Zwei Klassen!

Borussia gewinnt in einem emotionalen Derby 3:2 gegen den 1. FC Köln. Der Sieg ist hochverdient und fällt zu knapp aus. Auch auf den Rängen punktet die Nordkurve.

„Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!“ Auch am Tag nach Borussias grandiosem 3:2-Sieg gegen den „Effzeh“ werden wir den Ohrwurm nicht los. Endlich gewinnt Borussia wieder ein Derby! Und das auch noch im gegnerischen Wohnzimmer. Endlich sind die Fronten am Rhein wieder geklärt! Endlich haben wir wieder die Nase vorn.

Aber alles der Reihe nach. Zuerst zum Sportlichen: Was war das bitte für ein Spiel? Dreimal in Führung gegangen, zweimal nach dummen Ausgleichstoren mit viel Moral zurückgekommen. Einen schwachen Gegner, der in dieser Verfassung nichts im Europapokal zu suchen hat, jederzeit im Griff gehabt. Dieser Sieg war hochverdient – ohne Wenn und Aber.

Ein Lob daher an unsere Jungs auf dem Platz! Wahnsinn, wie ihr Euch da durchgekämpft habt. Wahnsinn, was ihr an Aufwand betrieben habt. Wahnsinn, dass ihr zweimal zurückgekommen seid. Ihr seid wahre Derbysieger. Auch wenn es zwischendurch fußballerisch mal kurz gehapert hat: Die Einstellung hat fast immer gestimmt. So geht Derby.

Für Europa ebenfalls nicht gewappnet: die Kölner Südkurve, die gegen eine international erfahrene Nordkurve den Kürzeren zog. Bereits am Morgen hatten sich knapp 500 Jungs und Mädels vom Alter Markt aus auf den Weg Richtung Hauptbahnhof gemacht. Eigentlich herrschte totale Vorfreude, alles war in Butter. Aber wer hat sich bitte das Konzept der Bundespolizei am Gladbacher Hauptbahnhof ausgedacht? Und wieso hatten die Beamten drei Fahrzeuge einfach mitten vor dem Haupteingang stehen lassen? Da bleiben einige Fragen. Deeskalierend war das Auftreten der „Ordnungshüter“ jedenfalls nicht – und die ständige Enge hätte man vermeiden können.

In der Domstadt angekommen lief alles trotz recht später Ankunft dann aber überraschend reibungslos. In Ehrenfeld raus, rein in die Bahn, Abfahrt über den Gürtel und die Aachener Straße nach Müngersdorf. Auf dem Weg der eine oder andere sich selbst maßlos überschätzende und mittelfingerzeigende Kölner. Dann die immer wieder heiß erwartete „neuralgische Stelle“ am Militärring.

Früher schaute man hier noch in wutverzerrte Derby-Gesichter. Heute in Handykameras. Wahnsinn: Überall nur Handys. Wir fragen uns, was Jupp aus Poll und Dennis aus Hürth mit solchen Videos nachher machen? Kommen die nach Hause und erzählen: „Guck mal, da sind die dummen Gladdis. Die sind alle Bauern und wohnen in Holland.“? Erfreulich ist es allerdings, dass es keine nennenswerten Zwischenfälle gab. Ein friedliches Derby!

Spruchbandtechnisch hat man sich in Köln auch schon einmal kreativer und von besserer Seite gezeigt. Die Nummer-Geschichte: gut, eine Retourkutsche für eine frühere Aktion. Allerdings nicht wirklich kreativ. Achja, und dann war da noch dieses sagenumwobene Puma-Banner. Liebe Kölner, was wolltet ihr uns damit genau sagen? Nach gefühlten zehn Minuten des Ausrollens konnten wir immerhin schon einmal lesen „Für uns seid ihr auch ohne Puma die größten…“. Dann kam dem Entrollen allerdings ein Block-Mundloch in die Quere. Sollten wir uns tatsächlich nicht verguckt haben und da etwas mit „Muschis“ gestanden haben, wäre es wohl das schlechteste Wortspiel des Jahres. Für alle, die noch genauso verwirrt sind wie wir: Puma, Katze, Muschis… Puh, da muss man schon um sieben Ecken denken. Und grundsätzlich vom Tonfall auch noch hochgradig peinlich.

Aber zurück zur Stimmung: Wir fanden, dass der Gästeblock einen guten Auftritt hingelegt hat. Sicher wäre vor allem nach dem 1:1-Ausgleich und zu Beginn der zweiten Hälfte mehr drin gewesen. Insgesamt war das aber schon ordentlich. Ein traditionelles Lob geht an den starken VfL-Wechselgesang, den man in Köln wieder einmal mit hektischen „Hurensöhnen“-Rufen zu unterdrücken versuchte. Keine Chance! Also schnell gesangliche Steine schmeißen auf die Elf vom Niederrhein. Keine Chance! Dann eben alle Kunden mit „Steht auf, wenn ihr Kölner seid“ dazu holen und hüpfen. Keine Chance!

Der Stimmungskern in der Südkurve konnte uns nach den eigenen Toren jedoch überzeugen. Insgesamt scheint die Fanszene des „Effzeh“ aber mit ähnlichen Problemen zu kämpfen zu haben wie wir: Schlechte Mitmachquote, kaum Motivation in den Außenblöcken. Wir geben es ja ungern zu: Wenn es mal läuft, ist das Müngersdorfer Stadion sicher zu vielem fähig. In diesem Derby lief es aber eben nicht.

Aber schauen wir weniger auf die anderen, sondern auf uns. Der Derbysieg wurde nach dem Spiel noch gebührend mit der Mannschaft gefeiert, ehe es dann ohne Probleme zurück nach Ehrenfeld ging. Von dort aus ging es mit dem Entlaster zurück nach Mönchengladbach und in die Kneipen, die an diesem Abend die Welt bedeuteten.

Unsere Quintessenz des Tages: Wir sind wieder da und dran! Borussia ist endlich wieder da angekommen, wo sie hingehört: In Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen. Das zeigt: Man kann eine Saison lang groß labern, mit neun Punkten Vorsprung. Man kann Tore des Jahres feiern und internationale Pläne schmieden. Abgerechnet wird am Schluss. Und da sind wir uns nach diesem Spiel sicher, dass Borussia vor dem 1. FC Köln landen wird. Dieses Derby hat sie wieder offenbart: die gute alte Zweiklassengesellschaft. Nach der Europapokal-Logik sind wir übrigens nach Hin- und Rückspiel Derbysieger. Aber was weiß Köln schon vom Europapokal?

Die Nummer eins am Rhein bleiben wir! Punkt.

Fotos: Dominik V. für MitGedacht.

9 Gedanken zu „Zwei Klassen!

  • 10. April 2017 um 0:04
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    Also absich war sas konzept der polizei in Ordnung der Ablauf nach *öln auch..
    Aber von köln nach Gladbach der reinste SCHEIß die Polizei hat mehrere Gladbacher nicht mehr in den sonderzug gelassen.
    Die aussage dazu“er sei voll die reinste lüge“
    Der sonderzug war nicht überfüllt

    Ich (paar von uns)wareb erst nach 21 uhr in Mönchengladbach

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  • 10. April 2017 um 11:02
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    „Dann eben alle Kunden … “
    Könnt ihr euch das nicht sparen? Nur weil die nicht in der Kurve stehen sind die auch Fans, vielleicht länger als ihr.
    Ansonsten geiles Derby mit dem richtigen Ausgang!

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  • 10. April 2017 um 11:33
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    Nette Zusammenfassung, bei der es eher um Selbstbeweihräucherung der selbsternannten Fanelite geht, als um eine sportliche Rückmeldung.

    Und um Fußball geht es nun im eigentlichen Sinne, oder doch eher um die Egos der Fackelanzünder.

    Apropos Bengalo. Wer übernimmt eigentlich die Strafe welche die Borussia nun wieder zahlen muss? Die Ultra-Gemeinschaftskasse?? Würde mich interessieren.

    Gezeichnet: Nordkurve seit 1990.

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    • 10. April 2017 um 12:07
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      Hallo Christoph.

      Bengalos und Pyros erwähnen wir doch mit keinem Wort. Wir dokumentieren lediglich das Geschehen auf den Rängen mit einem Foto. Zu deiner Kritik an der fehlenden sportlichen Berichterstattung: Wir sind nicht umsonst ein Fan-Blog. Bei uns geht es eben in erster Linie um die Fans – und nicht um Taktik-Kniffe oder einen detaillierten Spielbericht.

      Wer die Strafe nun zahlt, musst Du selber herausfinden. Da wir uns ob Deines Untertons nicht ganz sicher sind, wollen wir noch einmal betonen, dass MitGedacht. zwar aus der aktiven Fanszene, nicht aber aus der Ultraszene kommt.

      Gezeichnet: die vier MitGedacht.’ler

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      • 10. April 2017 um 14:28
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        Hallo liebe MitGedacht.l´er,

        vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Ich muß zugeben, das Argument mit dem Fan-Blog zieht eindeutig. Daher ist meine kritig hier an der falsche Adresse.

        Anderseits, sicherlich erwähnt Ihr keine Bengalos und Pyros. Auf dem Foto #2 erkenne ich dennoch ein oder zwei davon. Ist das jetzt eher ein Foto über eine misslungene Aktion? Oder doch eher eines nach dem Motto: Schaut her wie toll wir sind.

        Und dann stell ich mir die Frage: Die aktive Fanszene hat kein Interesse daran festzustellen wer für den Schaden aufkommt, den ein paar Ihrer Unterstützer, oder ein paar Ultras zu verantworten haben? Fände ich irgendwie inaktiv.

        Antwort
    • 11. April 2017 um 14:17
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      …Du sprichst mir aus der Seele …die bekanntlich brennt!
      Soll der Club den Ultra-Jungs mal ein Angebot machen: Eine Saison ohne Zündelei ergibt das Budget für alle Coreos bei allen Heimspielen! Dann werden wir ja sehen wieviel Fan mit wieviel Bengalos das Märchen von den besten Fans entlarven.

      Antwort
  • 10. April 2017 um 23:34
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    Da braucht man nicht lange nachdenken, die Berichtschreiber waren und sind auch noch stolz auf die dämlichen Fackelschwenker – ansonsten könnte man sich so ein Foto im Bericht sparen.
    Ein kleiner Hinweis darauf, dass es mal wieder eine völlig unnötige Aktion gab hätte genügt – aber das würde nicht der eigenen Überzeugung entsprechen – nicht wahr?
    Es war peinlich wie immer.

    Antwort
  • 11. April 2017 um 17:01
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    Ich war sehr gespannt auf dieses traditionsreiche Derby, aber wurde umso mehr enttäuscht.
    Zur Südkurve: Von der Lautstärke bis zur Mitmachquote, was das echt Magerkost. Einzig ein paar Lieder, die nicht zum deutschen Einheitsbrei gehören, konnten mich einigermaßen überzeugen sowie paar schnieke Fahnen. Das war es aber auch.
    Zum Gästeblock: Schöne Beflaggung, gute Mitmachquote und nette Pyroshow. Von der Lautstärke hat mir da doch etwas gefehlt. Jedoch fand ich es unsäglich, dass man ohne jegliche Scham, bekannte Evergreens bzw. Kurvenhits aus FFM (Okay, machen viele aber trotzdem ein No-Go), Stuttgart und Nürnberg, mit anderem Text, kopiert und dagegen keinen einzigen eigenen Hit auf Lager hat. Da braucht es definitiv Nachhilfe Unterricht von den Freunden aus Köpenick.

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  • 13. April 2017 um 17:39
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    Hach ja, mein Fohlen-Herz geht immer wieder auf, wenn ich das Wort „Derby-Sieger“ höre 🙂

    Nun gilt es nachzulegen, damit wir doch noch die europäischen Ränge erreichen.

    Die Stimmung war super bei den Gladbachern, so macht Fußball Spaß!

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