Borussia muss ihr wahres Gesicht zeigen!

Nach der Länderspielpause beginnen für Borussia drei Wochen der Wahrheit: in den kommenden sieben Spielen muss die Truppe zeigen, was sie wirklich kann. Sorgen machen die unterschiedlichen Auftritte der letzten Wochen, Hoffnung die Filmfigur des Jokers. Ein Ausblick!

Weltweit sorgt die Verfilmung des „Jokers“ momentan für Schlagzeilen. Der Kinofilm polarisiert: Die Fachwelt vergöttert ihn und Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, andere wiederum sehen in dem Film eine Art Gewaltexzess, der das große Publikum eher verstört. Zuschauer sollen schon feiernd aus dem Kinosaal stolziert sein, aber auch eilenden Schrittes geflüchtet sein. Der Joker – das ist unstrittig – ist eine Figur mit zwei Gesichtern: Einerseits gibt es diese verletzliche, zerbrechliche und scheiternde Seite – und eben dieses total jokertypische Aggressive, Feixende und Laute. Und damit ist diese Filmfigur das aktuell beste Symbol für Borussia Mönchengladbach!

Denn auch unser Klub hat sich bislang noch nicht auf ein Gesicht festgelegt: Das Team wankt zwischen Überzeugung (Köln, Hoffenheim, Augsburg) und Versagen (Wolfsberg, Basaksehir). Da sind also einerseits die wirklich starken Auftritte in der Liga, zu denen wir sogar in Teilen die Schlussphasen gegen Leipzig und Düsseldorf zählen, in denen Borussia zwar nicht restlos überzeugte, aber zumindest mit Einsatz glänzte. Dem gegenüber stehen die besorgniserregend unemotionalen, weil derart laschen, Auftritte in der Europa League.

Eintracht Frankfurt bleibt ein Vorbild

Bezeichnend für diese zwei Gesichter steht die Zweikampfquote – vor allem in Istanbul: Gerade einmal 45 Prozent der direkten Duelle konnte Borussia dort für sich entscheiden. Zum Vergleich: In der Bundesliga war die Mannschaft in diesem Punkt fast immer führend: 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegen Augsburg, 53 Prozent in Hoffenheim, 54 Prozent gegen Düsseldorf. In Köln waren es sogar 57 Prozent! In Istanbul war von alledem nichts zu spüren.

Eine Erklärung für dieses „internationale Trübsal“ sind Mannschaft und Trainer bislang schuldig geblieben. Die Probleme bei der Anreise nach Istanbul oder der fehlende Support halten unserer Meinung nach nicht als Entschuldigung her. Und auch die Tabellenführung in der Bundesliga freut uns zwar riesig (und macht uns unfassbar stolz, weil sie einfach verdient ist!), macht die lahmen Auftritte in diesen für unseren Klub so bedeutenden Highlight-Spielen aber nicht vergessen. Für manchen Fan mag es abgedroschen klingen, aber es bleibt weiterhin beeindruckend, wie etwa Eintracht Frankfurt den Wettbewerb „Europa League“ annimmt. Ein ganzer Verein lebt Europa, weil jeder weiß, wohin die Eintracht der Wille der eigenen Mannschaft und der daraus resultierende Zusammenhalt mit den Fans im letzten Jahr gebracht haben.

Neue Aufschlüsse über Spielweise und Personal

Dass unsere Mannschaft ähnlich seriös auf europäischem Parkett agieren kann, muss sie nun in den nächsten Wochen beweisen. Dann nämlich, wenn – bis zur nächsten Länderspielpause in drei Wochen – erstmals ein echtes Hammer-Programm auf Borussia wartet: Auswärts bei Borussia Dortmund, in Rom, Zuhause gegen Frankfurt, bei Borussia Dortmund (Pokal), in Leverkusen, Zuhause gegen Rom, Zuhause gegen Bremen. Sieben Spiele, nach denen wir ziemlich genau wissen werden, wohin die Reise geht: Hat Borussia noch in allen drei Wettbewerben Chancen auf eine aussichtsreiche Platzierung? Oder müssen sich Rose und Co. in diesem Jahr komplett auf die Bundesliga konzentrieren?

Die Spiele werden darüber hinaus auch Aufschluss über andere Fragen geben: Wie weit ist das „System Rose“ tatsächlich? Reicht es, um überfallartig (aktuell) limitierte Gegner wie Köln, Hoffenheim oder Augsburg zu dominieren? Oder kann Borussia auch gegen die Großen – wenn der Druck hinten größer, die Räume nach vorne aber auch offener werden – den neuen Ansatz in Punkte ummünzen? Spannend werden auch die personellen Fragen: Ist der Kader breit genug, um der enormen Belastung standzuhalten? Schon gegen Dortmund wird es diesen Samstag Aufschlüsse darüber geben – etwa wenn es um die Kompensierung der Ausfälle von Matthias Ginter und Stefan Lainer geht. 

Die Reaktionen stimmen positiv

Es werden für uns Fans unfassbar spannende und nervenaufreibende Wochen, die hoffentlich einige positive Erkenntnisse bringen. Angst und Bange muss uns mit Blick auf das „Hammer-Programm“ aber nicht sein. Die Truppe wird wohl kaum in allen Spielen ihr „verletzliches Gesicht“ zeigen. Und wenn doch, wirkt es auf uns so, als ob Rose und sein Team ziemlich genau wissen, was zu tun ist. Der Trainer hat einen Plan und den setzt er um. Leider haben er und Max Eberl – im Gegensatz zum Fan-Wunschdenken – Rückschläge eingeplant. Dass die Mannschaft aber immer wieder eine Reaktion auf diese Spiele gezeigt hat, stimmt uns positiv! 

Beim Joker setzt sich bekanntlich das aggressive, feixende und laute Gesicht durch. Und auch wenn Borussia im Gegensatz zur Filmfigur idealerweise nicht über die Stränge schlagen sollte, wünschen wir uns doch, dass es bei unserem Klub in eine ähnliche Richtung geht. Dazu muss die Truppe in den nächsten Wochen aber ihr Gesicht zeigen. Das wird aber nur gelingen, wenn Unterstützung aus allen Ecken kommt. Auf geht’s. Bestätigen wir den Trend!

Foto zu diesem Beitrag: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

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