Scheiß Fußball!

Nicht verloren und trotzdem raus: Für Borussia ist die Europa League nach dem 2:2 im Rückspiel gegen Schalke vorbei – dabei hatte die Fohlenelf das Weiterkommen vor Augen. Es bleiben Frust, Enttäuschung und Wut. Unsere Nachbetrachtung.

Fußball ist brutal, Fußball ist scheiße! Auch einen Tag nach dem Euro-League-Achtelfinale unserer Borussia bleibt diese bittere Erkenntnis. 2:0 gegen Schalke 04 geführt, den Gegner weitestgehend unter Kontrolle gehabt. Chancen zu kontern relativ leichtfertig vergeben. Dann die Quittung. Ein Platzfehler und ein geschenkter Elfmeter katapultieren Schalke ins Viertelfinale. Und uns aus dem Wettbewerb. Was für eine Scheiße!

Das europäische Aus gegen den Bundesliga-Konkurrenten aus dem Ruhrpott ist extrem bitter. Nicht nur nach dem Spiel, auch jetzt noch fühlt es sich an wie ein Abstieg oder eine Derby-Niederlage. Klar, Borussia hatte auch in Hälfte eins sicher kein überragendes Spiel gemacht, die Kiste aber im Griff gehabt. Vielleicht waren sich alle Beteiligten nach dem 2:0-Kunstschuss von Mo Dahoud unmittelbar vor der Pause auch schon zu sicher. Schulterklopfen hier, anerkennendes Nicken da. Und die einhellige Meinung: das wird schon. Denkste!

Klar, der Platzfehler und Schiri Clattenburgs Entscheidungen sind bitter und fragwürdig. Yann Sommer hätte Goretzkas Gurkenball vor dem 1:2 locker aufgefangen. Und jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, dass Mo Dahouds Bewegung im Strafraum zwar komisch aussieht, aber keinesfalls ein Handspiel ist. Gerne hätten wir mal die Erklärung von Pfeife Clattenburg zu diesem Elfmeter gehört. Der Scheißhaufen der UEFA untersagt Schiedsrichtern aber, sich öffentlich nach dem Spiel zu äußern. Unser Pech, Schalkes Glück.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber leider auch: Unsere Mannschaft konnte den in Hälfte zwei angestachelten Gegner nicht mehr einbremsen und ergab sich kurz darauf dem eigenen Schicksal. Kein Leader, der vorweg ging und die eigene Truppe hochzog. Kein Mut, in Zweikämpfe zu gehen. Stattdessen ließ sich die Fohlenelf immer weiter nach hinten drängen und bettelte – wie schon im Hinspiel – um gegnerische Chancen. So gesehen muss man also nach den 90 Minuten konstatieren: Selber schuld!

Dass Königsblau am Ende jubeln durfte, ist aufgrund des Zustandekommens der beiden Tore gefühlt glücklich. Schaut man sich die Spieldaten nach 90 Minuten muss man objektiv aber leider zum Schluss kommen, dass es nicht gänzlich unverdient ist. 16:9 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, mehr Ballkontakte, mehr gewonnene Zweikämpfe. Schalke war mutig, unsere Truppe nicht. Ein Spiel dauert eben 90 und nicht 45 Minuten.

Schade allerdings, dass auch von den meisten Fans kein Aufbäumen mehr kam. Hatte die Nordkurve in den ersten 60 Minuten noch einen ordentlichen Auftritt hingelegt und für eine ordentliche Europapokalstimmung gesorgt, ergab auch sie sich nach dem Ausgleich zunehmend. Anstatt die Mannschaft noch einmal nach vorne zu peitschen, überließ man dem Gästeblock das akustische Feld. Auf der eigenen Seite dagegen: Lethargie, Pfiffe gegen einen eigenen ausgewechselten Spieler, erste Fluchtversuche zum Auto. Aus unserer Sicht in dieser Situation unnötig!

Trotzdem irgendwie lustig – und diesen Seitenhieb können wir uns nicht verkneifen – wie 5.000 Schalker plötzlich die „Helden“ feiern, die vor 12 Tagen noch ausgepfiffen wurden und als größte Versager galten. Die Schnelllebigkeit zählt also auch weiter zur Schalke Vereinsidentität – ob in der Trainer-, Spieler- oder Heldenwahl. Wir sind uns zum Glück sicher, dass S04 mit der Leistung weiter keine Bäume ausreißen wird. Und wir diesen Verein hoffentlich dann erst 2018/19 wieder auf internationale Bühne sehen. Und damit dann auch genug zum Gegner!

Fußball ist brutal, Fußball ist scheiße! Vermutlich wird diese Erkenntnis noch ein paar Tage anhalten. In der einen Hälfte bist du der Held, in der anderen der Trottel. Es geht um Emotionen, um Helden, um Titel. Wahrscheinlich lieben wir diesen Sport aber auch genau deshalb und reisen für 90 Minuten quer durch Deutschland und Europa. Natürlich wäre es überragend gewesen, hätten wir unserer kuriosen und fantastischen Saison noch ein weiteres Kapitel hinzufügen können. Am Ende hat es aber einfach nicht sein sollen. Auch wenn das heute vielleicht noch keiner hören will: Es war trotzdem eine grandiose Champions- und Europa-League-Saison.

Jetzt kommt Bayern, danach ist Pause. Zum Glück! Zeit sich auszuruhen, alle Kräfte für den Endspurt zu bündeln und dann neu anzugreifen. Lassen wir uns nicht unterkriegen! 

9 Gedanken zu „Scheiß Fußball!

  • 17. März 2017 um 10:59
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    „60 Minuten noch einen ordentlichen Auftritt hingelegt“? Die Stimmung gestern war so miserabel, unglaublich. Haben uns die Schalker überhaupt einmal hören können? Das war gestern ein Heimspiel für Schalke. Die Mannschaft kam so heftig ins Straucheln nach der Pause, dort hätte es eine ganz klare Reaktion von den Rängen geben müssen, statt dessen: Nichts. Absolut schwacher Auftritt von der (in-)aktiven Fanszene, noch schlechterer Auftritt der restlichen Nord-Süd-Ostkurve. Nichtmals das (mini) Echo Wurde richtig durchgepeitscht.

    Zum Auftritt der Mannschaft kann man nicht so viel sagen. Es reicht eben nicht im Achtelfinale der Euroleague mit Drmic, Hofmann und Strobl anzutreten. Jantschke unterirdisch. Herrmann höchstens MItläufer (immer). Dahoud, Christensen, Raffael Top. Besonders Raffael hat gezeigt wie man kämpft UND Fußball spielt. Was Pfiffe gegen den Drmic angeht, sind diese mMn völlig legitim. Jemand der Millionen damit verdient regelmäßig größte Chancen zu verballern und das restliche Spiel über nicht existent ist, hat es nicht verdient Applaus für seine Nicht-Leistung zu bekommen, da kann der jammern wie er will. Mit der Aufstellung von Drmic hat Hecking sich stark vercoacht, nach dem HSV-Spiel sollte jedem klar gewesen sein, dass Drmic nichts im Profifußball zu suchen hat.

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    • 17. März 2017 um 11:22
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      Mehr als Drimic gibt der Kader nun einmal nicht her. Sportlich war das Ausscheiden ok.
      Zum Thema Stimmung gibt es nicht mehr viel zu sagen. Es ist Ja mittlerweile egal ob man im Süden sitzt oder im Norden steht (Außer Block16) die Stimmung ist gleich Null. Ob es die Jungs hören wollen oder nicht. Die Leute folgen den Ultras nicht. Zum Teil bestimmt den Medien, zum Teil aber auch dem Verhalten einiger(besonders Auswärts) geschuldet. AN SOTTOCULTURA: IHR MÜSST WAS ÄNDERN

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    • 17. März 2017 um 11:24
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      Moin „Dahoud“,

      da einige unserer Autoren im Spiel immer mal wieder für Fotos auf der Ost weilen, stehen wir zu unserer Einschätzung der Stimmung. Wir glauben, dass wir das ganz vernünftig einordnen können. Hintenraus leider tatsächlich ein schlechter Auftritt der Nordkurve.

      Tja, wenn Du knapp ein Drittel der Mannschaft kritisierst, können wir Dir auch nicht helfen. Wir sind nun einmal Borussia Mönchengladbach und nicht Bayern München. Drmic hat sicher bei der einen Gelegenheit nicht gut ausgesehen. Allerdings bereitet er das erste Tor vor. Zählt das für Dich nicht? Finden wir etwas engstirnig. Genau wie deine Ansicht, dass Pfiffe im Spiel gegen die Mannschaft ok sind. Tolle Einheit, führt sicher immer zum Erfolg.

      Na dann, schönen Start ins Wochenende. Deine vier MitGedacht.’ler

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  • 17. März 2017 um 12:01
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    Bessere Zweikampfdaten,mehr Torschüsse,mehr muss man doch eigentlich nicht sagen,wir machten in HZ1aus 2Chancen 2Tore,S04 war auch dort stets präsent.HZ2begann extrem schlecht,durch einen Platzfehler kommen die Knappen zum Anschluss,aber die darauf folgenden Minuten war Borussia vogelwild,keine Gegenwehr mehr,gegen furios drauf gehende Schalker und die Krönung war die Leistung des Gespanns von der Insel,fragwürdige Abseitsentscheidungen,langes warten mit Pfiff und dann der 11er,das war die spielentscheidende Szene,damach böumten sich einige in der 11 vom Niederrhein noch einmal auf,aber nicht alle,ich nenne keine Namen;die jungs werden eh Down sein;da sollte man nicht noch drauf hauen,aber einigen fehlte der Glauben und der absolute Wille,es noch mal rum zu reissen;ich bin selbst heute noch extrem geknickt und traurig,was bleibt,ist die Hoffnung auf eine jetzt erst recht Reaktion,auch die Bayern sind schlagbar,Kopf hoch jungs💚

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  • 17. März 2017 um 12:40
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    @Christian: Da muss ich dir vollkommen Recht geben. Zwar ist die Stimmung auswärts etwas besser als Zuhause, aber da kommt zu wenig. Und die Anheizer schaffen es werder das ganze Stadion, geschweige denn die Nord zu erreichen. Ich supporte immer gerne mit, aber die Sottocultura-Lieder kenne ich nicht und Timo Werner und Scheiß FC muss ich zum anfeuern der Mannschaft vor allem bei einem Rückstand nicht singen! Da muss echt was passieren!
    Zum Spiel kann ich mich dem Artikel anschließen. Man kann es aber nun drehen und wenden, wie man mag, es ist so, wie es nun ist. Konzentrieren wir uns lieber auf die beiden Chancen, die die Mannschaft noch hat: DFB-Pokal und evtl. EL-Tabellenplatz. Und dazu ist auch die Unterstützung unserer Fans gefragt, genauso wie die Leistung der Mannschaft. Bald ist Zeit zum Durchatmen. Und dann geht’s in den Endspurt! 💚⚽

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    • 17. März 2017 um 22:10
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      „Ich supporte immer gerne mit, aber die Sottocultura-Lieder kenne ich nicht und Timo Werner und Scheiß FC muss ich zum anfeuern der Mannschaft vor allem bei einem Rückstand nicht singen! “

      Nein, du musst nichts mit den Ölner oder dem Brausefuzzi singen. Aber vielleicht einfach mal die Lieder lernen? Leben ja nich im Zeitalter von youtube, etc.

      Was für eine Aussage….

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  • 18. März 2017 um 7:35
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    Man sollte aber auch nicht vergessen, dass einige sehr gute Spieler bei Borussia nicht Einsatzbereit waren.

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  • 19. März 2017 um 8:10
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    Inzwischen hab´ ich das ärgerliche Ausscheiden aus der EL einigermaßen verdaut.
    Leider gibt unser Kader den 1:1 Ersatz von mehreren wichtigen Spielern nicht her, sodaß man mit dem Erreichen des Achtelfinals m.M.n. von einem Achtungserfolg sprechen kann.

    Zur Stimmung am Donnerstag im Park kann ich nur bestätigen, dass aus dem Gelsenkirchener Block selbst nach dem 0:2 ein toller Support zu vernehmen war und das hat deren Spieler mit Sicherheit auch gepushed.

    Von der Nord (und auch von den anderen Tribünen) war da für ein so wichtiges Heimspiel nur verhältnismäßig wenig zu hören und wenn, dann oft nur irgendein undefinierbarer Singsang. Überhaupt, anstatt Schmähgesänge gegen die Gäste anzustimmen bevor diese besiegt sind („Scheiße 04“ – wie originell!) würde ich doch lieber versuchen die eigene Mannschaft zu motivieren. Dann geht der Schuß auch nicht – so wie am Donnerstag – nach hinten los. Die Schalker haben (nach dem Spiel!) besondere Freude daran gehabt, unseren albernen Torjubel zu verwenden – und damit wahrscheinlich so manchen Borussen zur Weißglut gebracht.

    Und dann die Pfiffe gegen Drimic bei seiner Auswechselung – das ist ja wohl unter aller Sau! Man muss ja nicht klatschen oder jubeln, aber pfeifen gegen den eigenen Spieler geht gar nicht. Früher wurden Spieler mitunter während des Spiels besungen und deren Name skandiert, auch und gerade wenn sie die Unterstützung brauchten. Heute werden Sie offenbar nur noch gemobbt, wenn sie den Ansprüchen der Tribünenexperten nicht genügen – ganz arm!.
    Aber für die eigenen Jüngelchen extra Transparente anfertigen, wenn die mal ein Spiel verpassen, weil Papa ihnen Hausarrest erteilt hat – da frag ich mich: Gehen die wegen Borussias Fußball oder wegen ihrer Selbstdarstellung ins Stadion?

    Ich merke gerade, dass ich das Ausscheiden offensichtlich doch noch nicht ganz verdaut habe. Deswegen schliesse ich jetzt mal ganz trotzig mit:

    ….dann schlagen wir eben heute die Bayern 🙂

    Gruß aus Erkelenz

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    • 19. März 2017 um 10:54
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      Ich bin genau deiner Meinung, daß der Kader einfach nicht mehr hergibt. Aber was mich echt traurig macht ist, dass die vielen treuen Fans, einfach keine Stimmung mehr erzeugen können. Ich schaue die Spiele meistens auf Sky und da bekommt man das gar nicht so mit. Das stimmt mich echt nachdenklich, warum das so ist. Ich empfinde immer richtige Freude, wenn ich ein Spiel live im Stadion sehen kann, und dann finde ich auch die Stimmung immer gut.

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