Ein willkommener Gegner?

Am Samstagnachmittag trifft Borussia zu bester Bundesliga-Zeit auf die Eintracht aus Frankfurt. Die Adler standen zuletzt auf vielen Ebenen im Fokus der Öffentlichkeit: Sowohl fantechnisch als auch sportlich sorgte der Verein aus „Mainhattan“ für Schlagzeilen. Unser Vorspiel.

Die Szene, die sich 2011 als „Randalemeister“ feierte, macht wie immer permanent Schlagzeilen. Nach dem Hessenderby gegen Darmstadt kletterten ein paar Jungs über die Absperrung in den Innenraum und in Aue gab es eine ausgiebige Pyroshow. Das konnte sich der DFB natürlich nicht bieten lassen. Und so gab es eine saftige Strafe vom Verband der absoluten Saubermänner. Der DFB schloss Teile des Stehplatzblocks im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, untersagte die Reise der Frankfurter im kommenden Rückspiel zum SV Darmstadt 98 und verhängte ein Choreo, – und Blockfahnenverbot bis Saisonende. Dazu die üblichen Geldstrafen. Irgendwann müssen wir ja nochmal ein großes Turnier in Deutschland haben. Sommermärchen reloaded! Oder so.

Über Sinn und Unsinn von Kollektivstrafen haben wir ewig diskutiert. Dass sich die Vereine gegen die willkürlichen Strafen der Verbände nicht zur Wehr setzen ist mittlerweile auch bekannt. Irgendwie scheint diese Resignation auch in der Frankfurter Szene angekommen zu sein. Der Umgang damit ist aber völlig neu – zugegebenermaßen freut er uns auch ein wenig. Das Choreoverbot haben die Ultras Frankfurt jetzt schon mehrfach ad absurdum geführt. Die geschlossenen Blöcke im Heimspiel gegen Stuttgart? „Dann eben ab in den Oberrang neben dem Gästeblock!“, dachte man sich in der Frankfurter Szene wohl.

Seitdem interessiert die Frankfurter auch das stillschweigende Agreement, das es zwischen den meisten Vereinen und Fanszenen gibt, zuhause keine Pyrotechnik zu zünden, nicht mehr. Statt komplett auf Choreos zu verzichten gibt es jetzt eben Choreos mit Pyrotechnik. Kurzum: Die Nordwestkurve hat dem DFB mal eben gezeigt wer in Frankfurt das Sagen hat. Vielleicht denkt der Verband nun ein wenig darüber nach, ob kollektive Strafen wirklich das richtige Mittel sind. Wir bezweifeln das zwar, begrüßen die Zeichen der SGE-Anhängerschaft dennoch. Vielleicht kann man den Dialog mit den Fans ja doch erzwingen. Jedenfalls schauen wir am Samstag mit Interesse auf den Gästeblock.

Armin Veh scheitert

Aber selbstverständlich nicht nur dahin. Denn die Diva vom Main bleibt immer die Diva vom Main. So machte der Verein nicht nur fantechnisch von sich Reden. Auch sportlich sorgte die Eintracht zuletzt für Schlagzeilen. Am Sonntagabend wurde Cheftrainer Armin Veh entlassen – nach gerade einmal 266 Tagen Amtszeit. Es ist das traurige Ende eines Missverständnisses. Mit viel Elan war Veh wieder zur Eintracht zurückgekehrt. Vielleicht übertünchte die Euphorie aber eklatante Probleme im Verein. Viele Fans hatten Veh seinen schnellen Abgang 2014 nicht verziehen. Seine damalige Begründung: „Ich will nicht mehr so oft dem gegnerischen Trainer gratulieren.“ Überraschend wechselte er dann zum Ex-Klub VfB Stuttgart – gefühlt kein Karrieresprung.

Die Diskrepanzen zwischen Teilen der Fans und Trainer wurden in dieser Saison immer größer. Im Waldstadion sah man häufig „Veh raus“- oder „Vehrpiss Dich“-Plakate. Die schwachen sportlichen Resultate befeuerten diese Entwicklung. Nach 25 Spieltagen hat Frankfurt gerade einmal fünf Spiele gewonnen, neunmal spielte der Klub unentschieden, unterlag elfmal. Ein Grund: Der schwach zusammengestellte Kader.

Das Frankfurter Online-Magazin „SGE4ever“ erklärte zuletzt: „Armin Veh ist vor allem gescheitert, weil er und die Eintracht (…) zu sorglos den Neuanfang wagten. Mit Rode, Schwegler und Jung waren drei Säulen seiner ersten Amtszeit nicht mehr dabei, die bis auf den heutigen Tag nicht adäquat ersetzt werden konnten. Fehlendes Tempo im Mittelfeld glaubte er mit der Erfahrung eines Reinartz ersetzen zu können, und der Weggang von Inui sollte durch junge, talentierte Kräfte kompensiert werden. (…) Wer hätte vor Saisonbeginn (außerdem, Anm. d. Red.) prognostiziert, dass mehrere vermeintliche Stützen (Oczipka, Aigner und Seferovic) sich monatelang in einem Tief befinden würden, aus dem sie bis heute nicht herausgefunden haben? Letztendlich konnte sich Veh nur darauf verlassen, dass Hradecky, Meier und – mit Abstrichen – Stendera ihr Leistungsvermögen abriefen.“

Kovac für den Neuanfang

Armin Veh ist also Geschichte – vermutlich für immer. Denn mit seiner Entlassung dürfte auch die lange kolportierte Nachfolge Heribert Bruchhagens als Sportvorstand nicht für ihn in Frage kommen. Überraschend stellte die Eintracht am Dienstag übrigens Vehs Nachfolger vor: Niko Kovac. Der als Vereins-Trainer noch recht unerfahrene Kroate (Jugend-Coach Salzburg, Nationaltrainer Kroatien) soll die Eintracht gemeinsam mit seinem Co-Trainer und Bruder Robert nun vor dem fünften Bundesliga-Abstieg retten. Ein zumindest gewagtes Unterfangen.

Laut Fachpresse scheint ein Neuanfang bei der Eintracht aber spürbar. „Bei seiner Vorstellung verbreitete der neue Cheftrainer, was der Eintracht seit Wochen fehlt: großen Optimismus. (…) Auf dem Übungsplatz sind die Kovac-Brüder häufig mittendrin. Robert streifte sich das gelbe Leibchen über. Niko machte einige Übungen selber vor“, schrieb der „kicker“. Dinge, die man unter „Dirigent“ Armin Veh zuletzt nur selten rund ums Waldstadion gesehen hat. Daher wird es spannend, was Kovac im Detail ändert. Der Kroate ließ in dieser Woche geheim trainieren. Es zeichnet sich aber ab, dass der von seinem Syndesmoseriss genesene Stürmer Luc Castaignos wieder spielen könnte. In der Abwehr könnten Kaan Ayhan und Marco Russ das Duo Abraham/Zambrano ablösen.

Wie auch immer die Eintracht spielt: Für unsere Borussia sollte dennoch nur ein Sieg zählen. In den letzten zehn Spielen konnten die Frankfurter nur zwei Spiele gewinnen. Warum sollte ausgerechnet der Trainer-Wechsel für einen Umschwung sorgen?

Und zu diesem Sieg können wir – wie immer – einiges beitragen. Wie oben erwähnt ist die Frankfurter Szene auf den Rängen kein einfacher Gegner. Unser Anspruch sollte es aber sein, auch einen solchen Gegner auf den Rängen in die Schranken zu weisen. In diesem Sinne und mit einem Gruß nach Frankfurt gilt am Samstag:

Ausländer rein! In der Kurve gehen Rheinländer aus sich raus! Frankfurter Absteiger!

Foto zu diesem Beitrag: MitGedacht. 

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