Talfahrt stoppen – Bielefeld schlagen!

Nach turbulenten letzten Wochen liegt vor Borussia nun das so wichtige Spiel gegen Arminia Bielefeld am Samstag. Aus dem Verein hört man, dass die Mannschaft die Situation begriffen habe. Wir hoffen, dass sie die Spieler das am Samstag auf dem Platz beweisen. Unsere Vorschau!

Der gebürtige Gladbacher Journalist Stefan Hermanns, der heute in Berlin für den Tagesspiegel arbeitet, hat uns an diesem Mittwoch mit einem launigen Tweet amüsiert. Hermanns schreibt darin, dass er “vor dem wichtigen Spiel bei Arminia Bielefeld (…) beim Training von Borussia vorbeigeschaut” habe. Garniert war der Post mit einem Artikel zu dieser Einheit, die allerdings nicht 2022 von Adi Hütter, sondern im Spätherbst 2000 von niemand Geringerem als Hans Meyer geleitet wurde. Im Teaser zum Artikel von damals heißt es, der Trainer mache “eine unglaublich brisante Situation vor dem Spiel in Bielefeld” aus. Und weiter: “Es ist eine Situation, in der das Volk nach Sündenböcken sucht und neue Helden kürt.” Das passt heute wie damals!

Nun wären wir schlecht beraten, die aktuelle Gesamtsituation unserer Borussia mit der aus dem Jahr 2000 zu vergleichen. Zu viel hat sich in den vergangenen 22 Jahren getan, zu viel ist passiert. Unser Klub hat seitdem – das haben wir in unserem Brief an Max Eberl noch einmal herausgearbeitet – eine unfassbare Entwicklung mitgemacht und steht auf einem wesentlich gefestigteren Fundament. Und dennoch: Dass man sich als Borussia-Fan in der aktuellen sportlichen Lage zumindest minimal an längst vergangene Abstiegsangst-Tage am Bökelberg zurückerinnert, kann niemand bestreiten. Spiele gegen Bielefeld und Augsburg werden plötzlich nicht mehr nur vom Boulevard als “Endspiele” betitelt, einige besonders hyperventilierende Medienvertreter:innen arbeiten sicherlich schon an ersten Trainer-Listen der Kategorie “Feuerwehrmänner”. Irgendwie ist das dann schon ein Rückfall in Zeiten von Hans Meyer, Peter van Houdt, Stéphane Stassin und Co.

Die Alibis müssen endlich vorbei sein!

Aber kommen wir zurück ins Hier und Jetzt: Aus dem Verein und dessen Umfeld heißt es, dass Borussias hochveranlagte Mannschaft die aktuelle, brenzlige Situation verstanden habe und bereit sei, sie anzunehmen. Die Emotionen, die so mancher Fan in den letzten Monaten auf dem Platz vermisste, seien in den turbulenten letzten Tagen rund um den Eberl-Abschied zurückgekehrt. Angeblich, so hört man es aus der Kabine, wolle die Mannschaft sich für den verabschiedeten Sportchef und das gemeinsame Projekt Borussia ins Zeug legen. Am Freitagabend verbrachten die Spieler mit dem Staff einen Mannschaftsabend in Düsseldorf. In der Kabine sollen die Führungsspieler zuletzt immer wieder versucht haben, entsprechend auf ihre Kollegen einzuwirken, Capitano Lars Stindl wie verrückt an seinem Comeback arbeiten und sogar der eine oder andere Lethargie-König soll sich im Training zuletzt wieder mächtig ins Zeug gelegt haben. Doch bringt das alles wirklich etwas?

Fakt ist, dass sich diese Mannschaft in den letzten 1,5 Jahren immer wieder hinter Alibis versteckt, die mehr oder weniger auf dem Elfmeterpunkt lagen. Mal war es der Trainer, dann die Umstände der Corona-Pandemie und schließlich andere Unruhen im Verein. Der Vorwurf der Mentalitäts- und Emotionslosigkeit ist nicht neu und langfristig einzig und alleine durch die Spieler selbst zu widerlegen. Wir und viele andere Fans haben in den letzten Monaten schon mehrfach an das Team appelliert. Meistens ohne Erfolg! Jetzt glauben wir allerdings, dass wirklich ein Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich diese Truppe beweisen muss. Und sei es nur, um sich langfristig für andere Vereine ins Schaufenster zu stellen. Ein Abstieg wäre für Borussia Mönchengladbach und jeden einzelnen Spieler ein Makel auf der im vergangenen Jahr noch glänzenden Champions-League-Bilanz. Ganz zu Schweigen vom möglichen Verschleiß des dritten Trainers in drei Jahren. Dies wäre aus Fansicht kaum mehr zu akzeptieren!

Es zählen keine Ausreden mehr!

Natürlich gerät dabei auch Adi Hütter selbst in den Mittelpunkt. Nach Abschluss vieler interner Querelen und Nebenkriegsschauplätzen, muss er es schaffen, diesen auf dem Papier weiterhin deutlich ambitionierteren Kader wieder wachzuküssen und die Fesseln zu lösen. Dabei ist Hütter keinesfalls um seine Situation beneiden: Borussia befindet sich sportlich im Tiefflug. Wie in Frankfurt hat er dazu seinen wichtigsten sportlichen Ansprechpartner verloren. Der Verein sucht noch nach einem Nachfolger, um das entstandene Machtvakuum nach dem Eberl-Abgang wieder herzustellen. Hütter öffnete auf der heutigen Pressekonferenz erstmals sein Seelenleben und ließ durchblicken, dass ihn die Situation im Herbst durchaus mitgenommen hätte. Insgesamt macht der Trainer aber weiter einen ruhigen und souveränen Eindruck, was gut ist ob der sportlichen Lage!

Auch Hütter wird allerdings wissen: Die höchst diffizile Gemengelage rund um Borussia darf keine Ausrede sein. Er und die Mannschaft müssen jetzt liefern. Dabei muss es der Trainer (mit Unterstützung seiner Spieler) nach sieben Monaten endlich schaffen, die Qualität des Kaders auch auf den Platz zu bringen. Hütter muss dabei den “Reset-Knopf” finden, der den vollen Fokus auf den Sport lenkt. Er muss in die Köpfe der Spieler und ihnen klar machen, dass jetzt nur eines zählt: Das Spiel gegen Bielefeld – idealerweise abgeschlossen mit einem extrem wichtigen Dreier!

Wunschlösung Systemumstellung?

Vielleicht muss Hütter dafür auch über seinen Schatten springen und sich von seinem Dreierketten-System lösen, wobei das vermutlich eine Wunschvorstellung unsererseits ist. Die Vergangenheit hat aber ja (mit Viererkette) bewiesen: Borussia verfügt offensiv über so viel Qualität und so viel Wucht – und eine eingespielte Viererkette. Wir fragen uns also: Warum kriegen Trainer und Mannschaft diese Stärken nicht mehr auf den Platz? Was ist in der Kabine los? Wo ist die Power, die uns einst mit einem ähnlichen Kader hat überragend in die Königsklasse einziehen und auch danach überragende Spiele hat zeigen lassen?

Wir fordern die Spieler und den Trainer auf, sich zusammenzuraufen und gemeinsam aus dieser Krise rauszukommen! Und zwar mit Beginn Samstag, 15.30 Uhr. Legt Euch ins Zeug! Besinnt Euch auf Eure Stärken! Lauft, kratzt und beißt! Euch allen muss klar sein, was weitere Niederlagen für diesen stolzen und glorreichen Klub Borussia Mönchengladbach bedeuten! Wir dürfen auf keinen Fall weiter in den Tabellenkeller abrutschen! So lange Ihr alles dafür gebt, wisst Ihr unsere Unterstützung und sicherlich auch die vieler anderer Borussia-Fans hinter Euch! Und bald schon werden wir wieder im Stadion stehen und Euch diese Unterstützung auch beweisen! Auf geht’s: Talfahrt stoppen – Bielefeld schlagen!

6 Gedanken zu „Talfahrt stoppen – Bielefeld schlagen!

  • 3. Februar 2022 um 20:55
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    Ärmel hochkrempeln und der Arminia zeigen was Gladbach ist. Ohne wenn und aber, direkt in die Zweikämpfe kommen, die zweiten Bälle holen, und dann denen die Hütte voll schießen. Alles andere wäre Forellenklasse.

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    • 4. Februar 2022 um 0:26
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      Wenn du glaubst dass man denen die Hütte vollschießen müsste weißt du glaub ich nicht wie gut Bielefeld spielt und fightet. Das wird ein enges Spiel! Klar muss ein Sieg her, aber mir reicht auch ein 0:1.

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  • 4. Februar 2022 um 7:27
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    Den Bericht hätte man direkt nach den ersten Saisonspielen schreiben können und dann Copy and Paste. Er passte danach eigentlich bei jedem Spiel, von zwei bis drei Ausnahmen einmal abgesehen. Warum es gerade in Bielefeld funktionieren soll,wo doch schon das Heimspiel trotz des 3:1 ein elendes Gegurke war? Immerhin ist die Hauptfehlerquelle der letzten Spiele jetzt in Italien und darf die Fans von Turin ärgern. Leider sehe ich dennoch schwarz für morgen und tippe auf ein 2:0 für die Heimmannschaft. Im ICE von Düsseldorf über Ulm nach Bregenz sitzt dann Sonntagmorgen unser Adi. Und dann kann ab Augsburg endlich die Aufholjagt losgehen.

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  • 4. Februar 2022 um 7:28
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    Frage an die Redaktion. Welchen Freitag meint ihr, wenn ihr vom Teamabend sprecht?

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  • 5. Februar 2022 um 11:38
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    Das wäre wirklich schön, wenn sich die Herren Millionäre mal den Arsch für unsere Borussia aufreißen würden. Denn nur dann kann man gegen Bielefeld, die immer vollen Einsatz zeigen, etwas holen. Aber wer‘s glaubt wird selig. Das Gelabere dieser Söldner kommt einem doch vor wie der Murmeltier-Tag. Die meisten sind doch gedanklich längst bei ihren Handgeldern für den nächsten ablösefreien Wechsel. Nein, es wird leider wieder nichts mit dem „Bock umstoßen“, es geht leider schnurstracks in die Zweite Liga. Ich lasse mich aber sehr gerne belehren, dass ich falsch lag…

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  • 5. Februar 2022 um 18:43
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    Vor einem Jahr noch CL und jetzt happy über ein Remis auf der Alm, so schaut es aus!
    Leider hatte ich auch diesmal wieder bis zum Abpfiff Angst vor dem Last Minute Knockout.
    Mit Feuer und Leidenschaft aus der Halbzeitpause, aber ab Minute 70 war das Feuer wieder erloschen.
    Wann hört endlich das Gerede von einer eigentlich viel besseren Elf auf? Das ist Mittelmaß und mehr nicht.
    Das nächste Endspiel kann kommen. Keine 3 Punkte gegen Augsburg und…….

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