Von Kraftakt zu Kraftakt!

Borussia besiegt den Hamburger SV im DFB-Pokal-Viertelfinale 2:1. Am Ende eines umkämpften Spiels steht der Halbfinal-Einzug – und nach der Auslosung gibt’s zusätzlich die Gewissheit: Berlin ist möglich! Unsere Pokal-Nachbetrachtung.

Es gibt wohl kaum einen Ausdruck, der ähnlich oft bemüht wird, wenn es um die Umschreibung eines umkämpftes Fußball-Sieges geht, wie dieser Klassiker: der „Kraftakt“. Zur Ehrenrettung der Fußballsprache müssen wir jedoch eingestehen: einige Begriffe – egal wie ausgelutscht sie auch sein mögen – treffen den Kern immer noch am besten. Und so war Borussias Viertelfinalerfolg gegen den Hamburger SV auch in der Rückschau eben ein Kraftakt – und das auf allen Ebenen.

Souveräner Elfer entscheidend für den Halbfinal-Einzug 

In erster Linie natürlich für die Mannschaft: Dieter Hecking hatte die Mannschaft ein wenig verändert. Dahoud, Herrmann und Raffael rückten für Strobl, Johnson und Drmic in die erste Elf. Es verwundert trotzdem nicht, dass man Borussia die kaum vorhandene Pause und den Reisestress anmerkte. Im ersten Durchgang entwickelte sich ein umkämpftes Spiel, in dessen Verlauf sich die Hanseaten die besseren Chancen erspielten. Das 0:0 zur Pause kaum auch zustande, weil Yann Sommer endlich wieder entscheidende Dinger wegfischt! Und so war es kurz nach der Halbzeit mit Patrick Herrmann eine frische Kraft, die nach einem langen Ball von Jantschke die Power hatte, den Gegenspieler abzuhängen. Es folgten ein klares Foul an Herrmann und ein souverän verwandelter Elfer von Lars Stindl. 1:0!

Apropos Stindl: Ein Bild unserer „Nummer 13“ sollte aufgrund der vergangenen Wochen in jedem Fußball-Lehrbuch als Prototyp eines Kapitäns abgebildet werden. Starker Typ! Sieben Minuten später war es dann abermals Stindls Schuss, den Adler parieren konnte, bevor Jonas Hofmann beim Versuch des Abstaubers gelegt wurde. Anderer Schütze, gleiches Spiel: Altmeister Raffael vollendete trocken zum 0:2. Was folgte, war eine Abwehrschlacht, an dessen erfolgreichem Ende auch der Anschluss kurz vor Ende nichts mehr ändern konnte.

Stau und Verkehrschaos aufgrund undankbarer Anstoßzeit

Doch auch für uns Fans war der Trip in die Hansestadt ein Kraftakt. Die Anstoßzeit um 18:30 Uhr unter der Woche ist nicht wirklich fanfreundlich. Nicht wenige Borussia-Fans standen daher rund um den Elbtunnel im Stau. Zum Glück konnte das Spiel ganze zehn Minuten später angepfiffen werden. Bei jeder weiteren Minute wäre es aber auch verdammt eng geworden – denn dass sich zwei DFB-Pokalspiele überschneiden, wäre für den DFB und Super-Sender Sky ja ein Unding. Die Interessen der Fans interessieren natürlich nur am Rande.

Dass am Aschermittwoch dennoch rund 3.000 Borussen den Weg in den Gästeblock fanden, ist ein starkes Zeichen. In den Gesprächen rund um den Eingang wurden zwei Dinge deutlich: Zum einen hatten natürlich alle den dringenden Wunsch, die gebeutelten Hamburger aus dem Pokal zu werfen und einen weiteren Schritt Richtung Berlin zu machen. Zum anderen zeigte sich, dass die vielen Touren ihre Spuren hinterlassen hatten. So bemerkte jemand vor dem Block mit einem Lachen, dass er kaum noch wisse, welcher Tag aktuell sei. Aber das seien eben die Schattenseiten des Erfolgs.

Überschaubare Kreativität bei HSV-Choreo 

Und so ähnelte das Spiel auf den Rängen sehr dem Treiben unten auf dem Rasen. So richtig gute Stimmung kam in der ersten Halbzeit irgendwie nicht auf. Um ehrlich zu sein, war da in der Heimkurve schon etwas mehr Bewegung. Wenngleich uns die Choreo der HSV-Fans ein bisschen langweilte. Hamburg macht was mit Schiffen, Seefahrt und Kurs halten. Kreativitäts-Level: naja! Und so brauchte es erst einen Weckruf vom Rasen, um dem müden Gästeblock die letzten Reserven zu entlocken: Die zwei Torjubel krachten schon richtig. Das sind Momente, in denen auch der größte Reisestress nicht zählt.

Dass sich einige alte Herren auf den Sitzplätzen neben dem Gästeblock nicht im Griff hatten, war allzu verständlich. Wir sind allerdings immer noch der Meinung, dass man das teure Stadionbier besser trinken sollte! Doch ebenso souverän wie die Jungs auf dem Rasen die Angriffe der ewigen Abstiegskämpfer erwiderten, wehrten auch wir das geworfene Plastik ab. Als dann gegen 20:27 Uhr der Schlusspfiff ertönte, hatte unsere Mannschaft ihren Kraftakt gemeistert: Halbfinale, wie geil! Wir Fans sangen da schon etwas von diesem Berlin, in das wir scheinbar jetzt fahren. Ruhig Blut, Leute!

Träumen erlaubt – aber alles zu seiner Zeit

Erst einmal ging es nämlich nach Hause. Noch auf der Rückfahrt mit den anderen Bekloppten fieberten wohl alle Fans der Auslosung entgegen und freuten sich diebisch über das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Ein Pokal-Halbfinale zwischen zwei geschichtsträchtigen Vereinen mit riesigen Fanszenen unter Flutlicht ist eine der größten Sachen, die ein wirklicher Fußball-Fan sich wünschen kann. Noch größer ist da nur das Finale. Aber alles zu seiner Zeit – wobei einige besonders Eifrige doch schon über ein Wochenende Ende Mai philosophierten und planten.

Nun ist es gemeinhin so, dass auf einen Kraftakt eine Phase der Erholung folgt. Dem ist in unserem Falle nun nicht so. Das haben wir unseren Jungs zu verdanken! Als wir Ende Januar das Stadion in Darmstadt frustriert und durchgefroren verließen, rechnete kaum jemand damit, dass wir knappe anderthalb Monate später das Pokal-Halbfinale und das Europa League-Achtelfinale erreichen würden. Dass das jetzt so ist, können wir kaum fassen. Die Jungs haben uns in den vergangenen Jahren immer wieder überrascht. Wir haben immer wieder geschimpft, gezweifelt und viel zu viel Schwarzmalerei betrieben. Immer wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand zu stehen schien, hat sie sich umgedreht, die Ärmel hochgekrempelt und zum Gegenangriff geblasen. Auch wenn sicher nicht alle Spiele der Hinrunde vergessen sind: Das ist ganz stark!

Nun lasst uns gemeinsam in den Frühling gehen, die Zähne zusammenbeißen, jede der bevorstehenden Aufgaben meistern und gemeinsam dafür sorgen, dass es immer weitergeht. Oder anders: Lasst uns gemeinsam von Kraftakt zu Kraftakt denken!

Foto zu diesem Beitrag: MitGedacht.

Ein Gedanke zu „Von Kraftakt zu Kraftakt!

  • 2. März 2017 um 16:26
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    Bärenstark kommentiert. Sprachwahl messerscharf gesetzt. Weiter so, Jungs

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