Daran müssen sich alle messen lassen!

Nachdem  in den vergangenen Wochen und Monaten verschiedene Fanszenen dem DFB symbolisch den Krieg erklärt haben, reagiert dieser nun ein bisschen überraschend: Er empfiehlt dem Sportgericht, vorübergehend auf Kollektivstrafen zu verzichten. Ein Kommentar zu dieser Entscheidung.

In den letzten Wochen schien es, als würde sich der Konflikt zwischen DFB und aktiven Fans weiter zuspitzen. Während der Protest sich nach der „Kriegserklärung“ von Dynamo-Ultras zunehmend organisierte, mussten sich DFB-Offizielle seit Beginn der neuen Saison von ihren Ehrenplätzen in den Stadien fast in jedem Spiel gemeinsame Wechselgesänge gegnerischer Fankurven anhören. Seit der 12:12-Aktion hat es keinen so breit unterstützten Protest der Fanszenen gegeben. Zum ersten Mal seit damals setzten sich im Sommer fast alle Ultragruppen zusammen und formierten sich zur großen Protestbewegung.

Mit der auslösenden Kriegserklärung wollten die Dynamo-Fans ein Zeichen setzen. Dazu wählten sie eine überspitzte, geschmacklose Rhetorik. Vielleicht gab es aber auch keine andere Möglichkeit, als solch drastische Worte für einen Protest zu finden. In den vergangenen Jahren hat sich die Kluft zwischen DFB und aktiven Fans zunehmend vergrößert. Neben dem Einsatz von Pyrotechnik war vor allem das Sportgericht oft im Fokus der Kritik. Es schien in den Profiligen in Deutschland normal geworden zu sein, Fußballspiele als Geisterspiele oder mit Blocksperren auszutragen. Dabei waren Kollektivstrafen schon immer ein großer Kritikpunkt aller Ultraszenen.

Ein trauriger Höhepunkt war sicherlich die Sperrung der Südtribüne in Dortmund. Natürlich ist es absolut nicht akzeptabel, dass friedliche Fans vor dem Stadion angegriffen werden. Außerdem war das ein oder andere Spruchband definitiv unangebracht. Aber in welchem Bereich unseres Lebens gäbe es die Möglichkeit, 25.000 Menschen für die Tat von ein paar hundert Menschen zu bestrafen? Natürlich müssen solche Aktionen sanktioniert werden, doch mit Kollektivstrafen macht es sich der DFB ziemlich einfach. Und er hat dadurch zunehmend den Konflikt befeuert.

Wie passt diese plötzliche Wendung in die aktuelle Situation?  Ausgerechnet in den letzten Wochen schien eine Hetzkampagne auf Ultras begonnen zu haben, an deren vorderster Front sich die Bild-Zeitung als Verteidiger des Fußballs in Stellung brachte. An dieser Stelle sei erwähnt: Wir glauben im Gegensatz zu vielen Fans aus dem Ultra-Umfeld nicht an eine gemeinsame Hetz-Kampagne von Bild und DFB. Die neuerliche Gesprächsbereitschaft von DFB und DFL sehen wir hingegen aus zwei Perspektiven.

Zunächst kann es sein, dass DFB und DFL ihr Hochglanzprodukt in Gefahr sehen.  Europaweit wird die Bundesliga für volle Stadien, Choreos und gute Stimmung bewundert. Konflikte mit Fanszenen, ausbleibende Unterstützung und sogar leere Ränge passen in dieses Bild nicht rein – insbesondere eine Woche vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison. Vielleicht will der DFB tatsächlich den Diskurs gemeinsam mit den aktiven Fans auf Augenhöhe stärken und das Verhältnis verbessern. Das wäre zu wünschen und aus unserer Sicht eine Idealvorstellung. Allerdings müssten sich dann auch die Ultras voll auf den Dialog einlassen. Möglichen “schwarzen Schafen”  sollte intern deutlich gemacht werden, wo die Grenzen sind. Ein Beispiel ist das Pokalspiel am Montagabend gewesen, das den breit gefächerten und friedlichen Protest der ersten DFB-Pokalrunde letztlich überschattete.

Möglich ist aber auch, dass sich die Verbände mit ihrem überraschenden Vorstoß schlicht Luft verschaffen wollen. Sie bringen Gespräche in Aussicht, und führen diese, ohne aber an zielgerichteten Ergebnissen interessiert zu sein. Das war schon einmal so: bei der Aussicht auf die Legalisierung von Pyrotechnik. Auch damals schien es so, als hätten DFB und DFL der Bewegung durch Gesprächsangebote den Wind aus den Segeln nehmen und die aktiven Fans in die Verantwortung nehmen wollen. Bei einem Scheitern der Gespräche könnte auch dieses Mal der schwarze Peter ganz einfach mit einem Verweis auf das Angebot rübergeschoben werden.

Grundsätzlich ist die heutige Entscheidung dennoch definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings wollen wir nicht blind in Vorfreude verfallen. Dazu ist das Vertrauen in die Verbandsgeschäfte der letzten Jahre einfach zu gestört. Wir hoffen auf einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe – nicht nur die Ultras und Fan-Vertreter, auch (und vor allem) DFB und DFL werden sich an Ihren Ankündigungen messen lassen müssen.

8 Gedanken zu „Daran müssen sich alle messen lassen!

  • 16. August 2017 um 17:23
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    Wie ist denn eigentlich dieser beef zwischen aktiven fans und dfb entstanden? Also vllt mal grob erklärt? Muss ja mehr als pyro Verbot und dafür Blocksperren als Strafe sein.

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  • 16. August 2017 um 18:15
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    Worum geht es eigentlich? Krawallmacher haben Forderungen? Das ist ja toll. Was ist mit der Mehrheit der echten Fans? Und warum liegt das Problem beim DFB? Es liegt beim Hausherrn der diese Leute ausschließen muss. Der Hausherr kommt seinen Pflichten ohnehin nicht nach und das seit Jahren. Siehe Steuer bezahlter Polizeieinsatz. Es kommt noch so weit dass überbezahlte Kicker und Pyrowerfer alleine im Stadion sind weil der “normale” Fan sich nicht mehr hinein traut und einfach zu Hause bleibt.
    Wer glaubt ganz oben zu sein ist schon auf dem Weg nach unten. Seit dem Neymar Deal gilt das auch für den Fußball. 1973 waren die Stadien leer, das kommt wieder!

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  • 16. August 2017 um 23:02
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    Hetzkampagne gegen Ultras. Bild und DFB in gemeinsamer Mission. Fußballspiele als Geisterspiele in Deutschland normal.

    Wieviele Fußballspiele der deutschen Profiligen haben denn in den letzten Jahren vor leerer Kulisse stattgefunden? 0,1 %? Oder noch weniger?
    Hetzkampagne gegen Ultras? Ich Kringel mich vor Lachen und schaue mir noch einmal in Zeitlupe Hansa gegen Hertha an. Borussen-Kodex 2.0? Hält bis Sonntagabend- Wetten?

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    • 17. August 2017 um 20:25
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      Ich frage mich schon die ganze Zeit, was macht ein Fan vom Äffzeh hier auf dieser Seite? Gibts in Öln nicht genug zum zündeln?

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  • 16. August 2017 um 23:56
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    Es ist WAHLKAMPF!
    Ihr glaubt doch nicht wirklich daran, daß sich etwas ändert?
    Genau wie unser Minister Pistorius jetzt vorschlägt, Pyro in bestimmten Blocks zulassen zu wollen?!?
    Och bitte, jetzt werdet mal nicht Weltfremd und lasst euch Honig um den Bart schmieren!!!
    Ich glaube erst daran, wenn es soweit ist!!!

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    • 17. August 2017 um 10:17
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      Hallo “Rautenoma”,

      wir haben ja geschrieben, dass wir nicht blind in Vorfreude verfallen. Deswegen sind wir gespannt, wie scih der Dialog entwickelt. Trotzdem ist es aus unserer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.

      Beste Grüße,
      die vier MitGedacht.’ler

      Antwort

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