War das nur der erste Streich?

Borussia schlägt den FC Schalke 04 mit 4:2. Sportlich eine Macht-Demonstration. Auch auf den Rängen bietet das Spiel einiges, unter anderem sorgt ein Banner der Ultra-Szene für Wirbel. Unsere Nachbetrachtung.

Es ist die Rückkehr eines längst vergessenen Gefühls. So euphorisch hat man Borussias Spieler und Funktionäre schon lange nicht mehr erlebt. Man habe „eine riesige Party hier im Borussia-Park“ gefeiert, so Tony Jantschke. Oscar Wendt sprach sogar von einem „echten Highlight“. Und selbst der in den vergangenen Tagen trotz guter Ergebnisse kritische Trainer Dieter Hecking konnte sich ein zufriedenes Lächeln nach dem Spiel nicht verkneifen.

Unsere Borussia, das lässt sich auch in der vierten von sechs englischen Wochen am Stück sagen, liegt nach den jüngsten Erfolgen in allen Wettbewerben definitiv im Soll. Der 4:2-Sieg über Schalke war nun aber eine Machtdemonstration – ausgerechnet gegen jenen Gegner, den die Fohlenelf in zwei der kommenden drei Pflichtspielen vor der Brust hat. Die Vorzeichen könnten eigentlich besser gar nicht stehen! Vor allem, weil die Mannschaft endlich auch wieder einmal spielerisch überzeugte. Nach den eher mauen Auftritten in Ingolstadt bzw. Hamburg und der (berechtigten) Kritik von Trainer Hecking fegte die Mannschaft Schalke förmlich vom Platz.

Wir haben in den vergangenen Wochen bewusst mit Lob gespart, zu tief sitzt der Frust über die verkorkste Hinrunde noch. Jetzt ist es aber mal angebracht, diese Haltung aufzugeben: Was für eine Wahnsinns-Leistung! Trotz tiefem Boden und müden Beinen lief und sprintete die Hecking-Truppe den Gegner in Grund und Boden. Mo Dahoud beherrschte wie ein junger König das Mittelfeld. Zum ersten Mal nach seiner Verletzung wirbelte Rafael (zumindest in Halbzeit zwei) wieder die gegnerische Abwehrreihe auseinander. Die linke Seite mit dem läuferisch wie spielerisch starken Duo Wendt/Johnson überzeugte wie zu besten Zeiten. Jannik Vestergaard und Tony Jantschke zeigten ihre vielleicht besten Rückrunden-Spiele. So kann es gerne weitergehen!

Das gilt im Übrigen auch für die einzig wahre Nordkurve. Angestachelt von einem heftigen Platzregen und dem furiosen Auftritt auf dem Platz wusste die Stimmung vor allem in Halbzeit zwei zu überzeugen. Einige richtig starke Gesangs- und Hüpfeinlagen sowie nette Pöbel-Einlagen gegen die selbsternannten Ruhrpottkanaken (top Zaunfahne!) auf der anderen Seite sorgten für einen ordentlichen Hexenkessel und echte Flutlichtatmosphäre. Diese Unterstützung braucht unsere Truppe nun auch in den kommenden Wochen – vor allem in den entscheidenden Euro-League-Spielen gegen Königsblau.

Schalke-Fans beim Bundesligaspiel in Gladbach

Für etwas Wirbel sorgte die Ultra-Gruppe Sottocultura vor dem Anpfiff. Mit einem Spruchband kritisierte sie einige Journalisten der „Rheinischen Post“. Man kann der Ultrabewegung in einigen Aspekten sicherlich kritisch gegenüberstehen – manchmal muss man es sogar. Das gilt im Übrigen auch für dieses Spruchband bzw. seinen Inhalt. „Die Pressefreiheit für sich instrumentalisieren“? Harter Vorwurf – gerade in Zeiten, in denen sich Präsidenten in gleich mehreren Ländern zu diktatorenähnlichen Alleinherrschern aufschwingen und die Presse unterdrücken bzw. boykottieren.

Die Kritik an besagter Zeitung unterstützen wir aber teilweise! Die „RP“ hat sich in der Vergangenheit in ihrer (Fan-) Berichterstattung nicht gerade clever angestellt – und das gleich mehrfach. Das fängt bei plakativen Geschichten wie reißerischen Artikeln zum Protest gegen RB Leipzig oder einer extrem aggressiven Darmstadt-Prozess-Begleitung an, hört aber im Alltagsgeschäft nicht auf. Immer wieder wird in Richtung Fanszene nur oberflächlich recherchiert, dann aber versucht, tiefgründig zu analysieren. Das geht einfach nicht! Es reicht nicht aus, einmal beim Supporters Club anzurufen (der übrigens nicht „das Fanprojekt“ ist, liebe RP!) und eine Meinung abzuklopfen. Wir sehen bei einigen Redakteuren sicherlich Bemühungen, sich zu bessern. Die auf dem Plakat genannten Personen sind nicht dabei.

Ein Wort noch zum Echo nach dem Spiel: Wenn nun einige Facebook-Kommentatoren im Internet gegen Sottocultura hetzen, weisen wir das scharf zurück. Nur die wenigsten kennen die genauen Hintergründe. Nein, das Banner bezog sich nicht nur auf die Leipzig-Sache! Nein, nicht alle Ultras sind grundsätzlich gegen die Presse! Ja, man kann mit ihnen reden! Bitte nicht falsch verstehen: Wir sind weiterhin für den Dialog zwischen Fan- sowie Ultraszene und Presse. Dass sich aber einige Jungs, weil sie sich derart unverstanden fühlen, zu plakativen Äußerungen greifen, können wir in Teilen nachvollziehen. Und damit genug zu diesem Exkurs und zurück zum Spiel gegen die Schalker.

„Kellermann, Peters & Co: Das sind keine Journalisten, sondern nur Schmierfinken & Unwissende, die die Pressefreiheit für sich instrumentalisieren.“

Zum Schalker Auftritt fällt uns an dieser Stelle leider nur wenig ein. Sicherlich, weil wir auch einen Tag nach dem Spiel immer noch berauscht vom Auftritt unserer eigenen Mannschaft sind. Wir können aber auch nicht leugnen, dass uns der mutlose und schlechte Auftritt des Gegners mehr als überrascht hat. Nach dem Pokal-Debakel in München hat wohl ganz Fußball-Deutschland mit einer Schalker Trotz-Reaktion gerechnet. Stattdessen: Anfängerfehler zuhauf, eine leblose Mannschaft, Frust bei den eigenen Fans. Ein erbärmliches Bild, das der königsblaue Traditionsklub da momentan abgibt. Wir hoffen, dass es noch ein bisschen anhält und letztlich zum Euro-League-Aus am übernächsten Donnerstag führt.

Allerdings müssen wir an dieser Stelle auch noch einmal den großen Mahner geben: Wir alle kennen das Sprichwort des angeschlagenen Boxers. Jeder Borusse sollte sich trotz bester Ausgangslage darüber im Klaren sein, dass die beiden Partien gegen diesen angeschlagenen Gegner kein Selbstläufer werden. Wer sich gestern nach dem Spiel im Stadionumfeld, in den Bussen oder Zügen auf der Rückfahrt umhörte, könnte denken, wir stünden schon mit einem Bein im Euro-League-Viertelfinale. Nein!

Schalke kann, auch wenn das momentan keinesfalls so aussieht, extrem gefährlich sein – vor allem vor heimischem Publikum. Die königsblauen Spieler gehören individuell sicher weiterhin zum oberen Drittel der Bundesliga. Sie müssen spätestens jetzt liefern, alleine schon um das aufgebrachte Umfeld zu beruhigen. Jeder Borusse, der die Fohlenelf am Donnerstag nach Gelsenkirchen begleitet, sollte das stets im Hinterkopf haben und unsere Jungs daher nach Kräften unterstützen. Gemeinsam haben wir eine große Chance auf Historisches – aber nur wenn alle an einem Strang ziehen und alles für Borussia geben.

Dann, aber auch nur dann, war dieser 4:2-Sieg am Samstag nur der erste Streich…

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