Ein unnötiger Nachmittag

Nach dem Derbysieg verpasst es Borussia im Schneckenrennen um die Europa-League Plätze nachzulegen. Trotz eines mehr als ordentlichen Auswärtsauftrittes verliert die Fohlenelf 3:5 gegen Hoffenheim. Für uns ein durchwachsener Ostersamstag.

Das Auswärtsspiel in Hoffenheim gehört mit Sicherheit absolut nicht zu den Highlights im Bundesliga-Terminkalender. Wir sind uns einig, dass das Spiel hauptsächlich durch die angenehme Reisezeit interessant wird. So bleibt am Samstagmorgen sogar Zeit, ein bisschen länger zu schlafen, ausgiebig zu frühstücken und sich dann zum Auto-Treffpunkt aufzumachen.

Wie in den vergangenen Jahren gab es auch dieses Jahr wieder einen Konvoi gen Süden. Nach einigen entspannten Alt und den wöchentlichen Fachgesprächen trafen sich alle Autos um 13 Uhr auf einem Rastplatz, um die verbleibenden Kilometer gemeinsam zurückzulegen. In Sinsheim angekommen, machten sich die gut 300 Mitfahrer dann gemeinsam auf den Weg zum Stadion.

Ein Zwischenfall, den wir außerdem nicht unkommentiert lassen wollen, bemerkten wir während der Fahrt in den sozialen Medien: der Halbangst-Blog, der sich immer mal wieder mit Themen rund um Borussia beschäftigt, veröffentlichte einige Posts, in dem der vorgesehene Co-Kommentator des Fohlenradios offensichtlich gegen den Borussia-Kodex verstößt und sich rassistisch äußert. Für uns ein richtiges Zeichen, dass Borussia auf die Hinweise reagierte und kurzfristig Ersatz besorgte – auch wenn es dazu (natürlich und leider borussiatypisch) keine öffentliche Erklärung des Vereins gab. Schade! Dennoch ein wichtiges Zeichen gegen Rassismus! Deshalb auch ein Lob an die Kollegen des „Halbangst“-Blogs.

Neben dem Autokorso ist die zweite Konstante der vergangenen Jahre für das Spiel beim Hopp-Verein ein attraktives, offensives Spiel. Nach fünf bzw. sechs Toren in den letzten beiden Auswärtsspielen gab es in dieser Saison acht Tore zu bestaunen. Mehr als ärgerlich aus unserer Sicht, dass wir trotz dreier Auswärtstore keinen Punkt mitnehmen konnten. Unsere Mannschaft zeigte ein Spiel auf Augenhöhe, bewies nach den Rückständen Moral und war vor allem nach der Halbzeitpause überlegen. Doch in den entscheidenden Momenten, vor allem bei der Chance von André Hahn und beim Freistoß zum 3:2, fehlte das Glück.

Trotzdem machte vor allem der spielerische Auftritt Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einen Endspurt im Europa-Schneckenrennen geben kann. Nach den dürftigen Auftritten gegen Frankfurt und in der ersten Halbzeit gegen Berlin, lief es in den letzten Spielen fußballerisch deutlich besser. Die Mannschaft zeigte zuletzt wieder, dass sie gerne das Spiel dominiert. Nicht zu Unrecht betonten die Trainer der letzten Gegner, dass wir eine Mannschaft haben, die in der Champions-League gut mitgehalten hat. Die sieben Gegentore aus den letzten beiden Spielen sind jedoch zu viel. In beiden Spielen fehlte in entscheidenden Momenten die letzte Konsequenz, die Situation zu klären. Wir hoffen, dass die gesamte Mannschaft diese Nachlässigkeiten in den letzten fünf Spielen abstellen kann.

Neben dem guten Auftritt auf dem Platz wussten die vielen mitgereisten Fans auf den Rängen zu überzeugen. Dabei war vor allem der „VFL“-Wechselgesang nach dem 0:2 sehr stark. Ein wichtiges Zeichen in dieser Phase des Spiels! Insgesamt wurde die Stimmung auf den Rängen durchgängig von den Fans vom Niederrhein dominiert – auch wenn das in Hoffenheim weiterhin keine wirkliche Überraschung ist.

Ein Wort noch zur „Heimkurve“: Wir haben ja nicht viel von den Hoffenheimer Kunden erwartet, aber es stimmt uns schon nachdenklich, wenn ein Stadion derart leise, unemotional und steril wirkt, obwohl gerade eine passable Bundesligamannschaft besiegt wird und der erste Europapokal-Einzug der (sehr jungen) Vereinsgeschichte perfekt gemacht wird. Lediglich in den letzten fünf Minuten konnte man vereinzelt Fans aufstehen und klatschen sehen ohne jedoch für Lautstärke zu sorgen. Höhepunkt des ganzen waren die Feierlichkeiten nach dem Spiel, die deutlich vernehmbar aus dem Gästeblock gestört wurden. Da würde uns der Sieg doch im Halse stecken bleiben.

Insgesamt war es also ein fast unnötiger Nachmittag. Eine Tour in ein lebloses Stadion auf der grünen Wiese, ein Publikum, das die „Eventisierung“ der Bundesliga im größtem Maße wiederspiegelt und dazu drei verlorene Punkte. Doch vor allem der ordentliche Auftritt auf und neben dem Platz machen Hoffnung für die letzten Wochen. Jetzt gilt es, endlich mal zu Hause einen Topverein zu schlagen und sich danach auf eines der wichtigsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte zu konzentrieren.

Also: Mund abputzen und weitermachen, ihr Derbysieger!

Foto zu diesem Beitrag: nordkurvenfotos.de

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