Die erste Eintrittskarte

Niklas Buchholz, Aachen (21)

Ich weiß es noch ganz genau: Es war ein sonniger Samstag, Ende Oktober 2004. Ich fuhr mit meinem Vater auf der A61 Richtung Norden und konnte vielleicht nur ahnen, dass mich dieser Nachmittag für immer prägen sollte. Es war mein erstes Spiel im Stadion, dementsprechend aufgeregt saß ich die nicht enden wollende Autofahrt ab und musste mich zusammenreißen beim Aussteigen nicht sofort loszusprinten. Letztendlich kamen wir auch ohne Sprint am Stadion an, fragten am Ticketschalter nach, wo es denn noch freie Plätze gäbe und ergatterten schließlich zwei Plätze im Oberrang der Südkurve.

Kurze Anekdote nebenbei: Mein Vater und ich fragten zunächst nach Karten für den Unterrang, woraufhin uns jedoch die Dame am Ticketschalte mitteilte, dass es dort keinen Platz mehr gäbe. In der später im TV gesehenen Zusammenfassung des Spiels mussten wir dann aber feststellen, dass das nur die halbe Wahrheit war. Der Unterrang platzte nicht gerade aus allen Nähten, im Gegenteil: Wir erkannten deutliche Lücken. Im Nachhinein jedoch nicht schlimm, denn so bot sich für uns eine fast gerade Sicht auf das neue Herzstück des Stadions: unsere Nordkurve.

Obwohl wir relativ nah am Gästeblock der Hannoveraner saßen, bekam ich von selbigen nicht viel mit, dafür war die Lautstärke in der über 100 Meter entfernten Nordkurve viel zu imposant. All diese Fahnen, Spruchbänder, Zaunfahnen, Doppelhalter, etc., die ich aus der Entfernung erkennen konnte, ließen mich nicht mehr los. Ich starrte, wie in einer Art Trance auf das rege Treiben gegenüber, vergaß dabei fast das Spiel.

Im Endeffekt hätte ich am liebsten die ganze Zeit die Nordkurve beobachtet. Das Spiel unserer Fohlenelf war genau so schlecht wie die Transfer- bzw. Personalpolitik zu dieser Zeit. Hannover konnte das Spiel, dank zweier Geschenke der Borussia-Verteidigung, unspektakulär mit 2:0 gewinnen. Ein junger, aufstrebender Innenverteidiger namens Per Mertesacker und die Rechtsverteidigerinstitution Steven Cherundolo erzielten die Treffer, die für mich aber vollkommen in den Hintergrund rückten. Ich war gefangen von der Faszination Borussia und so wird es auch ewig bleiben.

Im Gegensatz zu meinem Vater bewahre ich noch heute alle meine Eintrittskarten von den Spielen, die ich besucht habe, auf. In den meisten Fällen steht auch das Ergebnis inklusive der Torschützen auf der Rückseite. So kann ich mich noch besser an die Spiele und die besonderen Momente im Stadion erinnern. Bei meiner ersten Eintrittskarte ist das jedoch nicht der Fall. Das könnte ich nie vergessen.

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