Enttäuschung pur

Pokalheimspiel bei Flutlicht. Das gab es lange nicht mehr. Dazu die Chance in das Viertelfinale einzuziehen und einen Schritt Richtung Berlin zu gehen. Beste Voraussetzungen für einen tollen Abend. Am Ende blieb nur: Frust!

Wir haben die Mannschaft in den überragenden letzten Wochen immer wieder ausgiebig gelobt. Wie das Team auf den schwachen Saisonstart und den überraschenden Favre-Rückzug reagiert hat? Grandios! Da kann man auch mal 0:5 in Leverkusen verlieren. Enttäuschend – aber geschenkt! Gestern Abend – und irgendwie auch noch am Morgen danach noch – sitzt der Stachel aber tiefer. Was ist da bloß gestern Abend passiert?

Mit dem SV Werder Bremen wurde nun wahrlich keine Übermannschaft im Pokal-Achtelfinale vorstellig. Sind wir ehrlich: Das sollte ein Pflichtsieg werden. Die erste Halbzeit war mühsam, nahm jedoch eine gute Wendung. Pausenstand: 1:0 – spielerisch in Ordnung, Stimmung optimistisch. Was sollte da noch anbrennen? Nach weiteren 45 Minuten: Entsetzen über eine katastrophale Defensivleistung und ein völlig unnötiges Pokal-Aus. Wie konnte es dazu kommen?

Borussia hat ein Defensiv-Problem

Die Bremer drehten den Rückstand. Das kam unerwartet. Doch die Jungs zeigten auf dem Rasen zunächst eine gute Reaktion. Powerplay nach vorne, immer wieder Chancen. Kurze Zeit später dann der mittlerweile verdiente Ausgleich. Erleichterter, geiler Torjubel. Weiter jetzt. Aufbruchsstimmung, alles nach vorne. Und plötzlich: 2:3, wenige Minuten später 2:4.

Auffällig: Borussia hat momentan ein Defensiv-Problem. In den vergangenen drei Spielen kassierte die Mannschaft im Schnitt über vier Tore. Wir sind weit davon entfernt, nun direkt den Stab über das spielerische Konzept und die taktische Ausrichtung zu brechen – immerhin haben wir genau diese vor wenigen Wochen noch euphorisch gefeiert. Momentan passiert aber das, was wir schon mehrfach angemahnt haben: Weil die Abläufe nicht mehr zu hundert Prozent stimmen und Kleinigkeiten fehlen, wird das sehr offensiv ausgerichtete Spiel der Fohlenelf unter André Schubert zum Bumerang! Die Mannschaft ist defensiv noch anfälliger, sie kann sich nicht mehr alleine auf die individuelle Klasse der Offensive verlassen. Die Devise muss also klar sein: Defensiv stabil agieren, Null halten.

Wir können alles das nicht beurteilen, es ist auch nicht unsere Aufgabe. Allerdings vertrauen wir darauf, dass die Verantwortlichen, allen voran Max Eberl und André Schubert, ihre Schlüsse ziehen!

War das alles Müdigkeit? Wäre eine Verlängerung wirklich nicht drin gewesen und die Jungs haben deshalb den Kopf verloren? Ein wenig mehr Umsicht hätte der defensiven Stabilität gutgetan. Die Bremer sind – wie oben erwähnt –nun wirklich keine Truppe, vor der wir uns fürchten müssten. War es also fehlende Konzentration durch Müdigkeit oder Überheblichkeit nach dem Bayernsieg? War es Pech? Wussten die Jungs die vermeintlich unattraktive Aufgabe „Pokal“ nach den Abenden in Europas Königsklasse nicht mehr zu schätzen? Wir können alles das nicht beurteilen, es ist auch nicht unsere Aufgabe. Allerdings vertrauen wir darauf, dass die Verantwortlichen, allen voran Max Eberl und André Schubert, ihre Schlüsse ziehen!

Nicht nur die Mannschaft, auch die Nordkurve trat am Dienstagabend durchwachsen auf. Irgendwie kam auch beim Publikum zu selten richtige Pokal-Atmosphäre auf. Im Vorfeld schien ein großer Teil der Borussen-Familie sehr siegessicher – trotz der Klatsche in Leverkusen. Die erste Halbzeit war dann noch ein sehr ordentlicher Auftritt der Nordkurve. Halbzeit zwei gestaltete sich dann eher wie das Geschehen auf dem Platz. Motto: Einfach zu wenig!

Kein überragender Gegner auf den Rängen

Dabei war die Bremer Kurve kein absolut überragender Gegner. Keine ordentliche Zaunbeflaggung, dafür guter Fahneneinsatz. Laut wurden sie nur gegen Ende. Und dennoch müssen wir auf uns schauen. Woran lag es? Müdigkeit? Keine Motivation? Eine „Ist eben nur Pokal“- Mentalität? Wie bei der Bewertung der Jungs auf dem Rasen: Reine Spekulation!

Das alles ist aber auch völlig egal. Wir sind aus dem Pokal raus. Nun sollten Mannschaft und Fans am Sonntag eine Reaktion zeigen. Die Fanszene hat die Mannschaft in allen Phasen der bisherigen Saison bedingungslos unterstützt. Das haben uns die Jungs dann auch zurückgezahlt. Dass es mal wieder Enttäuschungen geben würde war klar. Die von gestern Abend war aber deftig. Wenn aber am Sonntag jeder im Stadion – egal ob auf den Rängen oder auf dem Rasen – alles gibt, dann ist diese Woche vergessen. Dann haben wir alle Zeit zum durchschnaufen.

Also: genug geredet! Mund abputzen – Darmstadt schlagen!

Foto zu diesem Beitrag: Borussia.de

3 Gedanken zu „Enttäuschung pur

  • 17. Dezember 2015 um 16:41
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    Unausgewogener Kader

    Während im Angriff neben Raffael und Stindl noch Spieler der Qualität Drmic,Hazard oder Hrgota chancenlos auf der Bank sitzen,ist auf anderen Positionen von brauchbarem Bundesliganiveau nichts zu sehen!Die Doppel-Sechs ist völlig alternativlos,obwohl Dahoud und Xhake durch die Dauereinsätze in 3 Wettbewerben völlig verheizt wurden!Hier wurde ebensowenig im Sommer gehandelt wie auf den Innenverteidigerpositionen,wobei sich hier,wider Erwarten,der blutjunge Christensen als Volltreffer erwiesen hat,nicht aber Elvedi.Angesichts des Dauerverletzten Stranzl,des schon vorher unter chronischen Rückenproblemen leidenden Dominguez und des überalteren und viel zu langsamen Brouwers hätte es im Sommer zweier gestandener Innenverteidiger bedurft und nicht nur Perspektivspieler!Jantschke war und ist im Kopfballspiel viel zu schwach,aber das Thema hat sich nun ja auch erledigt!Links ist Wendt absolut unersetzbar,wird aber ebenfalls verheizt,weil nicht im entferntesten eine halbwegs bundesligataugliche Alternative bereitsteht(Schulz wäre auch keine gewesen-da lacht sich Hertha jetzt noch tot)!Rechts ebenfalls nicht annähernd gehobenes Niveau,schon gar nicht Korb,der völlig überbewertet wird und dessen ständiges Fehlverhalten auf dem Platz-vor allem defensiv-eine völlig andere Sprache spricht!Und macht endlich Schluß mit dem ständigen Hinweis von Verletzten wie Jantschke,Schulz oder Hahn,die,wenn wir komplett wären,ohnehin keine Option für die Startelf wären,Hermann hätte gegen Traore und Johnson schwer zu kämpfen,um einen Startplatz zu bekommen und auch von Stranzl und Dominguez würde nur einer spielen,da an Christensen kein Weg vorbeiführt!Wir brauchen im Winter 2 bockstarke Innenverteidiger,ein Rechts-und ein Linksfuß,die möglichst auch als Außenverteidiger einsetzbar sind,sowie einen starken Sechser und,da ich bei Hermann dem Braten nicht traue,noch einen starken Außen!Dies wird aber alles wohl nur Wunschtraum bleiben und wir nach einer mehr als durchwachsenen Rückrunde im Niemandsland der Tabelle landen !Dies ist mehr als schade,nach der historischen Chance durch die Championsligue-Quali in der letzten Saison!Aber dies sind nicht die ersten personellen Fehlplanungen unseres hochgelobten Managers,schon nach Platz 4 und dem folgenden Verlust von Reus hat er so Granaten wie de Jong und Mlapa an Land gezogen,jetzt für insgesamt unglaubliche 17(!!!) Millionen Drmic,Schulz und Elvedi…

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  • 17. Dezember 2015 um 17:20
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    Wenn man einen Schiedsrichter aus München hat kann man nicht gewinnen. Die Mannschaft wirkte total ausgelaugt.Jetzt noch mal alles reinlegen gegen Darmstadt
    AlleMannschaft und Fans

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  • 17. Dezember 2015 um 23:56
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    Ich kann Ralf nur zustimmen. Die Einkaufspolitik im Sommer hatte sehr viele Versäumnisse. In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld bestand schon damals Handlungsbedarf. Dieser ist jetzt dramatisch. Schade, Geld ist mehr als genug da. Zweistelliger Millionengewinn im letzten Jahr, Championsleague – Millionen in diesem und Transferüberschuss……. Auch wenn Eberl sich in Polemik flüchtet, hätte das Team besser machen können.
    Zu Favre: was er aus dem Team herausgeholt hat, wird immer deutlicher. Man sieht von Spiel zu Spiel den Strukturverlust. Schade!

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