Vier Schüsse vor den Bug

Kein guter Start in die Bundesliga-Saison 2015/16. Borussia geht beim BVB mit 0:4 unter – eine verdiente Niederlage. Unser MitGedacht.-Autor mahnt aber, nicht gleich den Stab über der Mannschaft zu brechen. Vielmehr sollten einige Träumer mal runterkommen!

Da ist es wieder, dieses Gefühl. Dieses Gefühl, keine Chance gehabt zu haben. Unterlegen zu sein. Einfach die schlechtere Mannschaft zu haben. Viele Borussia-Fans sind mit diesem Gefühl groß geworden. Abstiegskampf, viele herbe Klatschen, ohne reelle Chance gegen die Großen der Liga. Eigentlich dachten wir, das Gefühl habe sich erst mal aus Mönchengladbach verabschiedet. Zuletzt waren wir meist die Überlegenen – besonders in der vergangenen Saison.

Am Samstagabend fuhren sicher nicht nur wir aber mal wieder mit diesem Gefühl nach Hause. Ein Kloß im Hals, keinen Bock auf die eigentlich angedachte Abendplanung, nur noch nach Hause. 0:4 hatte unsere Mannschaft verloren. Das kann mal passieren, vor allem nach so einer fantastischen Saison. Erschreckend waren die einfachen Fehler im Spiel der Fohlenelf aber doch.

Was erwartet ihr denn?

Und so wollen wir die Mannschaft auch gar nicht von Fehlern und einer grottenschlechten Leistung freisprechen. Das Team scheint noch nicht so weit zu sein, wie es viele Anhänger oder Möchtegern-Experten gerne sehen würden. Ja, die Bubi-Abwehr wirkte orientierungslos und überfordert. Ja, auch die Führungsspieler konnten ihre Klasse nicht unter Beweis stellen. Und ja, vorne fehlt es komplett an der Abstimmung zwischen Neuzugang Drmic und dem Rest.

Wir fragen aber ganz ehrlich jeden Kritiker oder Anhänger, der sich aufregt: Was erwartet ihr denn? Am Samstag standen sich zwei grundsätzlich verschiedene Mannschaften gegenüber. Auf der einen Seite eine 195-Millionen-Euro-Truppe (transfermarkt.de), die bereits drei Pflichtspiele absolviert hat, sich im Stamm seit dem vergangenen Jahr nicht verändert hat und im Feld mit nur einem einzigen Neuzugang auflief. Das Ziel dieser hochkarätigen Mannschaft ist klar gesteckt: Champions League!

Gegenüber stand eine junge, unerfahrene Mannschaft. Marktwert 82,2 Millionen Euro, die in dieser Formation zum zweiten Mal auf dem Platz stand. Sie spielte mit drei Neuzugängen – eigentlich sogar vier, zählt man den im Profibereich noch absolut unerfahrenen Marvin Schulz mit. Diesem Team fehlte die komplette Stamm-Innenverteidigung, inklusive einem der besten Zweikämpfer der vergangenen Saison. Und wäre das nicht alles schon hart genug, muss diese Mannschaft weiterhin den Verlust ihrer zwei vielleicht wichtigsten Säulen verkraften: Ihrer Mittelfeld-Lunge und ihrem offensiven Antreiber, einem der wohl kombinationssichersten Stürmer der Bundesliga.

Ein untragbarer Rucksack

Sicherlich – und das merkte man am Samstagabend auch im Auswärtsblock – ist die Erwartungshaltung rund um unsere Borussia momentan einfach zu hoch. Zu viele Leute, auch aus der aktiven Szene, hatten insgeheim wohl gehofft, dass das Favre-Team da weitermachen könne, wo es in der vergangenen Saison aufgehört hatte. Ein Trugschluss! Der Mannschaft wird so unendlich viel Druck aufgelegt. Ein Rucksack, den Spieler wie Christensen oder Schulz gar nicht alleine tragen können. Sie sind viel zu sehr mit ihrer eigenen Leistung beschäftigt.

Eines sollte jedem Fan klar sein – und wenn nicht wollen wir es allen Borussen hiermit ins Gedächtnis rufen: DIE LETZTE SAISON WAR EIN POSITIVER AUSRUTSCHER! Ja, das war total geil. Ja, wir haben es genossen. Und ja, unsere Mannschaft hat auch fantastisch gespielt. Das alles war aber eben auch nur möglich, weil Vereine wie unser Gegner vom Samstag einfach mal eine grottenschlechte Saison hingelegt haben. Wir sind noch lange nicht auf Augenhöhe mit Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, dem VfL Wolfsburg und Schalke 04. Vielleicht können wir die beste Mannschaft dahinter sein! Das können wir aber nur, wenn wirklich alles passt.

Wir geben der Mannschaft Zeit

Am Samstag hörte man im Gästeblock leider zu schnell, wieder viel zu viele negative Stimmen. „Pah, was will der Johnson denn?“, „Drmic ist ja ein Fehleinkauf wie de Jong!“, „Was hat Favre denn mit denen gemacht?“, „Das wäre uns letztes Jahr nicht passiert!“, „Was für eine Gurken-Truppe!“ Allesamt Stammtisch-Parolen, auf die wir einfach keinen Bock haben. Noch einmal: Unsere Mannschaft hat richtig kacke gespielt! Verloren hätten wir gegen diese Dortmunder Truppe aber vermutlich auch mit einer 100-prozentigen Leistungssteigerung. Daher sei allen Meckerern gesagt: Überblickt die Lage mal realistisch – oder verpisst euch!

Wir haben keinen Bock, uns die fantastische Entwicklung unseres Vereins in den vergangenen Jahren, von irgendwelchen erfolgsverwöhnten Trotteln kaputt machen zu lassen! Und damit auch gut jetzt. Mund abputzen, hart arbeiten, Fehler abstellen, weiter machen! Wir sind uns sicher: Lucien Favre und sein Team brauchen noch eine Menge Zeit, um die Automatismen dem neuen Spielermaterial anzupassen. Wir geben unserer Mannschaft diese Zeit. Und das sollte jeder andere Fan auch tun. Wir sehen die Niederlage mal als Schuss vor den Bug zur rechten Zeit an. Damit auch die letzten Träumer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.Dortmund2

Daumen hoch für die Spruchband-Flut

Apropos Träumer! Auch wenn wir die schwarzgelben Stricher einfach nie mögen werden, muss man ob der Leistung vom Samstag doch mal kurz anerkennend in Richtung Dortmund nicken. Die Südtribüne sorgte das eine oder andere Mal für Gänsehaut. Wir nennen exemplarisch mal die Auswechslungen von Reus und Aubameyang. Allerdings: Wer gegen einen Mitkonkurrenten der letzten zwei Jahre drei oder vier zu null führt, kann die eigene Mannschaft durchaus mal gebührend feiern. Viel zu oft tat dies aber nur der aktive Kern der Südtribüne. Ist es beim Rest etwa schon vorbei mit der echten Liebe?

Lobend wollen wir noch die vielen Spruchbänder der aktiven Gruppen auf schwarzgelber Seite erwähnen. Auch wenn wir sonst nichts mit ihnen zu tun haben wollen, unterstützen wir Schwarzgelb im Kampf für die Fankultur – und gegen den DFB! Daher gibt’s einen Daumen für die Spruchband-Flut vor dem Spiel und zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Jetzt aber Schluss mit der Lobhudelei. Für den weiteren sportlichen Saisonverlauf wünschen wir Schwarzgelb, allen rot-weißen Freunden und Kevin Großkreutz nämlich nur das Schlechteste. Vielleicht übersteht man ja wenigstens noch den UI-Cup und kann sich dann mit den Großen des europäischen Fußballs messen…

Wir werden es jedenfalls tun! Auf, auf, auf in die Champions League!!

Ein Gedanke zu „Vier Schüsse vor den Bug

  • 17. August 2015 um 14:00
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    Jawohl habt recht. Trotzdem TOD UND HASS DEM BVB TOD UND HASS DEM FC K*LN

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