Wiedergutmachung – schon Sonntag!

Es war eine historische Klatsche: beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC kassierte Borussia die höchste europäische Heim-Niederlage ihrer langen Geschichte. Hinterfragen sollte sich vor allem die Mannschaft – und zwar, ob sie das Spiel so ernst genommen hat wie nötig!

Recht ruhig und sachlich sprach Marco Rose am späten Donnerstagabend in den Katakomben des BORUSSIA-Parks über die peinliche 0:4-Pleite gegen den österreichischen Bundesligisten Wolfsberger AC. Ein Verein, mit einem Gesamtmarktwert von nicht einmal 12 Millionen Euro. Ein Verein, mit Trainingsmöglichkeiten wie ein Landesligist. Ein Verein aus der Provinz. Rose sprach so ruhig über die deutliche Niederlage, dass man sich als Borussia-Fan fast hätte aufregen können über so viel Gelassenheit. 

Doch es war nur der Tonfall, der diesen Eindruck aufkommen ließ. Inhaltlich ging Rose mit seinen Mannen hart ins Gericht: Man müsse wohl Grundsätzliches hinterfragen, so der Trainer und deutete gleich mehrfach an, dass er damit vor allem die Einstellung seiner Spieler meinte. Sein Vorgesetzter, Max Eberl, hatte ein paar Minuten zuvor in die gleiche Kerbe geschlagen: Er sprach von einem „Riesenrückschlag“ und ergänzte schonungslos: „Wir waren als Team schlecht!“ Worte, die immerhin zeigen: Niemand redet das Europa-Debakel schön! 

Borussias latente Arroganz

Wir wollen in diesem Bericht natürlich Folgendes nicht unterschlagen: Der Wolfsberger AC hat ein richtig gutes Spiel gezeigt. Leidenschaftlich, druckvoll, eiskalt vor dem Tor. In fast jeder Statistik waren die Österreicher unterlegen. Dass sie in ihrem ersten europäischen Gruppenspiel trotzdem 4:0 gewinnen konnten, war keinesfalls unverdient. Ein Riesen-Kompliment für diese Leistung, die einmal mehr zeigt, was in diesem genialen Sport mit Willen und Einsatzbereitschaft drin ist. David hat gegen Goliath immer eine Chance!

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der WAC auf einen Verein getroffen ist, der nicht einmal ansatzweise das zeigte, was er imstande ist zu leisten. Wir wollen ehrlich sein: Der Auftritt von Borussia war auch deshalb so erschreckend, weil sich die Mannschaft bis aufs höchste Maß zu überschätzen schien und mit einer latenten Arroganz auflief, die für uns auch einen Tag später schlicht unerklärlich bleibt – vor allem nach so einem Wochenende mit dem Derbysieg, viel Rückenwind und dem bevorstehenden Europa-Comeback.

Ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit?

Nun wollen wir aber auch nicht direkt den Stab über der Mannschaft brechen. Das 0:4 war blamabel, schlecht und peinlich – keine Frage. Wir sollten dem Team aber definitiv die Möglichkeit geben, sich dafür zu rehabilitieren. Die Saison ist noch jung, im Derby hat die Truppe gezeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, ein Spiel kämpferisch anzugehen und Mentalität sprechen zu lassen. Genau das muss (!) sie jetzt auch gegen Fortuna Düsseldorf zeigen.

Die Spieler scheinen dies immerhin bereits selbst erkannt zu haben und äußerten sich am Donnerstagabend in diese Richtung. Sie müssen jetzt liefern und beweisen, dass ihre Worte keine leeren Phrasen sind. Das 0:4 war ein tiefer Schlag in die Gladbacher Magengrube. Hoffentlich war es ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. Ein Schuss, der der Mannschaft signalisiert: Es reicht nicht, sich bloß auf die eigene spielerische Stärke zu verlassen. Zum Fußball gehören auch andere Werte. Und die sind für das von Marco Rose angedachte Spiel unerlässlich.

In diesem Sinne: Wiedergutmachung! Am Sonntag! Alle zusammen!  

Foto zu diesem Beitrag: Bonnarts / Getty Images

3 Gedanken zu „Wiedergutmachung – schon Sonntag!

  • 20. September 2019 um 23:03
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    David hat gegen Goliath immer eine Chance?
    Ihr thematisiert doch im Text zu Recht die Arroganz. Und dann kommt der David/ Goliath-Spruch. Als ob die Borussia der Goliath sei und der WAC der David. Das ist doch mal so richtig respektvoll. Hoeneß lässt grüßen.

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    • 24. September 2019 um 12:05
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      Ich denke der beschriebene Vergleich hat nicht mit fehlenden Respekt zu tun sondern mit dem allgemeinen Vereinsvergleich. Zahlen wie z.B. dem Marktwert von 257 Mio zu 12 Mio. Oder A-Nationalspieler von 10 bei uns zu 1 bei denen………

      Ich finde da darf man ruhig schon mal von David gegen Goliath sprechen ohne respektlos zu sein oder arrogant zu klingen !

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  • 21. September 2019 um 13:03
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    Für mich absolut unverständlich war die zu erwartende, aber leider fehlende Rotation. Es werden in den kommenden Wochen sehr viele Spiele auf die Mannschaft zukommen. Wie will Rose Spieler wie z.B. Raffael, Herrmann oder Traore langfristig bei Laune halten. Die Jungs haben auch seit Jahren Profiverträge und müssen in so einem wichtigen Spiel gegen einen auf dem Papier zweitklassigen Gegner einfach eine Chance kriegen und zeigen was sie drauf haben. Nur so kann man als Trainer auf die “erste Elf” auch Druck ausüben. Hätten die Jungs dann ähnlich schlecht gespielt und wären wir dann zur HZ hinten gelegen, hätte der Choach ja reagieren können und jeder Spieler und Zuschauer im Stadion hätte es verstanden. Aber erst 20min. vor dem bitteren Ende bei einem Spielstand von 0-4 Herrmann und Rafael zu bringen……das versteh ist absolut nicht.
    Unabhängig von diesen Fakten haben wir aus meiner Sicht das mit Abstand schwächste Spiel in den letzten 40 Jahren gesehen und niemals hätte ich nach dem guten Auftritt in K. so etwas für möglich gehalten. Alles für was M. Rose als Trainer steht, hat ausschliesslich der Gegner gezeigt. Zweikampfverhalten, Passsicherheit, Raumaufteilung, Pressing, Laufbereitschaft, Umschaltspiel, Aggresivität und Willensstärke waren komplett verflogen. Und zwar bei nahezu allen Spielern, die die Raute auf der Brust trugen. Wollen wir hoffen das jeder Spieler im Kader spätestens nun weiss, das er in jedem Spiel, wo er die Ehre hat auf dem Platz zu stehen, Vollgas geben muss, um in dieser Runde wirklich etwas zu erreichen. Am Sonntag muss ein überzeugendes Heimspiel her, in dem es nur einen Sieger geben kann. UNSERE BORUSSIA !

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