MitGedacht.-Saisonrückblick 2015/16 – Teil 1

Die Saison ist vorbei. Das heißt: Sommerpause und Rückblicks-Zeit. Wir schauen auf die Spielzeit 2015/16 zurück. Im ersten Teil: Trügerische Euphorie, Trainer-Debatten und unvergessliche Gänsehaut-Momente – Zuhause wie Auswärts.


  • Trügerische Euphorie

Es hätte doch so schön sein können. Vor der Saison: Alles in Butter. Borussia schlägt den FC St. Pauli im ersten Pflichtspiel der Saison 4:1 und rund um den Borussia-Park klopfen sich alle auf die Schultern. Übertrieben gute Stimmung wie sonst nur im Musikantenstadl. Lucien Favre gibt sogar fast den Florian Silbereisen. Ist Borussia vielleicht doch seine Helene Fischer? Fakt ist: So beschwingt hat man den Schweizer selten gesehen. Bei den Fans machen lasche Äußerungen wie „Kramer? Kruse? Wer ist das?“ die Runde. Und dann? Der große Kater! 0:4 in Dortmund, 1:2 gegen Mainz und Bremen, 0:3 gegen Hamburg, 0:1 in Köln. Gute Nacht, Borussia.


  • Favre-Rücktritt

Höhepunkt der niederrheinischen Tristesse der Hinrunde: Der Rücktritt von Lucien Favre nach fünf Spieltagen. Schock-Zustand rund um den Borussia-Park. Beispiel: Zwei MitGedacht.-Redakteure erreicht die Nachricht beim familiären Schmaus am Sonntagabend. Anschließend hockt eine sechsköpfige Familie geschlossen vor dem TV-Gerät – und schweigt. Favre verlässt die Borussia nach 1.922 Tagen Amtszeit auf eigenen Wunsch. Seine Bilanz: überragend. Relegations-Sieg, Champions-League-Quali, Europa-League, Champions-League. Trotz kurzem Groll und Unverständnis, das wir kurz für den Schweizer hegten, sagen wir heute von Herzen: Merci, Lucien! Und ganz viel Glück in Nizza.

Favre


  • „Schubidu“

Markus Weinzierl, Hein Vanhaezebrouck, Ralf Hasenhüttl, Frank Schmidt – die (Wunsch-) Kandidaten-Liste (von Fans und Medien) für die Nachfolge von Lucien Favre konnte sich sehen lassen. Es wurde: André Schubert. Zunächst installierte Max Eberl den U23-Coach als Interims-Lösung, nach einem furiosen Lauf von 14 ungeschlagenen Partien aus 15 Pflichtspielen ernannte der Manager Schubert dann auch offiziell zum Cheftrainer. Presse und Fans feierten Schubert („Schubidu“) für seine offene Art, seinen erfrischenden Fußball und seinen grünen Pulli. Wie schnell sich das Blatt doch wendet…


  • Die Fan-Highlights

Es war die Saison der ganz besondere Momente – zumindest aus Fan-Sicht. Ganz vorne: Die drei Choreos der Ultraszene in den internationalen Heimspielen. Vereinswappen gegen Manchester, Konfetti-Regen gegen Turin, Borussia-Schriftzug gegen Sevilla. Ganz großer Sport! Als Allesfahrer bleiben für uns aber vor allem die internationalen Auswärtsspiele in Erinnerung. Was waren das für Touren! Zunächst das sommerliche Champions-League-Debüt in Sevilla, zu dem nur der härteste Kern der Szene zu reisen schien. Dann die unschlagbare Vino-Tour nach Norditalien, die vor allem dem MitGedacht.-Freundeskreis (wohnhaft in der legendären Villa Capuccino) in Erinnerung bleiben wird (siehe auch Bildergalerie). Und schließlich die Ein-Tages-Pub-Tour nach Manchester im Dezember. Fan-Herz, was willst Du mehr?

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  • Der Borussia-Park tobt

Ebenfalls aus der Kategorie „Gänsehaut“: Das Debüt der sagenumwobenen Königsklassen-Hymne in einem Champions-League-Pflichtspiel in der Vitusstadt. Übrigens: Das einzige Lied, bei dem hartgesottene Kerle nebeneinander stehen und ein Tränchen verdrücken. Aber auch der Heimsieg gegen die Bayern Anfang Dezember sorgte für große Euphorie. Riesige Emotionen gab es in der Rückrunde: Zunächst feierte Martin Stranzl am 20. Spieltag nach dem Spiel gegen Bremen unfreiwillig seinen Abschied auf dem Kurven-Zaun. Einen Monat später gab dann Patrick Herrmann ein Traum-Comeback vor heimischer Kulisse. Nur 32 Sekunden nach seiner Einwechslung gegen Stuttgart traf Herrmann. Ein perfekter Einstand!


  • Die Derby-Diskussionen

Aus Fansicht gab es allerdings auch einige Diskussionen in dieser Saison. Vor allem rund ums Derby! Nach der grandiosen Idee des 1. FC Köln, im Hinspiel mal eben das Auswärts-Kontingent zu kürzen – und die frei gewordenen Tickets an die eigenen Anhänger zu verhökern, protestierte unsere Fanszene. Fast 300 Fanclubs boykottierten das Spiel. Stattdessen fand in Mönchengladbach das „Heimspiel gegen Köln“ statt (Bildergalerie unten). Bis aufs Ergebnis eine gelungene Veranstaltung. Ganz anders im Rückspiel: Aus Protest gegen die kollektive Bestrafung der Kölner Szene, stellte die Ultraszene die Unterstützung ein. Das polarisierte! Die Diskussionen zogen sich über Tage hin. Manch einer stellte sich dabei (vor allem in Foren und bei Facebook) so geschickt an wie Franz Beckenbauer in der Sommermärchen-Aufarbeitung. Ende vom Lied: Die Ultras protestierten, die anderen schrien im Stadion so laut wie nie. Borussia gewann, allen war geholfen! Wäre da nicht eine kleine Versammlung rot-weißer Fans in Rheydt gewesen. Eine Demonstration für den Erhalt der Fankultur. Mit Anti-Gladbach-Gesängen. Nun ja…

Foto: Tim Siebmanns
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  • Verletzungspech

Zurück zum Sportlichen! Und zu einem Problem, das seit Jahren nicht mehr so eklatant in Mönchengladbach aufgetreten war. Das Verletzungspech! In dieser Saison ging der Schubert-Kader häufig auf dem Zahnfleisch. Hier waren es die Knie, die nicht mehr mitmachten – da sorgte das Horror-Foul eines übermotivierten Schalkers glücklicherweise nicht fürs Karriereende. Die Verletztenliste wurde länger und länger: Stranzl, Dominguez, Jantschke, Herrmann, Hahn, Korb, Schulz, Johnson. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Borussia mal mit dem Kader über die Saison gegangen wäre. Wer weiß…


Und am Sonntag in Teil 2 des MitGedacht.-Saisonrückblick: Der Schubert-Wahnsinn, das Comeback der Auswärtsdeppen und die MitGedacht.-Aufreger der Saison. Freut Euch drauf!

Fotos zu diesem Beitrag: Tim Siebmanns, nordkurvenfotos.de, MitGedacht.

2 Gedanken zu „MitGedacht.-Saisonrückblick 2015/16 – Teil 1

  • 27. Mai 2016 um 21:26
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    Sorry, so schön dieser Teil war, auf dieses Niveau von Bild á la Auswärtsdeppen muss sich bitte NIEMAND einlassen….Bis auf 1-2 Spiele war das übrigens alles andere als Deppenhaft. Wenn jemand z. B. bei den Niederlagen bei WOB und SO4 von Deppen spricht, da hat nie gegen einen Ball getreten. Also bitte….ein anderes Vokabular dafür. Danke.

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    • 27. Mai 2016 um 21:47
      Permalink

      Hi Matthias, hast ja im Grunde vollkommen recht. Aber keine voreiligen Schlüsse! Warte mal den Sonntag und Teil 2 ab 😉 Du wirst lesen: Wir bezeichnen unsere Truppe nicht pauschal als Auswärtsdeppen – sondern sind sogar sehr stolz auf diese fantastische Saison. Guten Start ins Wochenende und viele Grüße, die vier MitGedacht.´ler

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