Endlich ein Ziel vor Augen.

Sonntagabend trifft Borussia Mönchenglabach auf Werder Bremen. Es ist das erste Spiel nach dem mittelschweren Erdbeben, das die Rotation der Personalkarussells diese Woche in Mönchengladbach auslöste. Doch vor allem ist es ein in vielerlei Hinsicht richtungsweisendes Spiel gegen einen direkten Konkurrenten, den sich der VfL im Schlussspurt zum Vorbild nehmen könnte.  Auch weil Werder schon länger ein klares Ziel hat!

Gleich zu Beginn packen wir das Phrasenschwein aus: Diese Partie am Sonntagabend ist eines dieser berühmten “Sechspunkte-Spiele”. Warum? Mit Werder Bremen kommt der Tabellensiebte in den Borussia-Park. Die Grün-Weißen liegen sieben Spiele vor Schluss fünf Punkte hinter Borussia auf Rang sieben. Dementsprechend würde ein Sieg bei dann noch sechs verbleibenden Spielen ein gutes, acht Punkte starkes Polster bedeuten. Umgedreht würde die Bremer ein Sieg in Schlagdistanz bringen. Wir gehen in diesem Punkt mal etwas konträr zu unserem Manager Max Eberl: Es ist eben kein “normales Bundesligaspiel wie 33 andere auch”.

Werder hat das gemacht, wovor Borussia sich lange gescheut hat!

Dabei könnte der direkte Konkurrent zu einem Vorbild werden, das dabei hilft, die trotz allen Geredes zweifelsfrei vorhandene Ergebnis- und Leistungskrise zu beenden. Schließlich gehen die Bremer offensiv mit den eigenen Ambitionen um. Spieler, Trainer und Verantwortliche haben im Winter unumwunden die Teilnahme am Europapokal als Ziel ausgerufen. Seitdem misst Trainer Florian Kohfeldt seine Jungs an genau dieser Maßgabe. Und das Team zahlt dieses Vertrauen mit Super-Leistungen zurück – was es nicht zuletzt das DFB-Pokalviertelfinale am Mittwoch gezeigt hat, sondern auch in vielen Bundesligaspielen zuvor.

Bei Borussia klang das lange viel zurückhaltender. Gefühlt scheute sich der Klub vor derart klaren Zielen wie in Bremen. Die Maßgabe am Niederrhein: Man denke von Spiel zu Spiel und wolle bloß nicht mit Europa-League- oder gar Champions-League-Ambitionen in Verbindung gebracht werden. Selbst neun Punkte Vorsprung konnten keine klare Zielsetzung aus den Verantwortlichen und den Spielern herauskitzeln. Manch ein Fan hätte sich eine etwas offensivere Herangehensweise gewünscht!

Das Hecking-Aus als Impuls für den Europa-Endspurt?

Die kam dann auf einmal – in dieser Woche! Auf der Pressekonferenz zu seiner eigenen Abberufung wagte sich am Dienstag Dieter Hecking plötzlich offen vom Traum zu reden, Borussia in die Champions League zu führen. Kurz danach zogen Tony Jantschke und Kapitän Lars Stindl nach und äußerten Königskassen-Ambitionen. Und auch Keeper Yann Sommer ging in die Offensive und sprach in einem vereinsinternen Interview von der Champions League – was die Medienabteilung des Klubs (nicht wirklich für ihren Mut und Forschheit bekannt) dann sogar auf Borussia.de veröffentlichte.

Borussia Mönchengladbach

💭 “Wir wissen natürlich, dass wir das, was in den vergangenen Wochen, war, nicht einfach durch reden zur Seite schieben können. Jeder muss sich jetzt fragen „Was kann ich ab sofort wieder besser…

Die neue Zieloffensive von Trainer und Mannschaft könnte als Reaktion auf den desaströsen Auftritt in Düsseldorf zu deuten sein. Da sich sowohl Sommer, als auch Stindl und Jantschke aber auf die anstehende Trennung von Cheftrainer Hecking bezogen und auch der Trainer selbst in diesem Kontext von den neuen Zielen sprach, hängt es wohl eher mit der viel diskutierten Entscheidung zusammen. 

So könnte die getroffene Entscheidung contra Hecking einen Impuls geben, die abschließenden Spiele als Endspurt zu begreifen und die Champions League – oder aber mindestens die Europa League – als letztes gemeinsames Ziel auszurufen und anzugehen. Dass es zwischen Trainer und Mannschaft angeblich so super passt, würde ein guter Abschluss beweisen. Vielleicht hilft der Mannschaft das nun klar formulierte Ziel dabei, wieder konsequenter aufzutreten.

Die Schwächephasen etablierter Vereine ausnutzen

Übrigens halten wir es grundsätzlich für absolut sinnvoll, dass sich Max Eberl nicht vor jeder Saison hinstellt und offensiv europäische Ambitionen herausblökt. Auch hier dient Werder Bremen als Vorbild – allerdings als negatives. Mit dem Verpassen der europäischen Plätze und einer überbezahlten Mannschaft zerbrachen viele Ambitionen Werders in den 2010ern. Borussia – das kam bei der freitäglichen Spieltagspressekonferenz – ebenfalls zur Sprache, hat andere finanzielle Voraussetzungen als Werder zu dieser Zeit oder heute Bayern, Dortmund, Schalke, Leipzig, Wolfsburg oder Leverkusen. Um vor diesen Klubs zu landen, muss der VfL abliefern.

Außerdem – und darauf wies Eberl im aktuellen Gespräch mit der Rheinischen Post nochmals hin – sind Schwächephasen der oben genannten Vereine wichtige Voraussetzungen. Wir stimmen unserem Bald-Sportvorstand bei solchen Äußerungen zu. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass mit Schalke und Leverkusen zwei der genannten Klubs in dieser Saison deutlich zurückliegen oder geschwächelt haben. Vor allem Königsblau fungiert aktuell als vereinsgewordene Schwächephase. Mit Frankfurt steht aktuell zumindest ein Verein vor uns, vor dem wir uns nicht verstecken müssen. Jedenfalls dann nicht, wenn die Mannschaft geschlossen auftritt und es läuft.

Im Grunde ist also eben die Situation eingetreten, die Max Eberl immer beschreibt. Borussia muss nur das Beste draus machen. Bis vor wenigen Wochen war die Mannschaft auf dem Weg, die Vorlagen der Konkurrenz zu verwandeln. Nach 22 Spielen schien alles rosarot. Das sollten wir nicht vergessen. Und doch kommt bei vielen Fans der Eindruck auf, die Mannschaft versage wie schon in der vergangenen Saison in einer ganz entscheidenden Phase.

Das Team muss endlich Charakterstärke beweisen!

Es ist die leidige Diskussion um Charakter und Mentalität unserer Mannschaft. Hecking und Eberl bestritten dahingehende Mängel auf der Freitags-Pressekonferenz vehement. Besonders Hecking wirkte entschlossen und bewies, dass die Mentalität des Trainers nicht infrage gestellt werden muss.

Aus Fansicht sind die Beteuerungen der Verantwortlichen, die Mannschaft habe Charakter, allerdings wenig wert. Sicher ist es Heckings und auch Eberls Job, den Kader zu verteidigen. Letztlich ist es aber die Mannschaft, die das nun endlich einmal beweisen muss. Fußballerisch zweifelt den Kader kaum jemand an. Dass die Jungs darüber hinaus aber ausreichenden Willen, Charakter und im Idealfall ein Gespür für die Identifikation der Fans mit Borussia mitbringen, ist für viele Anhänger nicht zweifelsfrei belegt. Der unwürdige Auftritt in Düsseldorf tat zu solchen Denkweisen sein Übriges.

Der Sonntag und das Spiel gegen Bremen würden sich anbieten, uns Lügen zu strafen. Dieter Hecking sagte am Freitag, die Mannschaft müsse nicht für ihn spielen. Er hätte es aber verdient, weil er die Enttäuschung seines kommenden Abschieds mit Würde getragen hat. Die Mannschaft sollte also auch ein bisschen für unseren Trainer spielen. Vor allem aber für Borussia und ihren eigenen Charakter. Und für die gemeinsame europäische Maßgabe! Denn endlich gibt es bei Borussia ein klares Ziel. Ein Ziel, an dem sich dieses Team messen lassen muss!

Foto zu diesem Beitrag: Nordkurvenfotos

8 Gedanken zu „Endlich ein Ziel vor Augen.

  • 6. April 2019 um 9:31
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    Ich bin – wie immer – im Stadion und drücke die Daumen, dass es zur Reaktion der Mannschaft kommt und 3 Punkte im Borussia-Park bleiben. Idealerweise mit Offensivfußball und Toreffektivität. So, wie am 23.9.2015 bei Schuberts ersten Spiel gegen Augsburg. Aus lahmen Gäulen würden schnelle Fohlen. 4:2 stand es am Ende. Und 8:2 wäre möglich gewesen. Vielleicht wird es ja morgen auch wieder so.
    Höre ich allerdings Hecking auf der PK:
    „Ich bleibe dabei – ich mache das, wovon ich überzeugt bin und nicht das, was andere Leute meinen, was ich machen müsste, damit Gladbach nach Europa kommt.“
    Oh Mann. So klang er schon vor dem Düsseldorf Spiel. Dazu kommt die aktuelle Form von Elvedi, Ginter, eigentlich von allen außer Sommer. Deshalb erwarte ich es leider so: Dieter Hecking nimmt Eberls Angebot, das 9.Platz Triple zu erreichen, an, tritt mit gleicher Taktik und denselben Spielern an und verabschiedet sich aus Gladbach mit einem 0:3.

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  • 6. April 2019 um 9:59
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    Moin,
    klare Worte von Euch!! Ich erwarte eine KOMPLETT andere Einstellung der Mannschaft am Sonntag!
    Wozu es dann reicht wird man sehen….!
    @DocMa,jo,dass war mal ne Reaktion gegen die “Puppenspieler”..war auch Live dabei.
    Leider sehe ich es wie Du….aber vielleicht überraschen sie uns ja mal:-)!
    BG aus SH
    Michael

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  • 6. April 2019 um 11:12
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    Eigentlich ein guter Kommentar von Euch…. aber Ihr ( du) solltet schon etwas mehr darauf achten, was ihr da vom Stapel lasst! Werder 5.??? Werder hat am Mittwoch im Halbfinale gewonnen??? Habt ihr gesoffen?😂🥳

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    • 7. April 2019 um 9:03
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      Hallo Micha! Nein, ausnahmsweise mal nicht. Trotzdem waren da unsere Finger wohl etwas schneller als der Kopf. Wir haben es korrigiert und danken herzlichst für den Hinweis. Schönen Sonntag mit drei Punkten, die vier MitGedacht.‘ler

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  • 6. April 2019 um 13:28
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    Hallo,

    echt Hecking, ich mache das wovon ich….. überzeugt bin ! Das Ergebnis hat man in der Rückrunde ja gesehen. Wenn ich einem Stindel und einem Hoffmann zuschaue, was die in 90 Minuten leisten, dann wird mir schlecht. hat eigentlich dem Stindel schon mal jemand gesagt, das man nach einem Anspiel im Mittelfeld ohne Bedrängnis, man sich nach Ballannahme auch mal umdrehen darf und auf das gegnerische Tor zulaufen kann, um vielleicht auch mal einen sogenannten tödlichen Pass in die Tiefe oder auch nach rechts oder links spielen kann, anstatt fast jedes mal einen Rückpass. Einen Hazard nimmt er kurz vor der Halzeit raus, vielleicht auch berechtigt, aber doch nicht ein paar Minuten vor der Halbzeit. Spieler wie Hoffmann, Johnsen, Strobel und Wendt lässt man weiter wurschteln. Wo sind eigentlich die Nachwuchsspieler von BMG…… Es kann nur besser werden, hoffe ich !!!

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    • 7. April 2019 um 21:03
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      Heute nach dem Bremen Spiel mit wieder mal keinem Heimsieg bleibt mir nichts anderes übrig als Eberl und Hecking recht zu geben. BMG ist nur dann im Europapokal wenn Teams die deutlich mehr (finanzielle) Möglichkeiten haben als wir, patzen. Dazu gehören wenn ich mich täusche Bremen, Hertha, Fortuna usw. nicht dazu. Leider muss ich feststellen, dass meiner Borussia das Sieger- Gen komplett fehlt. Ich weigere mich ein Blutleeres Unentschieden gegen harmlose Bremer schön zu reden. Das wir nix mehr werden diese Saison

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  • 6. April 2019 um 20:18
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    Reaktion?
    Hm, ob unsere Jungs das Wort überhaupt kennen?
    Mit Bremen kommt zum wiederholten Male eine Mannschaft zu uns in dem Borussia Park, die unter der Woche ein Pokal oder ein Europapokalspiel hinter sich hat. Bisher haben wir immer versagt.
    Meiner Meinung nach liegt es daran, dass keine Ziele ausgegeben werden oder sogar schlimmstenfalls eine Niederlage schon vorher als nicht so schlimm dargestellt wird. Ideal für jeden Spieler, der charakterlich nicht stabil ist.
    Da kann man ja hinterher auf die Worte des Trainers verweisen, der ja auch nicht von einem Sieg ausgegangen ist.
    Nach dem Motto, der Gegner war erwartet schwer zu bespielen, der Schiri war gegen uns oder oder oder.
    Von diesen Statements hätten wir die letzte Zeit ja genügend Beispiele.
    Morgen gilt es auf dem Platz Gras zu fressen, Eier zu zeigen und den Gegner, der unter der Woche gespielt hat, nieder zu ringen.
    Wir werden sehen, von welchem Kaliber unsere jetzt erst recht Profis sind.
    Morgen 90 Minuten im Park auf der Nord werde ich wieder alles geben und hoffe das es unsere Jungs mir gleichtun werden.

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    • 7. April 2019 um 21:34
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      Ich weiß wirklich nicht mehr was ich zu dieser Leistung sagen soll. Schwache Bremer holen sich einen Punkt. Diese Spielweise der letzten Wochen spiegelt doch die Arbeitsweise von Herrn Hecking wieder.Das ist Mittelmaß.
      Max hätte ihn gleich nach Hannover schicken sollen.
      Die Mannschaft kann auch Arie van Lent für den Rest der Saison betreuen.
      Schöne Woche an alle !

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