschuld zu geben.Denn im großen und ganzen macht er seine Sache gut.Gegen Frankfurt wieder mit Power und der nötigen Konzentration dann muss es eigentlich klappen.

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