Keine Ausreden mehr!

Tabellenplatz 14, Trainer-Wechsel – kurz vor Weihnachten befindet sich Borussia sportlich in der Krise. Die Schuld alleine beim Übungsleiter oder beim Manager zu suchen, greift aber zu kurz. Für uns ist jetzt vor allem die Mannschaft gefordert.

Patrick Herrmann grinste am Mittwochmittag nicht. Er schaute relativ neutral drein – ohne besondere emotionale Regung. Gerade hatte Borussia den Trainer André Schubert von seinen Aufgaben entbunden. Die am Borussia-Park lauernde Journalisten-Meute stürzte sich zuerst auf Spieler wie Hermann, die gerade an ihren Autos standen. Der knappe Kommentar unserer Nummer 7 zur Trainer-Entlassung: „Es überrascht mich nicht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen!“

Tatsächlich kommt die Demission des André Schubert nicht überraschend. Fans, Umfeld und auch die Mannschaft werden mit dem Aus gerechnet haben. Insofern ist Hermann und auch den anderen Spielern kein Vorwurf zu machen. Anders sieht es allerdings bei der Entstehung der  Krise aus und den damit einhergehenden Diskussionen über Schubert. Wer sich eingehend damit beschäftigt, kommt schnell zu dem eindeutigen Schluss: Die Mannschaft trägt am Schubert-Aus und der Tatsache, dass Borussia tief im Abstiegsstrudel steckt, einen großen Anteil! Das ist in den Diskussionen der vergangenen Wochen um Schubert leider etwas untergegangen.

Am besten war das in den beiden vergangenen Spielen gegen Augsburg und Wolfsburg zu sehen. In für den Verein so wichtigen Spielen ließen die Akteure auf dem Platz über weite Strecken elementare Tugenden wie Kampf, Leidenschaft und Einsatz vermissen. Selbst eine Söldnertruppe wie die des VfL Wolfsburg scheint mehr verstanden zu haben, worum es in der aktuellen Situation geht: Voller Einsatz für den im Abstiegskampf steckenden Verein!

Die Elf vom Niederrhein hingegen bestach zuletzt vor allem durch Ungenauigkeiten, krasse Fehlleistungen und Lethargie. Bestes Beispiel sind die vielen unnötigen Fehler im Spiel gegen die Wölfe – im eigenen Sechzehner, im Spielaufbau oder in der Offensive. Oder aber die absolut charakterlose Einstellung eines unserer „Superstars“ bei seiner Auswechslung in Augsburg, als er sich zunächst 15 Minuten anscheinend angeschlagen übers Feld schleppte, um dann bei der längst überfälligen Auswechslung kopfschüttelnd den Platz zu verlassen und die Hand des Trainers wegzuschlagen.

Es ist ein harter Vorwurf zu behaupten, die Mannschaft habe gegen den Trainer gespielt. Jeder, der mal aktiv Sport getrieben hat, weiß, dass das kaum möglich ist. Jeder will gewinnen und sich möglichst gut präsentieren. Allerdings kommt es durchaus vor, dass Spieler – wenn sie mit dem Trainer nicht mehr einverstanden sind – ein paar Prozente weniger geben. Man geht nicht mehr jedem Ball hinterher, ist unkonzentriert, nicht ganz bei der Sache. Nach allem, was wir in den vergangenen Wochen so aus dem Spielerumfeld gehört haben, fällt es uns schwer zu glauben, dass unsere Spieler uneingeschränkt hinter dem Trainer standen. Die eingangs erwähnte Aussage Patrick Herrmanns lässt gleiches vermuten.

Und da kommen wir zum eigentlichen Problem! Denn wo kommen wir hin, wenn die Truppe plötzlich nicht mehr ihr eigentliches Potenzial abruft und sich förmlich hinter der Kritik am Trainer versteckt? Wo kommen wir hin, wenn kein Fan das Gefühl hat, dass die elf fürstlich entlohnten Spieler auf dem Platz alles für den Verein geben? Wo kommen wir hin, wenn noch nicht einmal die grundsätzlichen Tugenden gezeigt werden, sondern die Mannschaft in ihre Einzelteile zerfällt? Man kann insgesamt nur zu einem Ergebnis kommen: die Spieler tragen eine ziemlich große – wenn nicht gar entscheidende – Mitschuld an der aktuellen Situation!

Und jetzt? Jetzt sind diese Jungs im Urlaub. Sie feiern in Ruhe Weihnachten und reisen ein paar Tage in den Urlaub. Wir hoffen sehr, dass sie sich dabei ein paar Gedanken um ihre Einstellung zu unserem Verein und zur Leidenschaft für die Raute machen. Denn Fakt ist: Wenn sie den Karren gegen die Wand fahren, wird einzig Borussia beschädigt und wir Fans enttäuscht. Denn die Spieler – so viel ist klar – ziehen bis auf ganz wenige Ausnahmen irgendwann weiter.

In der Rückrunde müssen der neue Trainer Dieter Hecking und Manager Max Eberl gemeinsam dafür sorgen, dass sie eine schlagkräftige und willige Truppe auf die Beine stellen. Für die Spieler zählen jetzt keine Ausreden mehr. Sie können sich nicht mehr hinter der Kritik am Trainer oder umstrittenen taktischen Vorgaben verstecken. Sie müssen uns Fans zeigen, dass sie für Borussia brennen!

Die Mannschaft steht in der Rückrunde vor einem wahren Charaktertest. Jetzt gilt’s!

Foto zu diesem Beitrag: Nordkurvenfotos

11 Gedanken zu „Keine Ausreden mehr!

  • 22. Dezember 2016 um 16:56
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    Toll geschrieben, absolut richtig!! Bitte an alle Spieler weiter leiten!! Danke

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    • 22. Dezember 2016 um 19:27
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      Prima Idee. Bitte sofort vervielfältigen und allen Spielern unter denTannenbaum legen. Herrn Hecking auch. Und bitte Herr Hecking, Strobl und Wendt ganz weit nach hinten packen bei Ihren Hausaufgaben für die Weihnachtsferien.

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  • 22. Dezember 2016 um 18:38
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    Super geschrieben und ist zutreffend. Ich wünsche Schubert alles gute für die Zukunft. Jetzt ist Hecking Cheftrainer und auch er braucht unsere voller Unterstützung sowie die Mannschaft auch. Ich wünsche mir das die Mannschaft schnell wieder vertrauen findet und nach der Pause richtig durchstartet

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  • 22. Dezember 2016 um 19:49
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    Es ist allgemein bekannt das sich der Charakter der Menschen erst in der Krise zeigt. Wissen wir Fans am besten…wenn eine Siegesserie läuft dann ist das Stadion voll und laut…in der Krise…naja wir wissen es selbst. Ich selbst bin verantwortlich für 80 Mitarbeiter…ich muss dafür sorgen, das sie Bestleistungen abliefern. Das erreiche ich nur in dem ich diese letzten 15% an Willen und Einstellung aktiviere…das ist die Kunst einer Führungspersönlichkeit. Es ist menschlich das Mitarbeiter oftmals nur das nötigste tun oder sich hinter anderen verstecken. Das zu verhindern ist die Aufgabe des Trainerteams…und wenn das nicht klappt passiert das. Egal in welchem Job…habt ihr sicher von euren Kollegen gehört: Ich hab so keinen Bock…und der Alte regt mich auf! Wenn das 6 in einem 11er Team so sehen geht das Spiel den Bach runter.

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  • 22. Dezember 2016 um 20:27
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    Das sehe ich in einigen Punkten leider komplett anders! Die Spieler sind selbstverständlich für die Krise mitverantwortlich! Sie stehen ja in jedem Spiel auf dem Platz. Allerdings kann man ihnen den körperlichen Einsatz in den letzten Spielen nicht aberkennen. Leider hat es Andre Schubert mit seiner ständigen Systemumstellung geschafft, die Spieler komplett zu überfordern. Und zwar so sehr, dass sämtliche Automatismenverloren gingen, die vorher in 5 Jahren einstudiert wurden. Das hat zu einer kompletten Verunsicherung der gesamten Mannschaft einschließlich des Torwarts geführt. Dass Rafael sich über seine Auswechslung ärgert kann ich komplett verstehen. Denn er lief eben nicht 15 Minuten auf dem Zahnfleisch, sondern nur die ersten 2 Minuten nach dem Foul. Danach hatte er sich gefangen und war an nahezu jeder, der allerdings äußerst wenigen, gefährlichen Aktionen federführend beteiligt. Seine Reaktion zeigt nur, dass die Mannschaft nicht mehr an Schuberts Plan geglaubt hat. Und das völlig zurecht! Ich denke, dass wir uns mit zwei neuen gestandenen Spielern verstärken, Hecking ein klares System spielen lässt und wir die Saison auf Platz 11 beenden werden.

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    • 23. Dezember 2016 um 13:35
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      Hallo,

      Deine Meinung steht Dir natürlich zu, wenngleich wir bei unserer Einschätzung bleiben, dass die Spieler in den vergangenen Wochen nicht immer die richtige Einstellung gezeigt haben. Damit möchten wir Schubert von keiner Schuld freisprechen, sondern nur bemerken, dass nach Rückständen nie das Gefühl aufkam, die Mannschaft möchte unbedingt noch ein Tor erzielen. Die körperliche Präsenz hat uns da nicht immer gefallen und die kann man – so glauben wir – losgelöst von taktischen Fragen bewerten. Zum Raffael-Beispiel: Wir denken, dass ein Spieler die Entscheidung seines Trainers da einfach zu repsektieren hat – ohne Wenn und Aber! Hätte sich der angeschlagene Raffael beispielsweise in der Folge ernster verletzt, so wäre Schubert eben wieder vorgeworfen worden, er sei für die vielen Verletzungen verantwortlich. Ein Profi wie Raffael will natürlich spielen, das ist klar! Letztendlich entscheidet aber eben der Trainer. Zumal Raffael eben auch kein gutes Spiel machte bis dahin.

      Schöne Grüße, die vier MitGedacht.’ler

      Antwort
      • 23. Dezember 2016 um 19:38
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        Ich bin mir nur nicht so sicher, ob das fehlende Aufbäumen nicht auch an mangelnder Kondition lag. Ich hatte oft das Gefühl, die Mannschaft ist nicht richtig austrainiert. Meiner bescheidenen Meinung nach, ist der Weggang von Chris Weigl nie wirklich vernünftig kompensiert worden. Und in der Sommerpause soll sich ja dem Vernehmen nach Andre Schubert mit Claus Luisser überworfen haben. Beide sind jetzt in Hoffenheim und Frankfurt. Da kann sich jeder ein eigenes Bild bezüglich der Laufleistung diese Saison machen. Ich denke, dass ein erfahrener Trainer wie Hecking im Sommer einen guten und erfahrenen Konditionstrainer gefordert und sich nicht mit dem Konditionstrainer der U23 zufrieden gegeben hätte. Aber das ist natürlich nur ein Blick von außen. Allerdings hatten wir vor allem in den Jahren unter Chris Weigl eklatant weniger muskuläre und Bänderverletzungen und hatten eine deutlich höhere Laufleistung. Aber so kann man die Dinge eben immer von zwei Seiten betrachten. ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Bloggerjahr 2017!

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  • 22. Dezember 2016 um 23:11
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    Ich mag eure Beiträge wirklich sehr gerne !
    Ich denke mir schon die ganze Saison über, dass einige Spieler (wenn nicht sogar viele Spieler) sich nicht mit unserer Borussia identifizieren können oder wollen. So viele verstehen nicht, dass es ein Wahnsinn wäre, wenn Gladbach wirklich mal was reißen würde im Profi-Fußball. Sie alle wären Helden und unvergessen. Stattdessen wird lustlos rumgebolzt und der Kampfgeist lässt auch auf sich warten. Neuzugänge wie Tobias Strobl, Veteranen wie Patrick Herrmann oder Tony Jantschke und Talente wie Nico Elvedi geben mir die Hoffnung, dass eine Verbundenheit zum Verein da ist. Von Spaßvögeln wie Tobi Sippel oder Ibo Traoré, Stammspielern wie Wendt oder Stindl erwarte ich etwas mehr deutliche Bekenntnisse zur Borussia. Und auch ein Hofmann, Drmic und Hahn zählen dazu. Das wären die Leute, welche ich mir als charismatisch genug vorstelle um den Mythos Borussia zu verstehen.
    Natürlich möchte ich hier niemandem etwas unterstellen, ich mag sie alle ! Aber bei jedem einzelnen von ihnen fehlt mir etwas: Der Spaß und die Leidenschaft am Fußball und Borussia Mönchengladbach.

    Antwort
  • 23. Dezember 2016 um 11:32
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    Ich sehe es auch eher wie Robokick; sicher haben die Spieler eine Mitverantwortung, aber ich habe bei Schubert eine klare Linie vermißt. Letzte Saison hatte die Abwehr schon 50 Gegentore gefangen (deutlich zu viel für einen Championsleagueteilnehmer); aber die Abwehrleistung wurde trotz Vorbereitung nicht besser, sondern schlechter. Dann 3er-, 4er-, oder sogar 6er-Kette? Keines dieser Systeme wirkte eingespielt und sicher; im Gegenteil, schossen die Gladbacher ein Tor, war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann das Gegentor kam; und für das Trainieren und Einspielen von Systemen ist nunmal der Trainer verantwortlich ….

    Antwort
  • 23. Dezember 2016 um 15:10
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    Hallo Harald,

    wenn Du unsere Beiträge in den letzten Tagen verfolgt hat, dann wirst du gemerkt haben, dass wir Schubert nicht von Fehlern freisprechen möchten. Wir möchten nur anmerken, dass sich die Kritik aus unserer Sicht auch an die Mannschaft richten sollte, die in den vergangenen Wochen auch nicht immer die nötige Einstellung auf den Platz gebracht hat.

    Schöne Grüße, die vier MitGedacht.’ler

    Antwort
  • 23. Dezember 2016 um 20:01
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    Absolut richtig euer Artikel.

    Frohes und besinnliches Fest euch allen.

    Antwort

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