Stopp!

Borussia steht nach 21 Spieltagen auf dem achten Tabellenplatz – nur drei Punkte hinter den Champions League-Rängen. Eine Situation also, die uns in den vergangenen Jahren mehr als zufrieden gestellt hätte. Aktuell fühlt sie sich allerdings sehr trist an. Das hat Gründe!

Vor knapp zwei Wochen war Dieter Hecking Gast in einem Sky-Talk-Format. Immer wieder hakte Gastgeber Jörg Wontorra bei unserem Chefcoach nach: Ist die Erwartungshaltung bei der Borussia zu hoch? Wollen viele Fans zu viel? Warum knistert und brodelt es in Mönchengladbach, obwohl der VfL einigermaßen punktet? Die Schlussfolgerung der Talk-Runde nach den immer wiederkehrenden Fragen: Fans und Umfeld in Gladbach sind zu verwöhnt!

Die Situation ist irgendwie absurd. Jahrelang waren Fans und Verein daran gewöhnt, gegen den Abstieg zu spielen. Von einstelligen Tabellenplätzen wagte kaum jemand zu träumen. Dann kam Favre, ein Abstiegskrimi mit Happy-End, der anschließend mit Platz vier vergoldet wurde. Seit 2012 hat Borussia mehrmals in der Europa- und sogar in der Champions League gespielt. Die Mannschaft wurde durch richtig gute Arbeit sukzessive verbessert. Haben diese Erfolge uns Fans satt und verwöhnt werden lassen?

Wir müssen selbstkritisch einräumen: Ja! Wer tolle (internationale) Erfahrungen macht, wer nach Manchester, Sevilla, Villareal, Istanbul, zuletzt sogar Barcelona reist, der will solche Erfahrungen gerne wieder machen. Wer jahrelang Siege sieht, gibt sich nur äußerst ungerne mit häufigeren Pleiten zufrieden. Wer einem starken Kader mit (im Gegensatz zu früher) grandiosen Individualisten zuschaut, möchte deren Möglichkeiten häufig ausgeschöpft sehen.

Dass nicht nur wir so zu denken scheinen, kriegen wir immer wieder mit wenn wir uns in der Fanszene umhören. Es mehren sich die Stimmen, die Mannschaft und Trainer kritisieren – was im Übrigen das gute Recht jedes Fans ist (wenn nicht gerade mitten im Spiel!). Vor sieben Jahren hätten wir einen einstelligen Platz jederzeit mit Kusshand genommen und wie eine Meisterschaft gefeiert. Da wäre es völlig egal gewesen, wie uns der Fußball der Mannschaft gefallen hätte – Hauptsache er wirft genügend Punkte ab. Systeme? Ideen? Egal!

Und leider sind wir da schon beim ersten Punkt, warum die aktuelle Situation irgendwie nicht zufriedenstellend ist: Wir erkennen im Moment leider keine fußballerische Idee im hecking’schen System! Klar, Kritik an Trainern und ihren fußballerischen Ideen hat es immer gegeben. Was haben wir uns aufgeregt, wenn Favre (aus unserer Sicht) mal wieder viel zu spät wechselte? Für wie durchgeknallt hielten wir André Schubert, wenn er die Mannschaft mit einer Dreierkette am gegnerischen Sechzehner attackieren ließ?

Eine gewisse Besserwisserei trägt jeder Fußballfan also irgendwie in sich. Allerdings haben wir unter Favre und sogar unter Schubert wiederkehrende Elemente und Mechanismen im Aufbauspiel gesehen. Diese Trainer hatten eine Idee. Favres war gleichsam langweilig wie genial und erfolgreich. Schuberts Plan war – ohne ihm zu nahe treten zu wollen – Harakiri. Aber es war eben eine Idee! Aktuell fehlt uns diese irgendwie. Wir sehen zwar extrem starke Spiele wie gegen Bayern oder auch in Hoffenheim, dazwischen tut sich die Mannschaft aber immer wieder schwer – egal ob gegen direkte Konkurrenten wie Leverkusen und Wolfsburg oder auch gegen deutlich schlechtere Gegner vom untersten Tabellenende.

Zwar werden die kampf- und ideenlosen Auftritte wie gegen Freiburg auch für die sportliche Führung nicht wirklich leicht zu greifen sein. Insgesamt haben wir allerdings zu oft den Eindruck, dass es (auch) am fehlenden Biss der Mannschaft in den entscheidenden Momenten liegt. Wenn Frankfurt in den ersten zwanzig Minuten körperlich extrem hart agiert, dann darf eine Mannschaft da ruhig gegenhalten. Wenn die Offensivabteilung gegen Leipzig partout nicht trifft, darf man gegen Ende gerne kratzen, beißen und kämpfen, um wenigstens den Punkt mitzunehmen. Im Übrigen ist es auch nicht verboten, nach einem misslungenen Hackentrick in der Nachspielzeit (!) beim Stand von 1:1 (!!) im Derby (!!!) mit aller Entschlossenheit im Vollsprint in Richtung des eigenen Tores zu laufen und den Gegenangriff, der zum bitteren 1:2 führte, zu unterbinden. Folgende Worte tun weh, beschäftigen uns aber seit Monaten: Wir haben bei der Mannschaft zunehmend das Gefühl, dass der letzte Biss, die Leidenschaft und die Entschlossenheit in den wichtigen Momenten fehlen! Eigentlich gibt es für so etwas Führungsspieler und einen Kapitän! Aktuell sehen wir davon wenig.

Und das bereitet uns Sorge: Wir wissen tatsächlich zum ersten Mal seit langem nicht ganz, wofür Borussia steht und wo es hingeht. Das liegt übrigens nicht nur an der Veränderung, die der Erfolg ins Stadion gebracht hat – auch die Situation innerhalb von Nordkurve und Fanszene beschäftigt uns. Die gegenseitigen Animositäten gipfelten bekanntlich in einem offenen Konflikt unter Borussia-Fans während des letzten Spiels gegen Leipzig. Das ist mindestens genauso traurig wie die ernüchternde sportliche Analyse.

Wir möchten hier niemandem vorschreiben, ob und inwiefern er sich an Protesten gegen Red Bull zu beteiligen hat und sind uns darüber im Klaren, dass viele die Proteste kritisch sehen. Dazu hat auch jeder sein gutes Recht – das haben wir im Übrigen aus unserer Sicht immer schon so kommuniziert! Wieso dann allerdings Fans, die den Protest durchziehen, bepöbelt werden, ist für uns nicht nachvollziehbar. Ebenso peinlich ist es, wenn Leute in Phasen, in denen die Ultras aus Protest schweigen, besonders laut singen. Wieso machen diese Leute das sonst nicht genauso laut?

Viele werden jetzt kritisieren, dass die Ultraszene bereits in Köln eine Halbzeit auf Support verzichtete. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Fakt ist allerdings, dass in Köln der gesamte Gästeblock keinen Ton mehr rausbekam in Halbzeit zwei. Nicht nur die Ultras. Dass in einer Situation wie gegen Leipzig auch von Seiten der Ultras irgendwann Provokationen und Gesten folgen, ist uns klar.

Wir meinen: Für uns alle sollte Borussia im Vordergrund stehen. Keine Eitelkeiten und Meinungen darüber, wie Fankultur auszusehen hat! Keine Eitelkeiten und Meinungen, dass in Zeiten vor den Ultras möglichweise alles besser war! Denn um es klar zu schreiben: Es kann doch nicht sein, dass unsere Fanszene die unstrittigen Vorteile (Choreos etc.) der Ultras in Anspruch nimmt, ohne die kontroversen und unbequemen Seiten der Kultur zu akzeptieren. Denn wenn die Ultraszene mal wieder einen Fanmarsch im Europapokal organisiert, geht jeder mit und postet die besten Schnipsel dann im Internet. Ach, Europapokal. Das waren noch Zeiten!

Um es abschließend noch einmal klarzustellen und den Bogen zurückzuspannen: Wir würden diese erfolgreichen Zeiten gerne noch einmal erleben, sehnen uns aber nicht auf Teufel komm raus danach. Stattdessen sehnen wir uns nach einer gesunden „Einig-Volk-unter-Brüdern“-Einstellung und einer guten Diskussionskultur in der Fanszene. So wie wir es bis vor eineinhalb Jahren fast in Perfektion gelebt haben. Das gilt im Übrigens für Kutten, Normalos und Ultras!

Darüber hinaus sehnen wir uns nach einer Mannschaft, die weiß, wofür sie auf dem Platz steht – für die Raute im Herzen. Wir sehnen uns nach fußballerischen Ideen hinter dem Handeln! Es geht uns dabei um den ganzen Verein! Um eine Identität, die Borussia vorgibt und gemeinsam mit seinen Fans lebt. Wir hoffen innigst, dass der Klub schleunigst dazu zurückfindet. So wie aktuell darf es aus unserer Sicht nicht weitergehen!

Foto zu diesem Beitrag: nordkurvenfotos.de

14 Gedanken zu „Stopp!

  • 10. Februar 2018 um 8:46
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    Ihr Sprecht mir aus der Selle!!!
    Genau so ist es und nicht anders.danke für diese Klaren Worte von euch!!!

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  • 10. Februar 2018 um 10:35
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    Das trifft genau die Meinung vieler Fans, und sollte auch als offenen Brief an die Verantwortlichen gehen.
    Das wir „alle“ in großer Sorge um unseren Verein sind und gerne zusammenstehen um den Erfolg zu erzwingen.

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  • 10. Februar 2018 um 11:30
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    Ich als alter “Normalo” aus der Nordkurve, möchte nur einen Kommentar dazu abgeben: 100% richtig SWG Grüße an den Rest der Fans

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  • 10. Februar 2018 um 12:59
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    Eine sehr gute Analyse . Mir fehlt auch das Herz bei manchen Spielern auch mal aggressiv zu Werke gehen. Die Route im herzen ist das wichtigste was unsere Mannschaft auszeichnen soll. Seit Jahren fordert die Anhängerschar einen Mittelstürmer. Wo ist er frage ich unseren Manager der ansonsten eine super gute Arbeit leistet. Packen wir es alle an und unterstützen unsere Mannschaft von der ersten Minute an. Peter

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  • 10. Februar 2018 um 13:13
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    Besser kann man es nicht Schreiben, sehr schöner und auf den Punkt gebrachter Beitrag!!!

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  • 11. Februar 2018 um 10:12
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    Danke für diesen Text!!!! Das spielt genau die Zerissenheit der letzten Monate wieder! Ich fahr heute mal wieder zum Auswärtsspiel und frag mich, was wird`s wohl geben. Nicht Sieg oder Niederlage, sondern sehe ich ein Team, was gewinnen will und auch dafür läuft, kratzt und beißt? Diese Unsicherheit nimmt einem einen Teil der Vorfreude auf die Spiele – weil eine heute mal nur 80%-Truppe keinen Spaß macht – (fast) egal wie das Spiel ausgeht.

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  • 11. Februar 2018 um 16:30
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    Das Team wird medial und leider auch von den meisten Fans komplett überschätzt. Von Sommer über Ginter, von Kramer bis Hazard. Bundesligadurchschnitt. Aktuell eher unterdurchschnittlich. Gut, das 31 Punkte auf dem Konto sind. Spätestens nach der Heimniederlage gegen den BVB geht der Blick der Fans voller Bangen Richtung Punkteabstand auf Platz 15. Jede Wette. DH hat bisher noch jede Mannschaft schlechter gemacht. Was zur Zeit bei der Borussia passiert, war vor 14 Monaten der Grund für den Rausschmiss in Wolfsburg Herr Eberl.

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  • 11. Februar 2018 um 16:35
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    Ganz genau, so sehe ich das auch. Ich frage mich nach der ersten Halbzeit, welche Drogen die Mannschaft vor dem Spiel bekomm, um so Schlafmützig Fussball zu spielen.

    Antwort
  • 11. Februar 2018 um 16:38
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    Ganz genau, so sehe ich das auch. Ich frage mich nach der ersten Halbzeit, welche Drogen die Mannschaft vor dem Spiel bekommt, um so Schlafmützig Fussball zu spielen. Kein Fussball für Europa. Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung für dieses gegurke !!

    Grüße an alle die mit mir leiden und auch keinen Fortschritt sehen.

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  • 11. Februar 2018 um 17:16
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    Min.83. Jetzt spielen sie mit drei Stürmern. Einer blinder als der andere.
    Das wird wieder nichts !!

    Herr Eberl, verlängern Sie nicht den Trainervertrag !!
    Das kostet nur zusätzlich Geld !!

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  • 11. Februar 2018 um 20:25
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    Bin komplett dabeiWenn Eberl mit diesem Trainer Jetzt schon verlängern will.Eberl wie blöd seid ihr? Ihr macht unseren im „Arsch“

    Antwort
  • 11. Februar 2018 um 20:44
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    Es ist einfach nervig jede Woche diesen scheiß Fussball zu gucken. Es geht mir dabei nicht um einen möglichen Tabellenplatz. Wir haben heute nur eine wirkliche Torchance kreiert. Lächerlich. Das will keiner sehen. Keiner. Das kann man sich nicht antun

    Antwort
  • 11. Februar 2018 um 22:39
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    Wenn ich nach dieser Vorstellung die arrogante und zugleich hilflose Erklärung von D.H. höre.
    Da muss doch etwas passieren.

    Wie will dieser Trainer die Mannschaft auf den BVB einstellen.
    Wahrscheinlich mit den Worten, die dann immer kommen, “ wir sind gut eingestellt “ .

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