Nicht gut genug

Borussia setzt den Rückrunden-Start in den Sand und verliert gegen Borussia Dortmund 1:3. Die Fohlenelf spielt nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Gleiches gilt für die Nordkurve. Unsere Nachbetrachtung.

Hoffnungs- und erwartungsvoll pilgerten knapp 50.000 VfL-Fans am Samstagnachmittag in Richtung Borussia-Park. Nach über einem Monat endlich wieder Bundesliga-Fußball. Endlich wieder dieses Kribbeln, endlich wieder Gänsehaut, endlich wieder Borussia. Wenige Stunden später wich dieses Gefühl klarer Enttäuschung. 1:3-Niederlage, Rückrunden-Start missglückt. Schade!

Dabei hatte die einzig wahre Borussia nicht schlecht gespielt, was auch die Spieldaten belegen: Die Schubert-Elf spielte 517 Pässe (BVB: 490), schoss zehnmal aufs Tor und lief 117 Kilometer. Nur reicht eine solch ordentliche Leistung gegen ein Spitzenteam wie den BVB einfach nicht aus. Die Dortmunder spielten reifer und bestraften die Fehler der jungen Gladbacher Elf gnadenlos. Folgerichtig stand nach 90 Minuten eine verdiente Niederlage zu Buche.

Zu krasse Fehler, zu viele Gegentore

Dabei verdeutlichte das Spiel einmal mehr das, was wir schon vor der Winterpause immer wieder angemahnt haben: Die taktische Marschroute von André Schubert ist vor allem gegen spiel- und konterstarke Teams riskant. Zwar sorgte die Fohlenelf auch gegen Dortmund offensiv immer wieder für Gefahr und war jederzeit in der Lage ein Tor zu erzielen. Das frühe Pressing verlangt aber eine Menge von der gesamten Mannschaft. Jeder Abstand muss stimmen – egal ob zwischen den Mannschaftsteilen oder einzelnen Spielern (Sechser, Innenverteidiger). Und weil die (zugegeben noch recht junge und unerfahrene) Fohlenelf das nicht immer über 90 Minuten auf den Platz bekommt bzw. gegen den BVB krasse und vermeidbare Fehler in der Offensivbewegung machte, läuft sie immer wieder brandgefährlich ins Messer.

Eigentlich hatten wir gehofft, dass das Trainerteam dieses Manko in der Winterpause in den Griff bekommt und den Hurra-Fußball etwas eindämpft. Nach dem BVB-Spiel scheint sich jedoch der Eindruck vom letzten Winter-Test in Bochum zu verfestigen: Die Mannschaft steht hinten weiter nicht sonderlich stabil. Gegen den BVB kassierte Borussia bereits die Gegentore 22, 23 und 24 – in den vergangenen acht (!) Pflichtspielen. An diesem traurigen Rekord muss nun gefeilt werden.

Fehlt die ordnende Hand?

Möglicherweise mithilfe eines erfahrenen Abwehr-Bosses wie Martin Stranzl? Der Österreicher würde der Abwehr zu mehr Stabilität verhelfen können – wenn er denn fit ist. Auffällig: Seit der Verletzung des grundsoliden Abwehr-Bosses Álvaro Dominguez krankt das Defensivspiel sichtbar. Es wäre sicher zu einfach, die vielen Gegentore nun nur der Unerfahrenheit einiger Defensivkräfte zuzuschreiben. Eine ordnende Hand würde der Elf – gerade in Abwesenheit von Mittelfeld-Boss Granit Xhaka – sicher guttun.

Das Geschehen auf den Rängen passte sich nahtlos dem Spiel an: Auch die Nordkurve präsentierte Licht und Schatten. Fragwürdig, warum sich der Borussia-Park nach der langen fußballfreien Zeit zu Beginn derart lethargisch präsentierte. Da darf man mehr erwarten! Dass es ja durchaus geht, bewies der Großteil der Zuschauer nach dem 2:1-Anschlusstreffer durch Raffael. Gerade das “Mönchengladbach Olé” wird wohl hier noch länger in Erinnerung bleiben. Warum die meisten Zuschauer nach dem 1:3 aber den Support vollends einstellten, bleibt nicht wirklich zu verstehen. Wir stellen uns mal vor, die Mannschaft würde sich nach einem Rückstand eine Viertelstunde vor Schluss derart hängen lassen. Das Geschrei wäre groß!

Durchwachsener Gäste-Support

Immerhin: Auch der schwarzgelbe Gästeblock präsentierte sich in der Vergangenheit schon einmal besser. Wo sind die Zeiten hin, als fast 8.000 BVB´ler die Nordkurve regelmässig herausforderten? Optisch war der Gästeblock dennoch sehenswert. Viele Fahnen, Doppelhalter und eine Menge Bewegung. Sicher auch, weil ein Teil der aktiven Fanszene neben den Stehplatzbereich die Sitzplätze bevölkert hatte. Zurück bleibt ein durchwachsener Eindruck. Schade zum Beispiel, dass eine Schweigeminute für einen verstorbenen Ex-Profi nicht respektiert wird, sondern erst einmal weitergesungen wird. Guter Stil geht sicher anders. Wir sollen allerdings nicht nur mit dem Finger auf andere Szenen zeigen. Wir wollten noch etwas loswerden. Nicht nur wegen einiger Kommentare bezüglich unseres Vorberichtes. Wir finden Liebe immer „ok“. Egal ob schwul oder hetero. Wir finden sie sogar schön. Was wir nicht schön finden: den BVB-Anhang und ihre Freunde aus Köln. Die finden wir nicht mal „ok“. Das können wir aber auch ohne Homophobie ausdrücken. Scheiß BVB! Scheiß FC Köln! Doch genug dazu!

Denn wie es besser geht, können wir am Freitag zeigen. Zum Auftakt des 19. Spieltages reisen wir nach Mainz. Auf den Rängen sollten wir dort gute Gäste sein, auf dem Platz den Gastgebern allerdings die Party vermiesen. Für die Nordkurve ist der Auftrag klar: Alles dafür tun, dass sich der miese Start der Hinrunde keinesfalls wiederholt! In diesem Sinne: Fünf Tage ausruhen – und dann siegen!

Für die einzig wahre Borussia.

Foto zu diesem Beitrag: MitGedacht.

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