Ruhige Vorbereitung auf ein Entwicklungsjahr

Am kommenden Freitag startet unsere Borussia in die neue Saison: beim Pokalauftakt in Essen wird sich zeigen, was die Vorbereitung gebracht hat. Zwei Leistungsträger verließen die Truppe von Dieter Hecking, eine Vielzahl vielversprechender Talente kam dafür neu an den Niederrhein.

Man muss schon ein bisschen zurückschauen, um sich an eine ähnlich entspannte Sommerpause zu erinnern. Keine Champions-League-Quali vor der Brust, keine Dreifachbelastung, die zur Bürde werden könnte, und auch keine längeren Reiseplanungen durch Europa, die Nerven und Geldbörse auf die Probe stellen. Vielmehr einfach nur Fußball – und das Woche für Woche. Eine Erkenntnis, die trotz der verpassten Chance auf die Europa-League auch am Tegernsee, der fast schon traditionellen Stätte der Vorbereitung, für Vorfreunde auf die kommenden Monate gesorgt hat.

Man kann sich eine Saison zur Weiterentwicklung leisten

Die anstehende Saison kann getrost als Entwicklungsphase bezeichnet werden. Sie verschafft Zeit, die die Mannschaft und der Verein brauchen und die ihnen langfristig gut tun wird. Sportdirektor Max Eberl hat nicht umsonst häufig betont, dass sich Borussia eine Saison ohne Europa problemlos leisten könne. Die finanziellen Grundlagen wurden in den vergangenen Spielzeiten geschaffen. Jetzt kann die Basis für die weitere Zukunft und die spielerische Entwicklung gelegt werden.

Spielerisch sind die vergangenen Wochen allerdings noch kein Meisterstück gewesen. Die Vorbereitungsspiele fielen in die Kategorie „Ausbaufähig“. Während man die Partien gegen Wuppertal und Eupen noch als Trainingsauftakt abtun konnte, offenbarten die Spiele des Vorbereitungsturniers gegen Bremen und Hoffenheim dann doch Probleme. Es fehlte schlichtweg Stabilität im Defensivverhalten und die Durchschlagskraft nach vorne.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: mit Neuzugang Matze Ginter und Kapitän Lars Stindl kamen zwei Stammspieler nach dem Confed-Cup erst sehr spät zur Mannschaft. Als die beiden beim 2:1-Erfolg gegen Malaga in der Startelf standen, wurde das Spiel merklich besser. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass vor allem in den Automatismen und Abläufen des Offensivspiels noch Luft nach oben ist. Das ist in der Vorbereitung jedoch völlig normal und sollte nicht überbewertet werden. Schließlich gibt es außer der goldenen Ananas in der Vorbereitung nichts zu gewinnen.

Dahoud-Abgang wird im Kollektiv aufgefangen

Nach Saisonende galt es zunächst, sich ein bisschen zu sortieren. Der Abgang der beiden Leistungsträger Dahoud und Christensen wurde im Prinzip durch zwei Königstransfers kompensiert. Christensen wurde durch Weltmeister und Confed-Cup Sieger Ginter eins-zu-eins ersetzt. 15-18 Millionen bedeuten einen neuen Rekordtransfer für die Borussia.

Den Abgang von Dahoud fing Borussia nicht mit einem 30-Millionen-Transfer auf. Vielmehr investierte man mit Denis Zakaria in ein Talent. Der Schweizer Nationalspieler kam von den Young Boys aus Bern und scheint gute Chancen auf den Platz neben Weltmeister Christoph Kramer zu haben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich Routinier Tobias Strobl ausgerechnet im letzten Testspiel des Sommers schwer verletzte: Kreuzband- und Meniskusriss lautete die bittere Diagnose. An dieser Stelle: Alles Gute und baldige Genesung!

Doch neben Zakaria wird die 6er-Position zur Fundgrube des neuen Fohlenstalls. Zusätzlich zu dem schon in der Rückrunde furios aufspielenden Benes, kam ein neuer Youngstar aus Frankreich an die Hennes-Weisweiler-Allee: Michael Cuisance heißt die neue Nummer 27 der Borussia. Cuisance ist gerade einmal 17 Jahre alt. Die Vorbereitung bestritt er nahezu komplett, genoss nach kurzer Zeit bereits das Vertrauen des Trainerteams und konnte sich in den Testspielen zeigen. Auch bei uns lassen die ersten Eindrücke darauf hoffen, dass Eberl mal wieder Näschen bewiesen hat und ein neues Mittelfeldtalent aus dem Hut zaubern konnte. Wir freuen uns drauf!

Mit Extra-Coach die Jungen jeden Tag besser machen

Apropos Trainerteam. Auch auf der Bank wurde noch einmal nachgerüstet, denn mit Otto Addo kam ein Coach nach Gladbach, der vor allem Eines machen soll: Die jungen Spieler täglich ein Stückchen besser. Klingt zwar abgedroschen, ist aber so. Im Gegensatz zu vielen etablierten Bundesligisten setzt die Borussia auch im Liga-Alltag auf junge Spieler und gibt ihnen eine echte Chance. Allein in der letzten Saison wurden fünf Spieler eingesetzt, die 20 Jahre oder jünger waren. Insgesamt kamen diese Spieler auf 83 Pflichtspiele.

Natürlich hat ein Verein wie der FC Bayern mehr Erfahrene als Alternativen im Kader und demnach auch auf der Auswechselbank. Doch gab es beim VfL in der vergangenen Spielzeit noch fünf weitere Akteure, die 21-23 Jahre alt waren und eben diese kamen alleine auf 143 Spiele in den drei Wettbewerben. Das macht für das Projekt „Jugend forscht“ in 2016/2017 insgesamt 226 Partien. Ein Wert, der unterstreicht, dass unsere Borussia gezielt auf den Nachwuchs setzt und ihm auch in kritischen Momenten vertraut.

Neue Spieler bestätigen den eingeschlagenen Weg

Die zur neuen Saison verpflichteten Spieler führen diesen eingeschlagenen Weg fort: im Durchschnitt waren die sechs Neuzugänge 20 Jahre alt. Wenngleich die Herren Grifo (24) und Ginter (23) den Schnitt ein wenig in die Höhe treiben, bleibt die Erkenntnis: Das ist die wirkliche Ware, die Borussia hat und die uns positiv in die Zukunft blicken lässt.

Auch für uns Fans sollte diese Erkenntnis mehr denn je Bock machen auf die neue Saison. Viele Spieler sehen unserem Club als ihr perfektes Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt an – das ist der Markt. Dennoch haben auch sie eine ganz andere Identifikation mit dem Club und der Region, als sie vielleicht ein erfahrener Haudegen entwickeln würde. Sie kommen, wie einst ein Herrmann oder Jantschke, aus ihrer Heimat an den Niederrhein. Bei Borussia finden sie dann ein neues zu Hause und gerade da liegt auch die Chance für uns als Verein.

Diese jungen Spieler brauchen dafür aber die Unterstützung der Fans, um eine neue Heimat zu finden und auf dem Platz mit Selbstvertrauen spielen zu können. Deswegen müssen auch wir uns auf den Weg des Vereins einlassen, die Mannschaft auch nach Fehlern unterstützen und Max Eberl bei seiner Arbeit vertrauen. Sie werden es sehr wahrscheinlich zurückzahlen.

Am Freitag weicht die Vorfreude dann leichter Anspannung. Das Spiel in Essen ist ein fantechnisch schöner Auftakt, in dem wir gemeinsam die zweite Runde erreichen werden.

Auf geht’s, Borussia!

Foto zu diesem Beitrag: Fabio Rizzetto

3 Gedanken zu „Ruhige Vorbereitung auf ein Entwicklungsjahr

  • 10. August 2017 um 8:55
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    So sieht`s aus ! Sehr gut geschrieben !

    Antwort
    • 10. August 2017 um 11:04
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      Da kann man nur ein. . . . ! setzen.
      Drücke die Daumen das alle gesund bleiben bzw werden und auf eine spannende tolle Saison.

      Antwort
  • 11. August 2017 um 7:44
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    Dann hoffen wir ‚mal, dass alles so kommt. Die Einkaufspolitik des Vereins – ein Haufen talentierter Jugendliche ohne oder mit wenig Erfahrung in unterklassigen Ligen plus zwei Bundesligakicker mit Erfahrung – ist einigermaßen gewagt. Und im Wesentlichen vom Prinzip Hoffnung genährt.
    Zunächst aber steht heute Abend wohl die gleiche Truppe auf dem Platz, die schon in der letzten Saison reichlich Mentalitätsprobleme aufzeigte. Ersetzt durch Ginter/ Christiansen und Zakaria/ Dahoud. Wobei Zakaria wohl nur deshalb gesetzt ist, weil Tobias Strobl sich schwer verletzt hat.
    P.S.
    Der alte Haudegen Stranzl hat sich mit dem Club und der Region sehr identifiziert.

    Antwort

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